Schulen & Kitas geöffnet: Wie gefährlich ist das Coronavirus für Kinder?

In den meisten Bundesländern sind Schulen und Kitas geöffnet. Ein Fakt, der so manche Eltern aufatmen ließ. Zumindest zunächst ... Denn: Wie sicher sind die Kleinen in der Betreuung - und wie schwer kann bei Kindern eine COVID-19-Erkrankung verlaufen? Darüber scheiden sich nach wie vor die Geister. Die Forschung hat sich bislang auf erwachsene Patienten konzentriert. Dennoch sind in Berlin, Rheinland-Pfalz und Bayern die ersten Schulen schon wieder dicht.

Ein Schüler einer vierten Grundschulklasse schaut auf seinen Stundenplan und hat vor sich seine Schulmappe und einen Mundschutz liegen
Für viele Schüler hat der Schulunterricht wieder begonnen. Ein Grund sich zu sorgen? Bildrechte: dpa

Endlich wieder Schule? In Sachsen sollte es eigentlich heute für die Grundschüler wieder losgehen. Doch statt aufzuatmen haben zahlreiche Eltern protestiert. Argument: Bei zu vielen Kindern in zu kleinen Räumen können weder Abstands- noch Hygieneregeln umgesetzt werden. Eine Ansteckung der Kinder untereinander sei vorprogrammiert. In einem Eilverfahren hat das Verwaltungsgericht Leipzig die Bedenken der Eltern bestätigt. Die Schulpflicht für Grundschüler ist vorerst noch auf Eis gelegt, der Schulbesuch freiwillig.

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
In Sachsen ist der Schulbesuch für Grundschüler zunächst freiwillig, in anderen Bundesländern mussten erste Schulen bereits wieder geschlossen werden. Bildrechte: imago images/Belga

1,2 Millionen tote Kinder durch Corona-Pandemie?

Die amerikanische Johns-Hopkins-Universität hat in der vergangenen Woche Untersuchungsergebnisse veröffentlicht, die besagen, dass die Corona-Pandemie bis zu 1,2 Millionen Kinder das Leben kosten könnte. Eine Prognose, die nicht nur Eltern und Großeltern schockiert hat.

Doch man sollte mehr als nur die "reißerische" Überschrift gelesen haben. Denn gemeint sind nicht Sterbefälle infolge von COVID-19, sondern die Folgen von medizinischer Unterversorgung aufgrund der Corona-Pandemie in Schwellen- und Entwicklungsländern. Dennoch eine alarmierende Zahl.

Meist schwache Krankheitssymptome bei Kindern

In Deutschland haben sich bislang verhältnismäßig wenig Kinder mit dem neuartigen Coronavirus infiziert: Nur drei Prozent der bestätigten Covid-19-Patienten sind unter 15 Jahre alt, zeigen die Zahlen des Robert Koch Instituts. Im Ausland ist es ähnlich, wie Kohortenanalysen aus den USA, China und Italien zeigen.

Das Problem aller Erhebungen: Kinder infizieren sich häufig ohne Symptome, deshalb werden nicht alle erkannt und erfasst. Die Dunkelziffer der Covid-19 Infektionen bei Kindern wird deutlich höher sein. Dennoch gehen Experten davon aus, dass sich noch nicht viele Kinder mit Covid-19 angesteckt haben.

In der Regel haben Kinder deutlich mildere Krankheitsverläufe als Erwachsene. Untersuchungen aus China deuten an, dass Kinder häufiger an Magen-Darm-Beschwerden leiden könnten. Das bestätigen auch die wenigen deutschen Fälle.

Ein mit dem Corona-Virus infiziertes Mädchen schenkt der Krankenschwester Yang Liu ein Bild.
Die meisten Kinder haben zum Glück einen eher milden Krankheitsverlauf. Bildrechte: imago images / Xinhua

Weshalb erkranken Kinder seltener an COVID-19?

Den Grund dafür, dass Kinder die Infektion mit Sars-CoV-2 in der Regel besser wegstecken und meist weniger schwer erkranken, sehen Mediziner in ihrem Immunsystem. Der kindlichen Immunabwehr fehlt die Erfahrung mit gängigen Erregern, weshalb sie noch keine spezifischen Antikörper gegen diese ausgebildet hat. Und genau deshalb kann sie vielleicht umso stärker auf SARS-CoV-2 reagieren. Das würde auch erklären, weshalb sich Kinder nach einer Infektion schneller erholen als erwachsene Corona-Patienten.

Entzündungssymtome wie bei Kawasaki-Syndrom

Gleichzeitig vermehren sich Berichte darüber, dass Kindern am sogenannten Kawasaki-Syndrom erkranken. Das ist eine Überreaktion des Immunsystems mit Fieber und einer Entzündung der Blutgefäße, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Das Kawasaki-Syndrom kann durch unterschiedliche Infektionen ausgelöst werden. Die Vermutung liegt nahe, dass auch COVID-19 eine Ursache dafür ist. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 200 Kawasaki-Fällen. Doch die meisten aktuellen Fälle stehen nicht nachweisbar in einem Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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