Corona Hohe Impfquote: Wie Spanien und Portugal die Herdenimmunität erreichen könnten

Spanien und Portugal könnten die Corona-Pandemie bald hinter sich lassen. Die Impfquoten liegen teilweise bei 98 Prozent. Experten vermuten folgende Gründe für die Impfbereitschaft: Solidarität, Vertrauen und Struktur.

Geimpfte warten in einem Impfzentrum in Portugal.
Portugal setzte auf große Impfzentren statt auf kleine Teams. Bildrechte: IMAGO / ZUMA Wire

Die Impfquote in Portugal lag Mitte Oktober bei 98 Prozent, in Spanien Anfang November bei fast 90 Prozent. Das schließt jeden mit ein, der älter als 12 Jahre ist. Bedenkt man, dass Portugal rund zehn Prozent Kinder unter 12 Jahre hat, dann liegt die Impfquote auf die Gesamtbevölkerung gesehen bei sagenhaften 87 Prozent. In Spanien sind es 80 Prozent. In Deutschland sind es 67 Prozent.

Experten fragen: Haben beide Länder damit faktisch Herdenimmunität erlangt? Und wie haben sie das geschafft? Die einfache Antwort: Mit einem Gemeinschaftsgefühl, einem Grundvertrauen in den Corona-Impfstoff sowie generalstabsmäßig geplanten Impfstraßen.

Offene Kommunikation über Impf-Strategie

Beide Länder waren von der Corona-Pandemie hart gebeutelt. Besonders viele Covid-19-Kranke starben in Portugal. Deutsche Ärzte und Soldaten mussten dort zu Anfang des Jahres sogar Hilfe leisten, da das Gesundheitswesen heillos überfordert war. Spanien riegelte sich monatelang ab, nur zum einkaufen durfte man eine Stunde am Tag die Wohnung verlassen, auf den Straßen patrouillierte das Militär.

Henrique de Gouveia e Melo
Der ehemalige Admiral Henrique de Gouveia e Melo erschien immer im Tarnanzug. Bildrechte: IMAGO / GlobalImagens

Möglich, dass die Covid-19-Impfkampagne aus diesem traumatischen Grund in beiden Ländern gewirkt hat. Der portugiesische Impfkoordinator Henrique de Gouveia e Melo erklärte in einem Interview mit dem ZDF, dass die Regierung nicht nur offen über den Impfprozess aufgeklärt habe. Die Bevölkerung wurde regelrecht eingeschworen im "Kampf gegen den Feind Corona".

Impfen wie am Fließband

Außerdem wurde in riesigen Impfzentren wie am Fließband geimpft. Auch in Spanien gibt es eine gut organisierte Impf-Struktur - schon lange vor Corona. Jährlich werden innerhalb von zwei Wochen Millionen von Menschen gegen Influenza geimpft.

Jeder Einwohner Portugals und Spaniens wurde - nach Altersgruppen gestaffelt - mehrfach persönlich kontaktiert und zur Corona-Impfung eingeladen. Während in Deutschland über Datenschutz diskutiert wird, setzen die beiden südlichen Länder auf digitale Patientenakten.

Ein Facharzt zeigt auf eine elektronischen Patientenakte, die ein E-Rezept zeigt.
Patienakten sind in Spanien und Portugal elektronisch gespeichert. Bildrechte: dpa

Impfen als Bürgerpflicht

Der wesentliche Grund für die hohe Impfquote dürfte aber in der Akzeptanz von Impfstoffen liegen. Impfgegner gibt es kaum. Laut einer Erhebung der EU-Kommission stimmen in beiden Ländern mehr als 80 Prozent der Menschen der Aussage zu: "Jeder sollte gegen Covid-19 geimpft werden. Dies ist eine bürgerliche Pflicht." Gesundheit sei dort keine Privatsache, sagt auch Epidemiologe Manuel Franco.

Trotz möglicher Herdenimmunität: In beiden Ländern infizieren sich aber immer noch Menschen mit dem Coronavirus. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Portugal liegt mit Stand 10. November bei 76, in Spanien bei 32. Schwere Verläufe gibt es aber kaum und auf den Intensivstationen liegen wenige Covid-19-Patienten.

Quelle: RND/Zeit/tagesspiegel/Our world in data

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 12. November 2021 | 17:15 Uhr

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