Corona-Forschung Zulassung beantragt: Impfstoffe gegen das Coronavirus

Der Pharma-Konzern Moderna hat die Zulassung seines Corona-Impfstoffs für den EU-Markt bereits beantragt, Biontech/Pfizer haben heute nachgezogen. Was unterscheidet die beiden erfolgversprechenden Impfstoff-Kandidaten voneinander - und welche Alternativen gibt es darüber hinaus? Weshalb soll die Corona-Schutzimpfung in Deutschland zunächst in Impfzentren erfolgen - und wer wird zuerst geimpft?

Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit einem potenziellen Impfstoff der US-Biotech-Firma Moderna gegen Covid-19 vor.
Mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna stehen zwei erfolgversprechende Kandidaten kurz vor der Zulassung. Bildrechte: dpa

Weltweit arbeiten Forscherinnen und Forscher auf Hochtouren an einer Impfung gegen das Coronavirus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden aktuell 48 mögliche Impfstoffkandidaten getestet, 164 weitere sind in der vorklinischen Entwicklung.

Zwei aussichtsreiche Impfstoff-Kandidaten

Besonders erfolgversprechend sind die Impfstoffkandidaten der Firmen Biontech und Pfizer sowie des US-Konzerns Moderna. Beide Impfstoffe sollen eine Wirksamkeit von über 90 Prozent haben und - wenn nichts dazwischen kommt - bereits in den nächsten Wochen auch für den europäischen Markt erhältlich sein. Die Zulassung für den europäischen Markt haben mittlerweile beide Präparate beantragt.

Vom Impfstoff-Kandidaten der Firmen Biontech und Pfizer hat sich die EU bis zu 300 Millionen Impfdosen vertraglich gesichert, von Moderna bis zu 160 Millionen Impfdosen. Darüber hinaus gibt es Verträge mit vier weiteren Forschungsprojekten.

Biontech/Pfizer vs. Moderna - die Unterschiede

Die Impfstoff-Kandidaten von Biontech/Pfizer und Moderna sind beide sogenannte RNA/DNA-Impfstoffe, die den Körper zur Bildung von Antigenen gegen das Coronavirus anregen. Sie zielen darauf ab, die Krankheit Covid-19 samt ihrer Symptome weitestgehend zu verhindern.

Unterschiedlich sind allerdings die Eigenschaften der beiden Präparate. Der Corona-Impfstoff von Biontech erfordert besondere Bedingungen, bevor er eingesetzt werden kann. Dazu zählt u.a. seine dauerhafte Lagerung in einer Kühlkette bei -70 Grad. Modernas Impfstoff ist stabiler und kann bis zu 30 Tage in einem herkömmlichen Kühlschrank aufbewahrt werden. Je nachdem, in welchem Land die Impfstoffe zum Einsatz kommen sollen, können diese Eigenschaften durchaus eine Rolle spielen.

Ein Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeitet in einem Labor.
Was sind die Unterschiede zwischen den Impfstoff-Kandidaten von Biontech/Pfizer und Moderna? Bildrechte: Biontech/dpa

Wie funktionieren genbasierte mRNA-Impfstoffe?

Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und der US-Konzern Moderna greifen bei ihren Impfstoffkandidaten auf die experimentelle mRNA-Technologie zurück. Die mRNA-Impfstoffe enthalten Teile der Erbinformation des Coronavirus in Form von RNA bzw. DNA.

Mit der Impfung wird diese RNA bzw. DNA von einigen wenigen menschlichen Körperzellen aufgenommen. Diese nutzen die RNA bzw. die DNA als Vorlage, um das oder die Virusproteine selbst zu produzieren. Die neu gebildeten Virusproteine (Antigene) aktivieren das Immunsystem und erzeugen so die schützende Immunantwort. Komplett vermehrungsfähige Viren können bei einer mRNA-Impfung nicht entstehen.

Keine Beschädigung von DNA oder Auslöser für Autoimmunkrankheiten

Befürchtungen, dass mRNA-Impfstoffe die menschliche DNA beschädigen oder eine Autoimmunkrankheit hervorrufen können, weisen Wissenschaftler zurück. Es könne ausgeschlossen werden, dass sie das Erbgut von Körperzellen oder Menschen in irgendeiner Form verändern. Die wissenschaftliche Datenlage sei hierzu eindeutig. Auch auf mögliche Autoimmunkrankheiten gebe es keinerlei Hinweise.

Bislang keine schweren Nebenwirkungen

Reagiert ein Körper auf einen Impfstoff mit Nebenwirkungen, passiert das in der Regel in den ersten sechs Wochen nach der Impfung. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind bereits an Zehntausenden Probanden getestet worden. Alle drei Unternehmen versichern, dass bei keinem einzigen Probanden in den zwei Monaten nach der zweiten Spritze ernste Nebenwirkungen aufgetreten seien, die eine Klinikbehandlung notwendig gemacht hätten.

Ein geringer Anteil der Geimpften soll nach Angaben der Unternehmen unter Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen und einer geröteten und schmerzenden Einstichsstelle gelitten haben - insbesondere nach der zweiten Impfdosis.

Auch nach ihrer Zulassung werden die Impfstoffe weiter auf Nebenwirkungen beobachtet werden.

Alternative Impfstoff-Kandidaten: Vektor-Impfstoffe und Totimpfstoffe mit Virusproteinen

Einige alternative Impfstoffkandidaten basieren auf anderen Prinzipien. Bei sogenannten Vektor-Impfstoffen dient ein abgeschwächtes Virus als Transportmittel (Vektor) für einen ungefährlichen Teil der Erbinformation von SARS-CoV-2 in wenige Körperzellen. Vektor-Impfstoffe enthalten den Bauplan für ein oder mehrere Antigene. Ein bekannter Vektor-Impfstoff ist beispielsweise der Ebola-Impfstoff Ervebo, der im November 2019 die europäische Zulassung durch die Europäische Kommission erhielt.

Bei Totimpfstoffen mit Virusproteinen wird die Erbinformation mit dem Bauplan für ein Virusprotein in Bakterien, Hefe oder in Säugerzellen eingebracht, die dann das Virusprotein produzieren. Nach der Reinigung wird das Virusprotein als Antigen im Impfstoff verwendet.

Impfung
Mit etwas Glück kann bereits ab Dezember gegen das neuartige Coronavirus geimpft werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ab wann wird geimpft? Und in welcher Reihenfolge?

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA will bis spätestens zum 29. Dezember die Bewertung des Zulassungsantrags für den Corona-Impfstoff der Partner BioNTech und Pfizer abschließen. Bis zum 12. Januar soll eine Entscheidung über das Präparat des US-Konzerns Moderna fallen.

Nach Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollen die Impfzentren, in denen die Corona-Impfung zunächst erfolgen wird, ab Mitte Dezember einsatzbereit sein. Ziel sei es, im Januar mit den Impfungen zu beginnen. Zunächst in den Risikogruppen und bei Beschäftigten des Gesundheits- und Pflegewesens.

Weshalb im Impfzentrum?

Durchgeführt werden sollen die Corona-Schutzimpfungen nicht beim Hausarzt, sondern in extra dafür eingerichteten Impfzentren. Und das aus folgendem Grund: Da davon ausgegangen wird, dass sich sehr viele Menschen zeitnah gegen das neuartige Coronavirus impfen lassen wollen, würde das die Kapazitäten der Arztpraxen überschreiten.

Zudem könnten Bedingungen, wie die extreme Kühlung eines Impfstoffs, dort nicht immer gewährleistet werden. Außerdem ist die Einrichtung einer zentralen Datenbank geplant, um eventuell doch noch auftretende Nebenwirkungen zu erfassen und zeitnah darauf zu reagieren. Eine Impfpflicht wird es in jedem Fall nicht geben.

Quellen: www.bundesregierung.de, AFP, dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 01. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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