Wissenschaftsjournalist im Interview Ranga Yogeshwar - mRNA-Corona-Impfstoff "manipuliert Erbgut nicht"

Ranga Yogeshwar wurde als Moderator von Naturwissenschaftssendungen wie "Quarks und Co." oder "W wie Wissen" berühmt. In Zeiten der Corona-Pandemie ist der Wissenschaftsjournalist und Physiker ein gefragter Gesprächspartner. Im Interview mit BRISANT klärt er über mRNA-Impfstoffe auf und gibt eine Einschätzung ab, wann wir voraussichtlich zur Normalität zurückkehren können - und was dafür nötig ist.

Ranga Yogeshwar
Ranga Yogeshwar rechnet Ende 2021 bzw. im Jahre 2022 mit einer Rückkehr zur Normalität. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die ersten Zulassungen für Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-Cov-2 wurden bereits erteilt, andere aussichtsreiche Kandidaten stehen kurz davor. In der Bevölkerung gibt es viele Fragen zu den bevorstehenden Impfungen. Sind sie wirklich sicher? Was machen mRNA-Impfstoffe im Körper? Und wann können wir zu einer Normalität im Alltag zurückkehren? Über all das hat Ranga Yogeshwar BRISANT Auskunft erteilt.

Sorge vor genetischer Veränderung durch mRNA-Impfstoffe begründet?

Viele Menschen treibt die Angst um, dass mRNA-Impfstoffe, beispielsweise der von der deutschen Firma Biontech, möglicherweise das eigene Erbgut manipulieren könnten. Dem erteilt Yogeshwar eine klare Absage: In Europa würde man solch einen Impfstoff gar nicht zulassen dürfen, weil es illegal wäre. Aber wie funktioniert der Impfstoff genau? "Man bringt ein Stück mRNA ein, aber das baut sich nicht in unsere DNA ein. Unser eigenes Erbgut wird an der Stelle also nicht verändert", so Yogeshwar. Das sei verboten.

Welche Nebenwirkungen sind beim Biontech-Impfstoff zu erwarten?

Die Frage nach Nebenwirkungen bei Corona-Impfstoffen ist für viele Bürger eine der wichtigsten. "Bei jeder Impfung gibt es Nebenwirkungen", sagt Ranga Yogeshwar. Man müsse aber zwischen den kurzfristigen und langfristigen Nebenwirkungen unterscheiden. Aus ersten Studien würde man wissen, dass es bei der Verabreichung durchaus kurzfristige Nebenwirkungen, wie man sie von anderen Impfungen kennt, geben könne. Yogeshwar bezieht sich hier auf Schmerzen im Arm, Kopfschmerzen oder Fieber, die dann allerdings nicht von Dauer seien.

Zu möglichen Nebenwirkungen, die bleibend sein können, sagt der Wissenschaftler, dass die Impfstoffe, nach dem was man wisse, sicher seien. Einschränkend sei hier allerdings erwähnt, dass bislang eine relativ niedrige Zahl an Menschen überhaupt erst geimpft wurde. Da werde man ganz genau hinschauen, ob es Folgeschäden gebe. Aus klinischen Studien wisse man aber, dass es sich dabei um keine gravierenden Nebenwirkungen handele, die in einer großen Häufigkeit auftreten würden. Zum Vergleich zieht Yogeshwar hier andere Impfstoffe bzw. Medikamente heran, bei denen es auch selten zu Nebenwirkungen kommen könne. Es sei davon auszugehen, dass sich Corona-Impfstoffe nicht davon unterscheiden würden.

Ist eine Impfskepsis begründet?

Manche Menschen lehnen Impfungen ganz radikal ab. Das sei für Yogeshwar als Wissenschaftler nur schwer zu verstehen. "Impfungen retten Menschenleben", so der 61-Jährige gegenüber BRISANT. Dennoch zeigt er für Skeptiker auch Verständnis: "Eine gewisse Skepsis hat jeder, aber man muss das immer im Verhältnis sehen. Hier geht es auch darum, vielleicht ein kleineres Risiko in Kauf zu nehmen, um ein größeres Risiko zu verhindern."

Normalität in absehbarer Zeit wieder möglich?

Die Frage, wann die Corona-Pandemie weitgehend überstanden sein wird, beschäftigt so gut wie jeden. Ranga Yogeshwar schätzt, dass wir noch im nächsten Jahr mit dem Impfen beschäftigt sein werden. "Es wird noch Zeit brauchen", so der Wissenschaftler. Entscheidend sei auch die Frage, ob die neuen Impfstoffe in der Lage seien, Menschen zu immunisieren oder ob sie lediglich davor schützten, nicht schwer zu erkranken. "Derjenige, der geimpft ist, könnte immer noch für andere infektiös sein", so Yogeshwar. Das könnte bedeuten, dass man trotz Impfung noch Maske tragen müsste. "Mein große Hoffnung ist, dass wir am Ende des nächsten Jahres bis hin zum Jahre 2022 tatsächlich an einen Zustand kommen, wo Normalität wieder einsetzen kann. Ob das dann wieder die Normalität der Vergangenheit sein wird, das wage ich zu bezweifeln", so Yogeshwar.

Bis dahin müsse man neben allen wissenschaftlichen Faktoren auch darauf achten, dass Falschinformationen in sozialen Medien nicht zu einer massiven Verunsicherung in der Bevölkerung führen. Das Ziel sei eine Herdenimmunität und eine Verunsicherung in der Bevölkerung könnte die Konsequenz haben, dass sich viele Menschen nicht impfen lassen würden, so Yogeshwar.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 04. Dezember 2020 | 17:15 Uhr

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