Moderna und Astrazeneca Erste Tests haben begonnen: Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder?

Vor wenigen Tagen hatte Gesundheitsminister Jens Spahn Hoffnung gemacht, dass am Ende des Sommers ein Corona-Impfstoff für Kinder verfügbar sein könnte. Ein Experte und Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko) sieht das anders. Seiner Ansicht nach, ist dieses Vorhaben zu optimistisch. Unterdessen haben Moderna und Astrazeneca mit Tests an Kindern begonnen.

Ein Arzt impft eine Person gegen Grippe.
Wann ist mit einem Corona-Impfstoff für Kinder zu rechnen? (Archiv) Bildrechte: dpa

Bisher werden die Ältesten gegen Covid-19 geimpft, aber bald soll es altersmäßig rückwärts gehen. Doch was ist mit den Kindern? Ein einziger Impfstoff - der von Biontech/Pfizer - ist für Impfwillige ab 16 Jahren zugelassen, alle anderen nur für Erwachsene. Erst wenige Hersteller haben mit Studien an Minderjährigen begonnen. Denn das ist aufwendig: Je jünger die Kinder werden, desto größer der Aufwand.

Gesundheitsminister Spahn macht Hoffnung

Erst vor wenigen Tagen hat Gesundheitsminister Jens Spahn die Hoffnung verbreitet, dass es bereits zum Ende des Sommers einen Impfstoff für Kinder geben könnte. Fred Zepp sieht das anders. Der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Mainz rechnet "frühestens Ende des Jahres, eher Anfang nächsten Jahres damit", dass Kinder in Deutschland geimpft werden könnten. "Der Prüfaufwand ist viel höher als bei Erwachsenen", sagt das Mitglied der Stiko. "Je jünger der Mensch ist, desto ausgeprägter kann er reagieren und desto stärker sind eventuell auch Nebenwirkungen", so Zepp.

"Vor der klinischen Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind", heißt es vom Robert Koch-Institut (RKI). "Kinder sind schon allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen."

Jens Spahn
Gesundheitsminister Spahn geht von einem Kinder-Impfstoff bis zum Ende des Sommer aus. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfstoffhersteller starten Studien

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist derzeit ab 16 Jahren zugelassen. Geplant ist jedoch bereits, die Impfstoffe an Kindern zwischen 0 und 15 Jahren zu testen. Die Universität Oxford hat eine erste Erprobung ihres gemeinsam mit dem Pharmakonzern Astrazeneca entwickelten Corona-Impfstoffs bei Kindern bereits eingeleitet. Die neue Mid-Stage-Studie soll Wirksamkeit und Sicherheit des Vakzins bei Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren untersuchen, wie die Universität mitteilt. Sie umfasse etwa 300 freiwillige Teilnehmer. Die ersten Impfungen solle es noch im Februar geben. Moderna hat schon im Dezember eine Studie mit 3.000 Minderjährigen in den USA begonnen.

Das Paul-Ehrlich-Institut, das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, betont: Impfstoffe werden nur für die Altersgruppen zugelassen, für die Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus klinischen Prüfungen vorliegen. Die Zulassung würde dann durch eine sogenannte Änderungsanzeige zur bestehenden Zulassung auf Jüngere ausgedehnt.

Drei Ampullen mit Impfstoff, davor eine Spritze
Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist derzeit ab 16 Jahren zugelassen. (archiv) Bildrechte: imago images/Laci Perenyi

Kinder zu impfen sei "fremdnützig"

Aber selbst wenn Produkte verfügbar sind, heißt das noch nicht, dass sie eingesetzt werden. Auf die Frage "Wird es eine Impfempfehlung für Kinder gegen Covid-19 geben?", antwortete das Robert Koch-Institut Anfang Januar: "Das ist bisher noch nicht absehbar."

Kinder gegen Covid-19 zu impfen, sei zunächst einmal "fremdnützig", sagt Kinderarzt Zepp. "Kinder erkranken dramatisch seltener schwerwiegend als Erwachsene. Wir würden Kinder also vor allem impfen, um Ältere zu schützen. Da müssen wir uns schon fragen, ob das abgesehen von Kindern mit besonderen Infektionsrisiken ethisch vertretbar ist."

ten/dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Februar 2021 | 17:15 Uhr

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