Frankfurt Corona-Impfstoff: Lufthansa bereitet Frachtflüge vor

Weltweit arbeiten Forscher an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus. Sobald der auf dem Markt ist, muss er verteilt werden. Dabei helfen auch alte Lufthansa-Maschinen.

Lufthansa Cargo MD-11
Von wegen ausgemustert: die Lufthansa Cargo MD-11 bekommt eine Sonderaufgabe. Bildrechte: dpa

Eigentlich wollte die Lufthansa ihre alten Cargo-Maschinen ausmustern, weil die neuen schon da sind, doch jetzt erleben sie einen zweiten Frühling - sie werden den Corona-Impfstoff in alle Welt fliegen.

Am Flughafen Frankfurt wird an der Logistik schon konkret gearbeitet. Als größtes Frachtdrehkreuz Europas wird er bei der Verteilung des Corona-Impfstoffes eine zentrale Rolle spielen. Denn sobald der zugelassene Impfstoff da ist, muss er schnellstmöglich verteilt werden.

Impfstoff kommt im Kühlcontainer

Lufthansa betreibt in Frankfurt seinen größten "Pharma Hub", ein Kühlzentrum für Medizin und eines der größten weltweit. Dort werden auf rund 8.000 Quadratmetern Medikamente gelagert und verteilt, die gekühlt werden müssen, vom speziellen Krebsmedikament bis Insulin. Weitere stehen in München und Wien. Spezielle Kühltransporter halten die Temperatur beim Verladen in Flugzeug oder Lastwagen selbst im Hochsommer konstant. 

Karin Krestan, Leiterin Pharma-Hub Lufthansa Cargo, wird für die Verteilung des Corona-Impfstoffes mit verantwortlich sein. "Es ist schon eine Jahrhundertaufgabe, weil das sicherlich die größte Transportmenge an Impfstoffen innerhalb kürzester Zeit bedeutet", sagte sie BRISANT.

Der Anlauf ist standardisiert, Transportwege bereits erprobt. Lufthansa Cargo liefert beispielsweise Grippe-Impfstoffe in alle Welt - rund ums Jahr. Seit Juni trifft sich regelmäßig eine Task Force, um am Tag X startklar zu sein.

Reibungsloser Ablauf wird trainiert

Was jetzt noch zu tun ist: Es müssen intern ausreichend Kühlmöglichkeiten bereitgestellt, das Personal trainiert und Überflugrechte geklärt werden. Denn die Luftfrachter werden an exotische Orte der Erde fliegen. Und um die Qualität des Impfstoffs im Optimum zu halten, muss das ohne Verzögerung geschehen.

Daher wird schon jetzt abgesprochen, wie die sensible Fracht am Zielflughafen bevorzugt abgefertigt und ausgeliefert werden kann.

8.000 Flüge weltweit erwartet

Nach einer Schätzung des Linienluftfahrtverbands IATA  (International Air Transport Association) wird die Verteilung eines Impfstoffs eine logistische Herausforderung, die rechnerisch bis zu 8.000 Flüge mit einer 747-Boeing erfordert.

Neben Lufthansa Cargo beteiligen sich auch andere Luftfracht-Airlines weltweilt an der Verteilung.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen (Offenbach), das für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist, sagte am Samstag, er rechne Anfang des kommenden Jahres mit ersten Zulassungen.

Ein Frachtflugzeug der Lufthansa Cargo rollt über das Vorfeld vom Flughafen.
Ab 2021 sollen nur noch Boeing 777 fliegen. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. November 2020 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren