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Möglicherweise gibt es auch bald in Deutschland Nasensprays gegen Corona. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO/Christian Ohde

Immunisiert ohne InjektionSpray statt Spritze - Deutsche Forscher arbeiten an Corona-Impfstoff für die Nase

Stand: 29. September 2022, 11:11 Uhr

Für Menschen mit Angst vor Spritzen und herkömmlichen Impfungen dürften das gute Nachrichten sein: In Asien wurden sogenannte Schleimhaut-Impfstoffe gegen das Corona-Virus zugelassen. Sie funktionieren ganz ohne Nadel und werden stattdessen inhaliert. Auch in Deutschland ist die Forschung bereits in vollem Gange.

Coronaviren verbreiten sich vor allem durch die Luft und gelangen vor einer Infektion in der Regel zunächst in Nase, Rachen und Lunge. Es wäre eigentlich nur logisch, direkt dort, in den Schleimhäuten, auch mit der Bekämpfung der Erreger zu beginnen. Tatsächlich arbeiten Forscher schon seit den Anfängen der Pandemie an Schleimhaut-Impfstoffen. Anders als die bisherigen Impfstoffe sollen sie nicht in den Muskel gespritzt, sondern direkt in die Nase verabreicht beziehungsweise inhaliert werden.

"Wenn der Impfstoff in den Muskel gespritzt wird, baut sich die Immunität vor allem im Blut beziehungsweise über den ganzen Körper verteilt auf. Das heißt, dass Coronaviren, die ja über die Oberfläche der Schleimhäute von Nase und Hals eindringen, vom Immunsystem erst relativ spät bemerkt und damit bekämpft werden können", erläutert Emanuel Wyler, Molekularbiologe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin. "Um eine Ansteckung oder die Weitergabe des Virus zu verhindern, ist das zu spät."

Bislang führt der Weg bei Impfungen kaum an Spritzen vorbei. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / YAY Images

Eintrittspforte für Viren schließen

Die Schleimhaut-Impfstoffe sollen hingegen eine Immunität direkt am Eintrittsort von Sars-CoV-2 aufbauen und die Erreger dann zügig bekämpfen. Und das ist vereinzelt schon Praxis: Anfang September wurden zwei Präparate in Indien und China zugelassen. Dutzende weitere Kandidaten befinden sich in Entwicklung, einige werden bereits in klinischen Studien getestet. Der Impfstoff des chinesischen Herstellers CanSinoBIO wird inhaliert und ist als Booster zugelassen. Das indische Präparat, entwickelt vom Unternehmen Bharat Biotech, ist auch für die Grundimmunisierung zugelassen und wird in die Nase gegeben.

Die Hoffnung ist, dass die in den Schleimhäuten aufgebaute Immunität auch für längere Zeit vor Ansteckung schützt und die Weitergabe des Erregers bremst. "Wie gut das funktioniert, wissen wir momentan allerdings nicht, weil bisher nur wenige Daten von zugrundeliegenden Studien veröffentlicht wurden", sagt Leif Erik Sander, Immunologe und Impfstoffforscher von der Berliner Charité.

Erfolgreiche Tierversuche in Deutschland

In Deutschland arbeitet der Biologe Wyler in einem Team mit Wissenschaftlern der Charité unter Federführung der FU Berlin an einem Nasenspray-Impfstoff, der auf abgeschwächten Coronaviren basiert. Der Vorteil hierbei ist, dass dem Immunsystem ein vollständiges Virus präsentiert wird - und nicht nur einzelne Eiweiße wie in den meisten anderen der derzeit verfügbaren Corona-Impfstoffe. Man erhofft sich davon einen besseren Schutz - auch vor neu auftauchenden Varianten.

Ergebnisse aus Tierversuchen verliefen nach Angaben von Wyler erfolgreich: Der Impfstoff rief bei Hamstern eine effektive Immunantwort hervor, nach zwei Dosen hätten die Tiere nach einer gezielten Infektion mit dem Coronavirus fast keine Anzeichen einer Erkrankung und sehr geringe Entzündungswerte gezeigt. Als Booster nach einer vorangegangenen mRNA-Impfung schützte der Nasen-Impfstoff besser als zwei mRNA-Impfstoff-Dosen allein.

Wissenschaftler der Charité forschen an Schleimhaut-Impfstoffen. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Gesichtsnerven als Risikofaktoren

Welche Risiken gibt es bei intranasal verabreichten Impfstoffen? Ein zu berücksichtigender Sicherheitsaspekt betrifft die Nähe zu den Gesichtsnerven. Der nasale Grippeimpfstoff eines Schweizer Pharmaunternehmens wurde 2001 vom Markt genommen, nachdem sich Fälle von Gesichtslähmung bei Geimpften häuften. "Das ist eine mögliche Nebenwirkung solcher Produkte, die wir uns genau anschauen müssen", sagt Wyler. Momentan ist nur ein nasal verabreichter Schleimhaut-Impfstoff in Europa zugelassen, für Kinder und Jugendliche gegen die Grippe.


BRISANT/dpa

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