Corona-Forschung Mit Tierversuchen zu schnellem Erfolg? China testet Corona-Impfstoff an Rhesusaffen

Es sind Bilder, die einem das Herz zerreißen. Tiere, die in Laboren gehalten werden, um neue Medikamente oder auch Kosmetika zu testen. Doch was, wenn dabei ein Impfstoff gegen eine Pandemie gefunden wird, die derzeit die ganze Welt in Atem hält? Genau das könnte jetzt in China passiert sein. Ein moralisches Dilemma.

Genetisch veränderter Rhesusaffe (Macaca mulatta)
Das Leben der Tiere opfern, um das der Menschen zu retten? Ein Dilemma! Bildrechte: imago images/Andre Lenthe

Die Corona-Pandemie bestimmt den Alltag der Menschen - und zwar weltweit. Bis es keinen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus gibt, wird das wohl auch so bleiben. Rund 60 Projekte gibt es mittlerweile, in denen nach eben jenem Wunder-Impfstoff geforscht wird. Fünf der potentiellen Mittel werden bereits an Menschen getestet. Ergebnisse liegen bislang nicht vor.

Schneller Erfolg mit Impfstoff aus genetischem Virenmaterial

Anders in China, wo jetzt ein ganz besonderer Coup gelungen sein könnte. Dort sind nämlich Rhesusaffen mit einem Impfstoff aus genetischem Virenmaterial geimpft worden. Drei Wochen später sind sowohl die geimpften Affen als auch Affen einer Kontrollgruppe mit Sars-CoV-2 infiziert worden. Während die geimpften Tiere die Infektion nach einem kurzen Aufflackern von Krankheitssymptomen gut überstanden haben, sollen die Tiere der Kontrollgruppe an schweren Lungenentzündungen erkrankt sein.

Was ist anders am chinesischen Weg?

Bei der Studie aus Peking handelt es sich um die Entwicklung eines sogenannten Totimpfstoffs. Der enthält entweder abgetötete, sich nicht mehr vermehrende Krankheitserreger oder Bestandteile der Erreger, die das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern anregen, ohne dass eine Krankheit ausbricht. In Deutschland und den USA wird ein anderer Forschungsweg verfolgt.

Weshalb sind Experimente an Affen notwendig?

Während die chinesischen Impfstoff-Fortschritte zum einen Hoffnung machen, möchte man sich zum anderen das Leid der getesteten Tiere nicht ausmalen. Doch: Ohne Tierversuche kein Impfstoff, geben Wissenschaftler zu bedenken.

Auch der Berliner Virologe Christian Drosten hält Versuche mit Makaken wie Rhesusaffen "in sehr, sehr limitierter Art und Weise" für sinnvoll, da das Immunsystem dieser Tiere dem des Menschen ähnlicher sei als das von Ratten oder Mäusen.

Tierschützerinnen und Tierschützer forderten am Samstag die Schließung aller LPT Labore und den Stopp aller Tierversuche
Im Februar 2020 demonstrieren Tierschützerinnen und Tierschützer in Hamburg für die Schließung aller LPT Labore und den Stopp aller Tierversuche. Bildrechte: imago images/Andre Lenthe

Wie werden Tierversuche in Deutschland gehandhabt?

In Deutschland sind Tierversuche streng geregelt. Sie werden nur dann unternommen, wenn keine Alternativmethoden verfügbar sind, so das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Mehr als 80 Prozent der gut zwei Millionen Versuchstiere, die in Deutschland 2018 verwendet wurden, waren Ratten oder Mäuse.

Bei der Entwicklung eines Mittels gegen das Coronavirus kommen derzeit vor allem Mäuse zum Einsatz. Aber auch Studien an anderen Tierarten wie zum Beispiel Affen werden dafür irgendwann unumgänglich sein, so Stefan Treue von der Initiative "Tierversuche verstehen". Versuche an Menschenaffen sind in Deutschland generell verboten.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. April 2020 | 17:15 Uhr

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