Schwedische Studie Kaum noch Infektions-Schutz nach halbem Jahr - Wie lange wirken die einzelnen Corona-Impfstoffe?

Eine schwedische Studie hat die verschiedenen in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe auf ihre Schutzwirkung gegen einen Infektion mit Covid-19 untersucht. Ihr Fazit: Nach einem halben Jahr ist bei Astrazeneca der Schutz im Grunde nicht mehr vorhanden.

Eine Patientin wird in den Oberarm geimpft.
Die Impfstoffe gegen das Coronavirus wirken unterschiedlich lange und müssen daher aufgefrischt werden. Bildrechte: colourbox.com

Dass der Corona-Impfstoff nur eine gewisse Zeit lang grundimmunisiert, war von Beginn an vermutet worden - denn auch der Grippe-Impfstoff wirkt nur rund sechs Monate.

Forscher der schwedischen Universität Umeå haben fast 1,7 Millionen Menschen in einer neunmonatigen Langzeitstudie begleitet. Davon ebenso viele Geimpfte wie Ungeimpfte, nämlich je mehr als 840.000.

Impfschutz verringert sich nach vier Monaten

Bis Ende des zweiten Monats lag der Impfschutz vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung durchschnittlich bei rund 90 Prozent, dann sank er ab. Wie stark, hing von Alter, Geschlecht und Impfstoff ab. Nach vier Monaten waren rund 28.000 Menschen an Covid-19 erkrankt, davon 6.147 Geimpfte. Es gab also Impfdurchbrüche.

Bei Astrazeneca war nach gerade einmal vier Monaten der Impfschutz vor einer Infektion mit Covid-19 nicht mehr messbar. Bei Biontech/Pfizer lag er nach sechs Monaten bei mageren 23 Prozent. Am besten schneidet Moderna mit einer Effektivität von knapp 60 Prozent nach einem halben Jahr ab.

Warum die Wirksamkeit einer Kreuzimpfung Vektor/mRNA (Astrazeneca + Biontech oder Moderna) nach vier Monaten sogar steigt, können die Forscher nicht erklären. Johnson & Johnson taucht in der Studie nicht auf, da Schweden nicht damit geimpft hat.

Wie lange wirken die Impfungen?
Quelle: Nordström, P. et.al.: A Swedish Total-Population Cohort Study (preprint)/Spektrum.de Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verringert Delta-Variante den Impfschutz?

Moderna und Biontech/Pfizer haben die Personen aus den Zulassungsstudien weiterverfolgt. Beide Unternehmen melden, dass die Wirkung ihrer Impfstoffe sechs Monate nach der zweiten Impfung immer noch bei über 90 Prozent liegt. Die Daten stammen allerdings aus dem Frühjahr, als die Delta-Variante noch nicht die vorherrschende war.

Außerdem weisen die schwedischen Forscher darauf hin, dass ein sorgloseres Verhalten der Geimpften im Gegensatz zu Ungeimpften die Effekte beeinflusst haben könnte. Wer mehr unter Menschen geht, steckt sich auch leichter an.

Original Phiolen von Moderna und Comirnaty mit einer aufgezogenen Spritze.
Moderna wirkt der schwedischen Studie zufolge besser als Biontech/Pfizer. Bildrechte: IMAGO / Beautiful Sports

Impfung schützt vor schwerem Verlauf

Der Schutz vor Hospitalisierung und Tod erwies sich jedoch als effektiver. Zwar ließ auch hier mit der Zeit die Wirksamkeit nach: von anfangs rund 90 Prozent Effektivität auf gut 40 Prozent nach zirka sechs Monaten. Das lag vor allem an den Älteren ab 80 Jahre - bei den Jüngeren blieb der Schutz vor schwerem Verlauf nach einem halben Jahr mit rund 80 Prozent weitgehend stabil. 

Neben Älteren und Menschen mit Vorerkrankungen haben übrigens auch Männer ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Nach einem halben Jahr hatten Frauen 73-prozentigen Schutz, Männer hingegen nur 52-prozentigen.

Die Studie ist im renommierten Fachblatt "The Lancet" nur als "Preprint" abgedruckt, da sie noch nicht von anderen Forschern überprüft wurde.

Booster-Impfungen als Schutz gegen Corona

Umso wichtiger werden die Booster-Impfungen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte die Auffrischungsimpfung bislang nur für Risikogruppen wie Ältere, Immungeschwächte und medizinisches Personal empfohlen. Am 8. November legte die Stiko nach, dass auch "alle anderen Grundimmunisierten" frühestens sechs Monate nach der vollständigen Impfung eine Auffrischung erhalten sollen.

Quelle: The lancet/spektrum.de

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. November 2021 | 17:15 Uhr

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