Corona-Impfung Weiterverbreitung des Corona-Virus trotz Schutzimpfung möglich?

Sie ist die Hoffnung in der Corona-Krise: die Corona-Schutzimpfung. Ist man erst einmal geimpft, dann kann das Leben wieder losgehen, denkt sich so mancher - und schmiedet die ersten Reisepläne. Doch das ist etwas voreilig. Zwar gibt es erste Tendenzen zu beobachten. Doch dass Geimpfte das Coronavirus nicht weiterverbreiten können, ist bislang nicht final bestätigt. Sonderrechte für Geimpfte sollten damit vom Tisch sein.

Illustration: Tröpfchenausstoß beim Atmen
Sind gegen das Coronavirus geimpfte Menschen ansteckend, wenn sie sich infizieren? Bildrechte: imago images/Science Photo Libra

Sie ist der Hoffnung in der Corona-Krise - und vor allem im Lockdown: die Corona-Schutzimpfung. Ist man erst einmal geimpft, dann kann das Leben wieder losgehen, denkt sich so mancher - und schmiedet die ersten Reisepläne.

Erste Restaurantbesitzer und Konzertveranstalter denken laut darüber nach, zunächst nur für Geimpfte zu öffnen. Einige Fluglinien wollen künftig nur noch geimpfte oder negativ getestete Passagiere an Bord lassen. In eine ähnliche Richtung zielen Überlegungen eines EU-weit gültigen Impfpasses, der Geimpften grenzüberschreitendes Reisen erleichtern soll.

Impfung soll schweren Krankheitsverlauf verhindern

Doch dass Geimpfte nicht mehr ansteckend sind, das hatten die Impfstoff-Entwickler zunächst gar nicht zu ihrem Ziel erklärt. Sowohl der Impfstoff von Biontech/Pfizer als auch das Vakzin von Moderna sind entwickelt worden, um einen schweren Covid-19-Verlauf zu verhindern. Dieses Versprechen lösen sie nach Einschätzung der Gesundheitsbehörden ein - mit einer Trefferquote von 95 bzw. 92 Prozent. Ob und in welchem Maße geimpfte Menschen das Coronavirus übertragen können, ist laut Robert-Koch-Institut bislang nicht geklärt. 

Biontech-Impfstoff: Corona-Infektion trotz Impfung möglich?

Die Daten zeigen, dass geimpfte Personen deutlich seltener an Covid-19 erkranken und Symptome entwickeln. Für den Biontech-Impfstoff ist derzeit noch nicht klar, inwiefern er auch eine Infektion verhindern kann - und damit die Verbreitung des Virus. Es wird jedoch angenommen, dass die Wahrscheinlichkeit abnimmt, andere anzustecken, je weniger Symptome ein Mensch entwickelt.

Moderna-Impfstoff soll Virusverbreitung senken

Das US-Unternehmen Moderna hat untersucht, ob die Impfung auch die Verbreitung des Coronavirus reduziert. Die US-amerikanische Zulassungsbehörde FDA schreibt in ihrem Abschlussbericht, dass sie davon ausgeht, dass die Verbreitung um mehr als 70 Prozent sinkt.

Allerdings sei dieser Wert stark vom Verhalten der Menschen abhängig. Dass sich Alltag und Verhalten unter Pandemiebedingungen stark von dem vor der Pandemie unterscheiden, liegt auf der Hand. Daher wird es wohl noch weiterer Studien bedürfen.

Zweifel an Fremdschutz bei Astrazeneca-Impfstoff

Immunmediziner bezweifeln, dass alle Corona-Geimpften auch davor geschützt sind, andere Menschen mit dem Virus anzustecken. Besonders bei dem in Großbritannien bereits zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca deuteten sowohl Tierversuche als auch Studien mit Klinikpersonal darauf hin, dass kein sogenannter Fremdschutz besteht.

Es gebe das Risiko, dass ein Geimpfter das Virus an andere weitergeben könne. Die Frage sei, ob ein Geimpfter das Virus in der gleichen Weise weitergebe wie ein Nichtgeimpfter oder aber in geringerem Maße, meint Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Genetisch veränderter Rhesusaffe (Macaca mulatta)
An Affen ist bereits getestet worden, ob geimpfte Tiere, die nachträglich mit dem Coronavirus infiziert worden sind, ansteckend sein können. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/Andre Lenthe

mRNA-Impfstoffe vs. Astrazeneca-Vakzin

Die Ergebnisse von Testungen an Affen können einen ersten Aufschluss geben. Bei den sogenannten mRNA-Impfstoffen, wie sie derzeit in Deutschland von Biontech und Moderna zugelassen sind, ist das Virus bei geimpften und später absichtlich infizierten Affen einen Tag später nicht mehr nachgewiesen worden. Ob das auch für Menschen gilt, ist allerdings nicht geklärt.

Mit dem Astrazeneca-Vakzin geimpfte Affen, die man absichtlich mit Corona infiziert hat, sind zwar nicht erkrankt, doch das Virus soll für mehrere Tage im Rachen der Tiere nachweisbar gewesen sein. Das spricht dafür, dass die Tiere es hätten weitergeben können.

Eine aktuelle Studie (3. Februar 2021) der Universität Oxford zieht andere Schlüsse. Demnach werde das Risiko einer Verbreitung des Virus bereits nach einer ersten Impfung um 67 Prozent verringert.

Ziel Herdenimmunität

Alternativ hilft wohl nur, dass sich möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen, um möglichst schnell eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Denn wenn auch die Mitmenschen geimpft sind, ist es letztlich egal, ob Geimpfte das Virus übertragen. Bis dahin heißt es auch für Geimpfte: AHA-Regel befolgen!

im Bild eine Schafherde auf den Poller Wiesen.
Erst wenn eine sogenannte Herdenimmunität erreicht ist, kann auf weitere Schutzmaßnahmen verzichtet werden. Bildrechte: imago images/Future Image

Quellen: BRISANT, Quarks.de, AFP, Augsburger Allgemeine Zeitung

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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