Impf-Mythen Fakten oder Fake News? Das ist dran an den Gerüchten um die Corona-Schutzimpfung

Sucht man nach einer Information, im Internet wird man fündig. Glaubt man zumindest. Derzeit sind es vor allem sogenannte Impfgegner, die soziale Netzwerke nutzen, um in Sachen Corona-Schutzimpfung Desinformationen zu verbreiten. Gefälschte Fotos, Belege über angebliche Spät- und Todesfolgen und wissentlich falsch ausgelegte Zitate verunsichern zahlreiche Menschen. Was ist dran an den Gerüchten? BRISANT hat mit einem Experten gesprochen.

Fake News - Corona-Impfung, Spritze
Was ist dran an den zahlreichen Gerüchten zum Corona-Impfstoff? BRISANT hat mit einem Experten gesprochen. Bildrechte: imago images / Alexander Limbach

Unter dem Hashtag #Ichlassemichnichtimpfen erklären Hunderte Menschen auf Facebook, warum sie eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus ablehnen. Manche aus Sorge vor befürchteten Langzeitfolgen, andere, weil sie die Gefahr einer Covid-19-Erkrankung nicht wahrhaben wollen. Wieder andere bezweifeln, dass es überhaupt möglich ist, in so kurzer Zeit einen Impfstoff zu entwickeln.

Viele dieser Behauptungen stammen von Menschen, die generell gegen Impfungen sind oder von sogenannten "Querdenkern", die die gesamte Corona-Pandemie in Frage stellen. Andere von Menschen, die besorgt sind und ihre Mitmenschen vor vorschnellen Entscheidungen warnen möchten. Dennoch sorgen sie für reichlich Verunsicherung. Was ist dran an den einzelnen Behauptungen? BRISANT hat mit dem Immunologen Prof Dr. Timo Ulrichs von der akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin gesprochen.

War die Zeit zu kurz, um einen wirksamen und sicheren Impfstoff gegen das Coronavirus zu entwickeln?

NEIN! Die neu entwickelten Corona-Impfstoffe sind sicher und vermitteln einen guten Schutz gegen das Coronavirus. Das auf Messenger RNA beruhende Wirkprinzip der Impfstoffkandidaten von Biontech/Pfizer und Moderna wirkt gut, das zeigen die Daten der klinischen Studien (v.a. aus Phase drei) beider Hersteller.

UND: Das neue, auf mRNA beruhende Wirkprinzip der Impfstoffe ist bereits lange vor der Corona Pandemie entwickelt worden. Sämtliche Sicherheitsstandards und alle guten wissenschaftlichen Praxis-Standards sind bei der Entwicklung der Impfstoffe eingehalten worden. Das ist von den Zulassungsbehörden strengstens kontrolliert worden: in Deutschland durch das Paul-Ehrlich-Institut, auf europäischer Ebene durch die EMA, in den USA durch die FDA. Alle diese Behörden legen an die Zulassung eines neuen Impfstoffs viel strengere Kriterien an, als an die Zulassung eines neuen Medikaments.

Die Langzeitnebenwirkungen des Corona-Impfstoffs sind nicht absehbar!

FALSCH! Die Nebenwirkungen, die man in den drei Phasen der klinischen Studien genau untersucht hat, halten sich allesamt im Rahmen. Es handelt sich um vorübergehende und leichte Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Fieber oder Kopfschmerzen. Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert.

Zu Langzeitwirkungen gibt es natürlich noch keine Daten. ABER: Schwere Nebenwirkungen treten in der Regel immer sofort nach einer Impfung auf. Auch in Ländern, in den denen der Impfstoff schon länger verimpft wird, wie Israel oder Großbritannien, sind bislang keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten.

Ein Schild mit der Aufschrift "Ich will keine Impfung" steht am Rande einer Kundgebung von Anhängern von Verschwörungstheorien zur Corona-Krise im Groߟen Garten auf einer Wiese.
Vor allem sogenannte Impfgegner und "Querdenker" sorgen in Sachen Corona-Schutzimpfung für zahlreiche Falschmeldungen. Bildrechte: dpa

Können mRNA-Impfstoffe die menschliche DNA verändern?

NEIN! Das ist in keiner Weise der Fall. Richtig ist, dass das Coronavirus bei einer Infektion in das Erbgut der Infizierten eingreift, indem es das eigene Genom in das Genom von Körperzellen einbaut, die dann die Virusvermehrung übernehmen.

Der mRNA-Impfstoff agiert eine Stufe tiefer. Das heißt, es findet gar keine Interaktion mit dem Genom einer Körperzelle statt. Der Körperzelle wird vielmehr ein Bauplan vorgelegt, der eine ganze Weile abgelesen wird. Dann produziert die körpereigene Zelle Virus-Antigene. Irgendwann wird dieser Bauplan dann zur Seite gelegt, und die Zelle macht wieder ihren ganz normalen Job.

Durch die vom Körper selbst produzierten Virus-Antigene kann das Immunsystem lernen, wie das Coronavirus aussieht und sich entsprechend vorbereiten. Kommt es dann zu einem Kontakt mit dem Coronavirus, ist das Immunsystem gut gerüstet und kann die Infektion und auch die Erkrankung erfolgreich abwehren. In genetische Prozesse wird dabei nicht eingegriffen.

Kann man von der Corona-Impfung unfruchtbar werden?

NEIN! Die Angst, von den neu entwickelten Corona-Impfstoffen unfruchtbar zu werden, ist komplett unbegründet. Auch von anderen Impfstoffen geht eine solche Gefahr nicht aus. Die klinischen Studien im Vorfeld der beiden zugelassenen Corona-Impfstoffe sprechen sogar explizit dagegen: Einige Probandinnen sind im Test-Zeitraum schwanger geworden.

Kann die Corona-Impfung Autoimmun- oder Krebserkrankungen hervorrufen?

NEIN! Auch Autoimmunerkrankungen oder Krebserkrankungen können durch einen Impfstoff nicht ausgelöst werden - schon gar nicht durch das neue Wirkprinzip mit Messenger RNA.

Bislang gibt es keinerlei Studien, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Impfung (im allgemeinen) und einer neu aufgetretenen Autoimmunkrankheit bzw. einer chronisch-entzündlichen Erkrankung oder einem Schub einer bereits bestehenden Erkrankung belegen.

Stimmt es, dass sich Biontech-Gründer Ugur Sahin selbst nicht impfen lassen möchte?

NEIN! Bei dieser Aussage handelt es sich um eine klassische Fake News. Vielmehr sind Aussagen Ugur Sahins bewusst verdreht worden. Bereits im Dezember hatte Sahin in der ARD gesagt, dass er sich "natürlich liebend gern auch impfen lassen" würde, doch auch für ihn und seine Mitarbeitenden gelten die rechtlichen Grundlagen.

Sahin betonte sogar, dass man nach schnellen Lösungen suche. Denn wenn man in den kommenden Monaten mehr als 1,3 Milliarden Impfstoffdosen herstellen solle, sei es "wichtig, dass da keine Mitarbeiter ausfallen".

Quellen: BRISANT, tagesschau.de, dpa, rki.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 21. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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