Experten uneinig Corona-Impfung für Kinder - impfen oder nicht impfen?

Ab sofort können auch Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern streben an, Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren bis Ende August ein Impfangebot zu machen. Viele Eltern lässt das aufatmen, andere sind eher skeptisch. Denn ob die Ständige Impfkommission StiKo eine entsprechende Empfehlung ausspricht, ist nach wie vor fraglich. Was spricht für, was gegen eine Corona-Schutzimpfung für Kinder? Ein Überblick.

Ein Mädchen blickt in die Kamera und bekommt dabei eine Corona-Impfung.
Impfen oder (noch) nicht impfen lassen? Die aktuellen Diskussionen werden zahlreiche Eltern verunsichern. Bildrechte: imago images/MiS

Mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer ist der erste Corona-Impfstoff für Kinder und Jugendliche in Deutschland und der EU zugelassen. Eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission StiKo wird es vorerst allerdings nicht geben. Mittlerweile sind zahlreiche Diskussionen um die Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche entbrannt. Auch darüber, ob das Vakzin direkt in den Schulen verimpft werden sollte.

EMA: Zulassung von Biontech-Impfstoff für Kinder wahrscheinlich

Am Freitag, den 28. Mai hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA über die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Hersteller Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren entschieden und dem Vakzin grünes Licht gegeben.

Der deutsche Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten die Erweiterung der Zulassung des Impfstoffes für 12- bis 15-Jährige beantragt. Bis dahin war das Mittel nur für Menschen ab 16 Jahre in der EU zugelassen. In den USA und Kanada durfte das Vakzin bereits bei Kindern angewendet werden.

Nach Angaben der Hersteller belegen Studien die sehr gute Wirksamkeit und Verträglichkeit des Präparats auch bei Heranwachsenden.

Ein Mädchen bekommt eine Corona-Impfung
Die Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab zwölf Jahre steht kurz bevor. Die StiKo wird ihn wohl dennoch nicht allen Kindern dieser Altersgruppe generell empfehlen. Bildrechte: imago images/Sven Simon

Impfangebot für alle Schüler ab zwölf Jahren

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek werben für eine zügige Impfung von Kindern und Jugendlichen, um eine Rückkehr zum regulären Schulunterricht zu ermöglichen. Ziel sei es, Schülerinnen und Schülern ab zwölf Jahren bis Ende August ein Impfangebot zu machen. Dem schließen sich die Gesundheitsminister der Länder an.

Ethikrat unterstützt Plan der Bundesregierung

Auch Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, hält ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche für richtig. Das für sie stärkste Argument: Die Zwölf- bis 15-Jährigen wünschen sich den Impfschutz. Zudem gebe es auch bei Jugendlichen schwere Verläufe wie das PIMS-Syndrom und das sogenannte Long-Covid-Syndrom. Es sei wichtig, dass Schule sicherer würde.

StiKo vorerst gegen allgemeine Empfehlung für Kinder und Jugendliche

Dennoch wird sich die StiKo mit einer allgemeinen Empfehlung der Corona-Schutzimpfung für Kinder vorerst zurückhalten. Bislang sei die Datenlage für die Einschätzung des Risikos für Heranwachsende zu dünn.

Ihr Hauptargument ist deshalb das Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Betroffenen. Es gebe das Risiko von Nebenwirkungen, ohne dass klar sei, in welchem Ausmaß die Kinder selbst von der Impfung profitierten. Das Ziel einer Herdenimmunität solle durch die Impfung von Erwachsenen erreicht werden.

Eine Impfempfehlung geben könnte es allerdings für Kinder mit Vorerkrankungen, die durch eine Corona-Infektion besonders gefährdet seien. Und: In Absprache mit dem behandelnden Kinderarzt kann jeder sein Kind auch ohne explizite StiKo-Empfehlung gegen das Virus impfen lassen, sobald ein Impfstoff durch die EMA zugelassen ist. Möglich ist jedoch, dass dann die Kosten von den Eltern getragen werden müssen.

Figuren auf einer Spritze
Das Ziel einer Herdenimmunität soll durch die Impfung von Erwachsenen erreicht werden, meint die StiKo. Bildrechte: imago images/Steinach

Auch Weltärztepräsident rät von Impfung von Kindern ab

Das sieht auch Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery so. Zudem sei bekannt, dass der Krankheitsverlauf bei Kindern deutlich geringer und weniger gefährlich sei als bei Erwachsenen oder Betagten, argumentiert der Mediziner.

Am Ende könne die Studienlage sogar ergeben, dass "das Risiko der Impfung von Kindern größer ist als das der Erkrankung in dieser Altersgruppe". "Dann wird man sogar von der Impfung abraten müssen." Im Gegenzug müsse der Impfschutz in allen anderen Altersgruppen verbessert werden.

Impfung in Schulen? Keine Impfpflicht durch die Hintertür!

Selbst der Bundesverband der Kinderärzte sieht ein rasches Impfangebot für Kinder und Jugendliche skeptisch. Zudem warnen die Kinderärzte davor, die Corona-Schutzimpfungen für Kinder und Jugendliche in den Schulen vorzunehmen. Denn Aufklärungsgespräche mit den Eltern müssten dennoch stattfinden. Zudem sei das fast so, als führe man eine Impfpflicht durch die Hintertür ein. Der Schulbesuch dürfe nicht an eine Corona-Impfung geknüpft werden.

Entscheidung liegt auch bei Kindern und Jugendlichen

Vorerst ist es also so, dass die Eltern - in Absprache mit dem Kinderarzt - entscheiden müssen, ob sie ihren Nachwuchs gegen das Coronavirus impfen lassen. Eine Entscheidung, die im Streitfall, die Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahre auch selbst treffen können. Dann liegt es beim behandelnden Arzt, zu beurteilen, ob das Kind reif genug ist, für sich selbst zu entscheiden.

Quellen: dpa, AFP, BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Juni 2021 | 17:10 Uhr

Das könnte sie auch interessieren