Palmers Corona-Appell Corona-Kampf nach Schweden-Vorbild: Tübingen setzt auf Eigenverantwortung

Deutschland im Corona-Lockdown. Bundesweit gelten strenge Regeln, damit die Corona-Pandemie wieder beherrschbar wird. Eine deutsche Stadt setzt allerdings nach schwedischem Vorbild darüber hinaus auf Eigenverantwortung.

Palmer rät Senioren in Tübingen vom Busfahren ab
Palmer rät Senioren in Tübingen vom Busfahren ab. Bildrechte: dpa

Seit Montag gilt in ganz Deutschland wegen Corona ein - vorerst auf vier Wochen beschränkter - Teil-Lockdown. Strenge Regeln sollen den steigenden Corona-Infektionszahlen entgegenwirken, die Pandemie wieder beherrschbar machen.

Fahrrad und Sammeltaxi statt Stadtbus

Unabhängig von den offiziellen Verboten geht die Stadt Tübingen zum Schutz von Senioren und Risikopatienten einen eigenen, ganz unkonventionellen Weg. "Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten", sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer der "Bild". Schweden hatte in der Pandemie vor allem auf freiwillige Vorsichtsmaßnahmen gesetzt, die sich vor allem an ältere Bürger richteten. Palmer hat in dem Appell beispielsweise Senioren in seiner Stadt dazu aufgerufen, den Stadtbus nicht zu nutzen. Unabdingbare Fahrten sollten sie stattdessen mit einem Sammeltaxi unternehmen. "Wir bitten alle, die fit genug sind, nicht den Bus, sondern das Fahrrad zu nutzen, auch wenn es jetzt kälter wird", heißt es in dem Appell weiter.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen
Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen (ca. 90.000 Einwohner), hat sich in einem eindringlichen öffentlichen Appell an die Bürger gewandt und nimmt die die Corona-Risikogruppen in die Pflicht. Bildrechte: dpa

Einkaufs-Zeitfenster für Senioren

Neben Schnelltests in Senioren- und Altenheimen schlägt Palmer zudem ein Zeitfenster für Senioren zum Einkaufen vor. So sollen jüngere Menschen in Tübingen zwischen 9:30 und 11:00 Uhr nicht einkaufen gehen und diese Zeit den Senioren überlassen. Soziale Kontakte und damit verbunden eine höhere Ansteckungsgefahr sollen so minimiert werden.

Kostenlose FFP-2-Masken  

Auch sollen allen Menschen in Tübingen, die älter als 65 Jahre sind, einmalig kostenlos mit hochwertigen FFP2-Masken versorgt werden. Der Aufruf wurde vom Tübinger OB Boris Palmer sowie den Bürgermeistern Daniela Harsch und Cord Soehlke verfasst. Außerdem waren die Notärztin Lisa Federle und Klinikchef Michael Bamberg beteiligt. Die Menschen werden darin aufgefordert, soziale Kontakte so weit es geht zu vermeiden und eigenverantwortlich an der Corona-Bekämpfung mitzuarbeiten.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. November 2020 | 17:15 Uhr

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