Coronavirus Kinder und Corona - Das ist der aktuelle Stand

Besonders Eltern von jüngeren Kindern stellen sich derzeit eine Frage: Wie schützt man die Kleinen am besten vor Corona. Eine Impfempfehlung für Kinder unter zwölf gibt es bislang nicht und auch die psychologischen Auswirkungen der Pandemie scheinen stärker zu sein als bislang angenommen.

Ein Mädchen bekommt eine Corona-Impfung
Wann kommt die Corona-Impfung für Kinder unter zwölf Jahren? (Archiv) Bildrechte: imago images/Sven Simon

In immer mehr Bundesländern gehen die Ferien zu Ende, die Schulen starten mit Präsenzunterricht. Eine entscheidende Frage ist nun: Wie lange kann das in der laufenden vierten Welle mit der so ansteckenden Delta-Variante gutgehen? Bei der Einschätzung könne ein Blick nach England helfen, sagt der Virologe von der Berliner Charité Christian Drosten. Trotz mehrfacher Tests pro Woche seien die Fallzahlen dort vor allem bei Schülerinnen und Schülern der 7. bis 11. Klassen nicht unter Kontrolle geblieben.

Infektionsrate bei Kindern

Eine weitere zentrale Frage ist, wie viele Kinder hierzulande bereits infiziert waren. "Mehr als zehn Prozent sind es nicht", schätzt Drosten. Ein Grund für diese Annahme sei, dass an den Schulen bundesweit wesentlich stärker mit Maßnahmen und Tests auf mögliche Übertragungen kontrolliert wurde als etwa an vielen Arbeitsplätzen. Die Ausbreitung des Coronavirus wurde dadurch an den Schulen abgebremst. Zwar habe es im Sommer recht viele Erkältungen bei Kindern gegeben, so Drosten. Hoffnung auf eine überstandene Corona-Infektionen sollten sich Eltern deshalb aber nicht machen: "Die Erkrankungen gingen vor allem auf normale bekannte Erkältungsviren zurück." Die Ferien hätten die Lage in Sachen Corona also kaum verändert.

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin
Virologe Christian Drosten. (Archiv) Bildrechte: dpa

Hohe Impfnachfrage durch Stiko-Empfehlung

Es gelte, bei den Kindern den Mittelweg zwischen rasanter Durchseuchung und strengsten Vermeidungsmaßnahmen zu finden, so der Virologe. "Ein kontrolliert schwelendes Geschehen muss man akzeptieren, wenn der Schulbetrieb laufen soll. Man wird nicht jegliche Verbreitung an Schulen unterbinden können, aber möglichst eine unkontrollierte Ausbreitung." Unterdessen beobachten Kinderärzte eine hohe Nachfrage nach Impfungen in den Praxen, seit die Ständige Impfkommission Mitte August eine uneingeschränkte Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen hat. Auf die medizinische Empfehlung der Kommission hätten viele Eltern gewartet, sagt Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Junge Kinder bislang nicht im Fokus

Doch was ist mit den jüngeren Kindern? Während sich für Erwachsene und ältere Kinder vieles normalisiert, ist das bei den Kindern unter zwölf anders. Aus der Politik und von Experten ist zu hören, dass jeder, der sich nicht gegen Corona impfen lässt, sich früher oder später infizieren wird. Doch momentan gibt es für diese Altersklasse keine Impfempfehlung. So entsteht psychologischer Druck. Jacob Maske sagte gegenüber BRISANT, dass man auch den Einfluss der Impfung auf soziale Kontakte einbeziehen müsse. Man habe gesehen, dass die Lockdown-Maßnahmen "sehr viel mehr Schäden bei den Kindern und Jugendlichen angerichtet haben als die Infektion selbst."

Kinderimpfungen für Herdenimmunität

Die Frage, ob man kleinere Kinder überhaupt impfen sollte, ist nicht einfach zu beantworten. Vor allem, weil Jüngere ein besonders niedrigeres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken. Eines der häufig angeführten Argumente für möglichst viele Impfungen über alle Altersstufen hinweg ist die Herdenimmunität. Sind genug Menschen geimpft, läuft das Virus in eine Sackgasse und kann sich nicht mehr stark verbreiten. Dafür müssten aber mehr als 80 Prozent der Bevölkerung immun sein, denn die neuen Varianten sind ansteckender und die Impfungen bieten keinen hundertprozentigen Schutz davor, das Virus weiterzugeben. Kinder und Jugendliche machen in Deutschland etwa 13 Million Menschen aus. Das sind etwa 16 Prozent der Bevölkerung. Ohne sie ist die Herdenimmunität also nur schwer erreichbar. Zudem müssten fast alle Erwachsenen geimpft oder genesen sein.

Hersteller arbeiten an Impfstoffen

Bei drei der vier aktuell in Deutschland zugelassenen Impfstoffe laufen klinische Studien zur Impfung von Kindern. Moderna untersucht in einer klinischen Studie mit dem Namen "KidCove" seinen Impfstoff an etwa 6.750 Kindern im Alter zwischen sechs Monaten bis zwölf Jahren. Auch Biontech/Pfizer testen ihren Impfstoff an Kindern ab sechs Monaten - demnach sollen insgesamt 4.500 junge Menschen bis zu einem Alter von zwölf Jahren den Impfstoff auf Verträglichkeit und Wirksamkeit testen. Astrazeneca und die Universität Oxford untersuchen ihren Impfstoff an 300 britischen Kindern im Alter von 6 bis 17 Jahren.

Impfstoff der Firman BionTech und AstraZeneca
Biontech/Pfizer und Astrazeneca arbeiten bereits an einem Impfstoff für Kinder unter zwölf. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Wann kommt der Impfstoff für jüngere Kinder?

Im Moment ist nicht nicht abzusehen, ob und wann ein Impfstoff für Unter-12-Jährige zugelassen wird. Die Ergebnisse der Herstellerstudien stehen noch aus. Grundsätzlich werden sich die Impfstoffe aber nicht von denen für Erwachsene unterscheiden. Die Dosis wird im Vergleich aber niedriger sein. Bei der Forschung wird eine Kompromiss aus Verträglichkeit und Wirksamkeit gesucht. Experten rechnen damit, dass es im Herbst erste Ergebnisse geben wird.

(BRISANT/dpa/mdr/quarks/dlf)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 26. August 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren