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Lockdown, Maskenpflicht, geschlossene Schulen - wie effektiv waren die Corona-Maßnahmen? Bildrechte: imago images/Future Image

Corona-PandemieSachverständigenrat zieht Bilanz: Wie wirksam waren die Coronamaßnahmen?

Stand: 04. Juli 2022, 17:35 Uhr

Den einen waren sie zu locker, den anderen zu streng: Bis heute scheiden die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung die Geister. Hätte man mit der Pandemie anders umgehen müssen? Was war angemessen? Das hat jetzt eine Expertenkommission bewertet - und ihre mehr als 100 Seiten starke Einschätzung vorgelegt.

Sie waren das Diskussionsthema der letzten zwei Jahren: die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die einen demonstrierten dagegen, andere empfanden sie als deutlich zu lasch.

Um dem Pandemie-Geschehen künftig angemessen zu begegnen, hat die Bundesregierung eine Expertenkommission - bestehend aus 18 Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen - damit beauftragt, die bislang getroffenen Maßnahmen zu bewerten. Die hat jetzt ihre Ergebnisse vorgestellt.

Virologe Hendrik Streeck ist eines von 18 Mitgliedern des Sachverständigenrats zur Bewertung der Corona-Maßnahmen. Bildrechte: Phoenix

Maßnahmen kaum einzeln bewertbar

Den Experten zufolge sind die Wirkungen und Nebenwirkungen der einzelnen Schutzmaßnahmen für sich genommen kaum zu beurteilen. Es seien Maßnahmenbündel gleichzeitig ergriffen worden, die man nicht auseinanderrechnen könne, meint Virologe Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn.

Generell könne man sagen: "Jede Maßnahme hat ihre Zeit". So sei es gerade zu Beginn einer Pandemie sinnvoll, eine Verbreitung in der Bevölkerung zu reduzieren. Je längere dies dauere, desto geringer seien aber die Effekte.

Masken wirken!

"Masken wirken", dessen ist sich Hendrik Streeck sicher. Zumindest dann, wenn sie richtig sitzen. Ihre Effektivität hänge von der Trägerin bzw. dem Träger ab.

Die Kommission empfiehlt deshalb, in der öffentlichen Aufklärung und Risikokommunikation künftig einen starken Schwerpunkt auf das richtige und konsequente Tragen von Masken zu legen.

Masken helfen - zumindest dann, wenn man sie richtig trägt. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Wie hat die Kommunikation mit der Bevölkerung funktioniert?

Die Kommunikation mit der Bevölkerung in der Pandemie bildet einen Schwerpunkt des Gutachtens. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), empfindet es als "zentral wichtig", Vertrauen in Politik und Wissenschaft herzustellen.

Notwendig sei es die Menschen mitzunehmen, statt einer Ansprache "von oben herab". Abweichende Meinungen müssten ernst genommen werden.

Was bringt ein Lockdown?

Zum kontrovers diskutierten Lockdown äußern sich die Wissenschaftler differenziert. Zwar gebe es "keinen Zweifel, dass (...) die Reduktion enger physischer Kontakte zur Reduktion von Infektionen" führe.

Je länger allerdings ein Lockdown dauere und je weniger Menschen bereit seien, die Maßnahme mitzutragen, desto geringer sei die Wirkung und umso schwerer wiegen die nicht beabsichtigten Folgen.

2G/3G-Maßnahmen und Zugangsbeschränkungen

Den Effekt von 2G/3G-Maßnahmen beurteilt die Kommission bei den derzeitigen Virus-Varianten in den ersten Wochen nach der Boosterimpfung oder der Genesung als hoch.

"Der Schutz vor einer Infektion lässt mit der Zeit jedoch deutlich nach", erklärt das Gremium. Tagesaktuelle Corona-Tests seien dann zu empfehlen, wenn es erforderlich sei, Zugangsbeschränkungen einzuführen - und zwar unabhängig vom Impfstatus der einzelnen Person.

Tagesaktuelle Tests werden nur dann empfohlen, wenn Zugangsbeschränkungen notwendig sind. Bildrechte: imago images/Lobeca

War es notwendig, die Schulen zu schließen?

Jein! In Sachen Schulschließungen äußert sich das Gremium kritisch: Die genaue Wirksamkeit dieser insgesamt 38 Wochen dauernden Maßnahme sei weiterhin offen. Deshalb sollte eine Expertenkommission die negativen Folgen unter besonderer Berücksichtigung des Kindeswohls genauer untersuchen und bewerten.

BRISANT/epd/dpa

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