Ronapreve, Remdesivir und Co. Medikamente gegen Corona - Das ist der aktuelle Stand

Immer mehr Menschen in Deutschland sind inzwischen doppelt oder dreifach gegen das Coronavirus geimpft. Vermehrt richtet sich nun der Blick auf Medikamente gegen die Erkrankung. Einige Mittel sind in der EU bereits zugelassen und im Einsatz. Ein Überblick:

Tabletten, Kapseln und eine Spritze
Medikamente zählen neben der Impfung zu den wichtigsten Säulen der Corona-Pandemie-Bekämpfung. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Für die Bekämpfung der Pandemie wurde zunächst auf Corona-Maßnahmen gesetzt, später kamen Impfstoffe hinzu. Nun sind in der EU mit Ronapreve und Regkirona auch erstmals Medikamente zugelassen, die das Coronavirus direkt attackieren. Experten beurteilen die Arzneimittel durchaus positiv. Sie würden zwar nicht vor einer Infektion schützen, könnten aber einen schweren Krankheitsverlauf verhindern.

Medikamente als Säule der Coronavirus-Bekämpfung

"Die Medikamente sind eine Säule in der Coronavirus-Bekämpfung", sagt Pharmazie-Professor Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes. "Es ist gut, dass wir endlich diese Mittel haben." Eine Kehrtwende für die Pandemie sieht der Wissenschaftler aus Saarbrücken in ihnen allerdings noch nicht. "Die Impfung ist der billigere und definitiv viel bessere und effizientere Weg", so Lehr.

Wie die Antikörper-Medikamente wirken

Grünes Licht hat die europäische Arzneimittelagentur (EMA) den zwei Antikörper-Medikamenten vor etwa zwei Wochen erteilt. Ronapreve kommt vom Schweizer Pharmaunternehmen Roche und Regkirona von Celltrion aus Südkorea. Beide binden bei Infizierten das Spike-Protein von Sars-CoV-2 an sich, so dass der Erreger nicht in die Körperzellen eindringen kann. Damit soll dessen Ausbreitung verhindert werden. Beide Mittel müssen als Infusion verabreicht werden und funktionieren im Grunde wie die Antikörper, die sich nach einer Impfung oder Infektion bilden - nur, dass sie von einer Pharmafirma produziert werden und nicht vom eigenen Körper.

Forschung im Labor
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Wie hoch ist die Wirksamkeit der Antikörper-Medikamente?

Bei Ronapreve zeigen Studien: Die Gefahr für Risiko-Patienten, nach einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu kommen oder gar zu sterben, ist um 70 Prozent reduziert. Zudem soll sich bei frisch Infizierten die Viruslast um 90 Prozent verringern und die Gefahr, überhaupt Symptome zu entwickeln, um etwa die Hälfte. Regkirona zeigt bei Patienten mit milden bis moderaten Symptomen, dass sie schneller genesen und seltener einen schwereren Verlauf haben. "Die Medikamente haben eine ganz gute Schutzwirkung, aber mit einer Wirksamkeit von etwa 75 Prozent gegen schwere Verläufe liegen sie noch unter der Wirksamkeit von mRNA-Impfungen - vor allem nach einer Booster-Impfung", schätzt Lehr.

Welche Medikamente gibt es noch?

Weltweit wird an mehr als 600 Medikamenten gegen Covid-19 geforscht. Die meisten davon seien ursprünglich gegen andere Krankheiten entwickelt worden, heißt es vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Zehn Präparate befinden sich bei der EMA auf verschiedenen Stufen im Zulassungsverfahren.

Experten: Remdesivir mit überschaubarem Nutzen

Bis vor Kurzem war das einzige in der EU zugelassene Medikament das antivirale Mittel Remdesivir des US-Konzerns Gilead. Das ursprüngliche Anti-Ebola-Mittel wird vorrangig bei Corona-Patienten mit Lungenentzündung, verabreicht, die zusätzlich Sauerstoff brauchen. Den Nutzen des Medikaments schätzen Experten mittlerweile als eher überschaubar ein.

Eine Ampulle des Medikamentes Remdesivir
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Entzündungshemmende Medikamente

Daneben kommen in Deutschland weitere Mittel zum Einsatz, die nicht das Coronavirus direkt ins Visier nehmen, sondern Komplikationen, die der Erreger auslöst. Das entzündungshemmende Dexamethason zum Beispiel soll bei invasiv beatmeten Patienten auf der Intensivstation eine übermäßige Immunreaktion bremsen. Bei solch einer Reaktion kann das Immunsystem die Viren verfehlen und sich gegen körpereigenes Gewebe richten.

Antivirale Medikamente

Außerdem gebe es zwei antivirale Medikamente, die eine "ganz ordentliche Wirksamkeit gezeigt haben", so Lehr. Also Präparate, die direkt den Vermehrungszyklus der Viren unterbrechen sollen. Bei Molnupiravir (MSD/Merck), das ursprünglich gegen Grippe entwickelt wurde, zeigte sich in Studien eine Halbierung der Zahl von Covid-Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Mit Paxlovid (Pfizer) konnten Testergebnissen des Herstellers zufolge Krankenhauseinweisungen und Todesfälle bei Hochrisiko-Patienten um fast 90 Prozent gesenkt werden.

Welche Nebenwirkungen sind bekannt?

Über die Antikörper-Mittel sagt Lehr: "Die Substanzen sind relativ sicher." Es könne zwar Irritation an der Einstichstelle der Infusion geben, aber nennenswerte Nebenwirkungen seien bisher nicht bekannt. Damit sind diese Mittel Ausnahmen - bei den anderen Medikamenten könnten durchaus unerwünschte Folgeerscheinungen auftreten. "Ein Medikament, das keine Nebenwirkungen hat, gibt es nicht - und das wirkt auch nicht."

(BRISANT/dpa/afp/rki/vdf)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. November 2021 | 17:15 Uhr

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