B117 Coronavirus-Mutation: Das sollten Sie wissen

Aktuell ist eine neue Variante des Coronavirus auf dem Vormarsch - auch Deutschland ist betroffen. BRISANT erklärt, was über die neue Mutation B117 bekannt ist, warum sie so gefährlich ist und was das für die Impfung bedeutet.

Symbolbild, Coronavirus mit 3D-Rendering nachgestellt
Das Coronavirus mutiert schnell. Bildrechte: imago images/imagebroker

Kurz vor Weihnachten kamen innerhalb weniger Tage gleich zwei Hiobsbotschaften aus Großbritannien und Südafrika. Mutierte Varianten des Coronavirus würden sich ausbreiten. Sie sollen bis zu 70 Prozent ansteckender sein als die Urform. Was das bedeutet, klären wir in den wichtigsten Fragen und Antworten zur Coronavirus-Mutation.

Was wissen wir über die neue Variante?

Die neue Mutation namens B117 tauchte bereits im letzten Jahr öfter mal in verschiedenen Ländern auf, in Brasilien, Australien, den USA. Gehäuft breitet sie sich aber derzeit in Großbritannien und Südafrika aus - und zwar als Zwillinge! Die beiden B117-Varianten haben fast dieselbe Veränderung an denselben Proteinen. Die Zwillinge haben die komplizierten Namen N501Y.V1. für die englische Variante und N501Y.V2 für die Variante aus Südafrika.

In Großbritannien scheint N501Y.V1. den Alt-Stamm des Coronavirus bereits zu verdrängen, da es in mehr als 50 Prozent der untersuchten Proben nachweisbar ist. Besonders in der Grafschaft Kent und in London grassiert es. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sagte, das mutierte Virus sei im Land "außer Kontrolle".

Auch in Deutschland ist die britische Mutation bereits nachgewiesen worden. In Berlin wurde deswegen sogar eine ganze Klinik unter Quarantäne gestellt. Von der in Südafrika aufgetauchten Mutation sind bislang noch keine Fälle in Deutschland erfasst. 

Passanten auf der Oxford Street
In Großbritannien breitet sich die englische Mutation rasend schnell aus. Bildrechte: dpa

Ist die Mutation harmloser oder gefährlicher?

B117 ist zuallererst ansteckender - aber dadurch würde sich auch die Zahl der Toten erhöhen. Bis zu 70 Prozent ansteckender als die Urform soll die neue Variante sein. Und um 0,4 bis 0,7 erhöht sich der sogenannte R-Wert, haben Londoner Forscher errechnet. Der R-Wert bemisst, wie schnell sich die Infektion ausbreitet.

Bricht Covid-19 aus, nimmt die Krankheit keinen schwereren Verlauf. Weil sich aber Menschen viel schneller mit dem Virus anstecken können, verbreiten sie es auch schneller, so dass "vulnerable Gruppen", also die Alten, Kranken und Schwachen mit der neuen Virusvariante statistisch leichter und schneller infiziert werden. Und gerade für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen ist Covid-19 potentiell gefährlich. Es ist also mit mehr Todesfällen zu rechnen.

Angaben zufolge haben sich in Südafrika mehr jüngere Menschen mit der neuen, landeseigenen Virusvariante angesteckt, die auch häufiger unter einem schweren Krankheitsverlauf litten. Für die englische Variante wurde das noch nicht beobachtet.

Zahl der Toten erhöht sich - ein mathematisches Beispiel

Welche Folgen hätte eine bereits eine 50 Prozent ansteckendere Variante? Das errechnete Adam Kucharski, ein englischer Medizinprofessor. Bei 10.000 aktiven Infizierten muss man innerhalb eines Monats mit 129 Toten rechnen (bei einem R-Wert von 1,1, einer Inkubationszeit von sechs Tagen und einer Todesrate von 0,8 Prozent). Eine 50 Prozent ansteckendere Variante würde die Zahl der Toten innerhalb eines Monats auf 978 erhöhen.
Zum Vergleich: Wäre die neue Variante 50 Prozent tödlicher, würde die Zahl der Toten binnen eines Monats von 129 auf "nur" 193 steigen.

Welche Veränderungen hat das mutierte Coronavirus?

Die in England und Südafrika gefundenen beiden mutierten Virusvarianten haben Veränderungen an ihrer stacheligen Außenhülle. Ihre charakteristischen "Greifarme" - das "Spike-Protein" - sind größer, so dass es sich leichter an Körperzellen heften kann. Unfassbar: Beide Mutationen sind unabhängig voneinander entstanden! Das Coronavirus lernt also sehr schnell.

Die Illustration zeigt das COVID-19-Virus. Die aus der Zelle herausragenden Strukturen sind die "Spikes" (Zacken) der Krone (Corona).
Die aus der Zelle herausragenden Strukturen sind die "Spikes" (Zacken) der Krone (Corona). Bildrechte: dpa

Warum mutiert das Coronavirus überhaupt?

Sich fortlaufend zu verändern liegt in der Natur eines Virus. Es braucht zum Überleben einen Wirt und ist daher interessiert daran, möglichst viele Wirte in kurzer Zeit zu besiedeln. Daher verändert es sein Ergbut. Experten bezweifeln, dass eine Mutation jemals gefährlicher wird als der Ausgangsstamm. Denn eine solche Entwicklung würde für das Virus selbst den Tod bedeuten. Warum sollte es seinen Wirt töten wollen? Es will sich nur ausbreiten und überleben.

Die Wissenschaft hat bei Sars-CoV-2 bislang bereits rund 300.000 Mutationen nachgewiesen, sagt der französische Gen-Forscher Axel Kahn. Die WHO zählt 12.000. Die bislang bekannteste ist "Cluster-5“.

Cluster-5-Virus

Bereits im September meldeten niederländische und dänische Nerzfarmen einen Ausbruch mit einer mutierten Variante des Coronavirus, dem "Cluster-5-Virus". Er war vom Nerz auf den Menschen übergesprungen, nachdem zunächst Menschen SARS-CoV-2 auf die Pelztiere übertragen hatten. Das Coronavirus kann sich daher sowohl im tierischen als auch im menschlichen Körper rasch anpassen.
Cluster-5 hat sich jedoch für eine Verbreitung unter Nerzen, nicht aber unter Menschen gebildet, weshalb Forscher davon ausgehen, dass diese Variante bereits ausgestorben ist. Alle Nerze wurden getötet und verbrannt. Zwölf Menschen hatten sich infiziert.

Coronavirus-Modell mit Impfspritze
Der zugelassene Impfstoff wirkt auch gegen Corona-Mutationen. Bildrechte: imago images / Christian Ohde

Wirken die Impfstoffe gegen die Mutation?

Die Hersteller sagen ja! Der Biontech-Impfstoff verwendet nach eigener Aussage 1.270 verschiedene Aminosäuren des Coronavirus. Mutiert sind aber nur 17.

Der Impfstoff aktiviert die Bildung von Antikörpern gegen mehrere Regionen des Spike-Proteins. Mutiert es geringfügig, bleiben immer noch genug unveränderte Angriffspunkte übrig. Erst bei einer weiteren Mutation des Virus könnte in wenigen Jahren eine Anpassung der Impfstoffe notwendig werden.

Kann man sich vor dem mutierten Virus schützen?

Mit den AHA-C-L-Regeln. Hygienekonzepte wie das Desinfizieren von Oberflächen, Handdesinfektion, Masken-tragen und Abstand halten sind weiterhin wichtig für den Schutz vor einer Infektion mit SARS-COV-2 - auch bei Mutationsvarianten.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Januar 2021 | 17:00 Uhr

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