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Konzert- und Festivalbesuche sind aktuell wieder möglich. (Archiv) Bildrechte: dpa

Experten schätzen einViele Geimpfte und Genesene - Wann ist die Corona-Pandemie zu Ende?

Stand: 18. Mai 2022, 15:13 Uhr

Reisen, Konzertbesuche, Feste im Freundeskreis - lange Zeit waren solche Vergnügungen so gut wie unmöglich. Jetzt, im Jahr drei der Corona-Pandemie, fühlt sich das Leben für viele Menschen wieder weitgehend normal an. Haben wir die Pandemie hinter uns?

Für viele Menschen hat Corona in den vergangenen Monaten seinen Schrecken verloren. Mit dem Auftauchen der Omikron-Variante Ende vergangenen Jahres breitete sich das Virus zwar mit zuvor unbekannter Geschwindigkeit aus und infizierte binnen weniger Wochen Millionen Menschen in Deutschland. Allerdings erkrankten die meisten von ihnen - wenn überhaupt - nur vergleichsweise leicht, auch dank der Impfungen. Ist der Ausnahmezustand der vergangenen Jahre also vorbei?

Von der Pandemie zur Endemie

Eine oft geäußerte Hoffnung ist, dass die Pandemie sich in eine Endemie wandelt. Dieser häufig etwas unscharf verwendete Begriff beschreibt einen Zustand, in dem die Infektionswellen abflachen und damit zumindest für einen Großteil der Bevölkerung auch die Auswirkungen des Infektionsgeschehens weniger gravierend sind. Laut Friedemann Weber von der Justus-Liebig-Universität Gießen kommt es bei der Frage nach der Endemie darauf an, ob man die Krankheit Covid-19 oder das Virus Sars-CoV-2 meint.

Ein Übergang zur Endemie wäre nicht automatisch gut, sagen Experten. Bildrechte: IMAGO / Michael Weber

Endemisch bedeutet nicht automatisch gut

Ein endemischer Zustand wäre dann erreicht, wenn es keine starke Häufung von Infektionen oder Erkrankungen mehr gäbe. "Im Fall von Covid-19 könnte das schon bald der Fall sein, denn Immunität - erworben durch Impfung und Infektion - schützt ganz gut davor", sagt Weber. "Im Fall des Virus werden aber immer wieder neue Varianten eingeschleppt, die für einen raschen Anstieg der Fallzahlen sorgen." Grundsätzlich gilt: Endemisch bedeutet nicht automatisch gut. Denn natürlich können Menschen weiterhin an Covid-19 erkranken und sterben.

Immunität der Bevölkerung entscheidend

Wie es in den kommenden Monaten weiter geht, wie stark uns das Virus noch beschäftigen wird, hängt unter anderem davon ab, wie groß die Immunität in der Bevölkerung mittlerweile ist. Also wie viele Menschen über eine zurückliegende Infektion oder über eine Impfung einen Schutz vor einer weiteren Ansteckung und/oder Erkrankung aufgebaut haben.

Auch bei einer Endemie können Menschen schwer an Covid-19 erkranken. (Archiv) Bildrechte: dpa

Sieben Prozent nicht geimpft oder genesen

Hinweise auf das Ausmaß der Immunität gibt eine kürzlich von Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts (RKI) vorgelegte Modellierung. Nach dieser Untersuchung sind nur noch sieben Prozent der Menschen in Deutschland immunologisch naiv - also weder geimpft noch über eine Ansteckung mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen. Je größer der Anteil dieser Gruppe, desto leichter hat es das Virus im Allgemeinen, sich auszubreiten. Mit sieben Prozent sollten die Ausbreitungschancen des Virus schon beträchtlich begrenzt sein - auch wenn nicht sicher ist, wie gut geschützt die übrigen 93 Prozent jeweils vor weiterer Ansteckung und Erkrankung sind.

Sorge vor der "Killervariante"?

Wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln wird, ist entscheidend auch von der weiteren Entwicklung des Virus abhängig. Und die ist schwer vorherzusehen. Das Auftauchen einer "Killervariante", wie sie von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach vor einiger Zeit in den Raum gestellt wurde, wird von den meisten Experten für eher unwahrscheinlich gehalten. Aber auch ohne eine extrem immunresistente und krankmachende Variante ist nicht abschließend geklärt, wie gut - und wie langanhaltend - der bisher erreichte Immunschutz in der Bevölkerung ist.

Die Zukunft der Pandemie ist entscheidend von der weiteren Entwicklung des Coronavirus abhängig. Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Dauer des Immunschutzes unklar

Fachleute gehen davon aus, dass er im Allgemeinen mit der Zahl der Kontakte zunimmt, die eine Immunität herstellen - also mit der Zahl an Impfungen oder durchgemachten Infektionen. Vollständig Geimpfte mit einem Booster und bestenfalls einer zurückliegenden Infektion wären demnach am besten vor schwerer Erkrankung geschützt. Ungeimpfte Menschen, die sich in den zurückliegenden Monaten lediglich mit Omikron angesteckt haben, sind womöglich im kommenden Herbst kaum bessergestellt als gänzlich Immunnaive. Vor allem, wenn ihre Infektion nur milde verlaufen ist, habe das Immunsystem nach Ansicht einiger Fachleute womöglich keinen langfristig ausreichenden Immunschutz aufgebaut.

Wieder härtere Maßnahmen im Herbst?

Ob die Maßnahmen im Herbst wieder verschärft werden müssen, sei extrem schwierig vorherzusagen, sagt Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. "Ganz harte Maßnahmen wie Lockdowns sollten aber nicht mehr nötig werden, vor allem wenn weitere Boosterung über den Sommer erfolgt."


(BRISANT/dpa)

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