Körperverletzung Absichtlich mit Corona anstecken - Harmlos oder strafbar?

Ob aus Neugierde oder Überzeugung: Einige Menschen wollen sich bewusst mit dem Coronavirus anstecken. Dafür treffen sie sich heimlich mit Infizierten. Doch das ist kein Kavaliersdelikt, denn jemanden anzuhusten ist eine Körperverletzung.

Ein Mann niest.
Auf Telegram suchen Menschen nach Covid-19-Erkrankten, um sich zu infizieren. Bildrechte: dpa

Einige Impfgegner, die möglichst schnell an ein Genesenenzertifikat kommen wollen oder Übermütige, die einfach mal wissen wollen, wie sich Corona anfühlt: Sie treffen sich heimlich, um sich gegenseitig anzustecken. Entweder auf illegalen Corona-Partys oder zu zweit, um Abstriche auszutauschen oder Spucke aus demselben Glas zu trinken, wie das ARD-Magazin "FAKT" berichtet.

Doch Corona kann auch bei vermeintlich gesunden jungen Menschen tödliche Folgen haben. Und noch weiß niemand, wie sich die Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung auswirken. Aus diesem Grund ist eine absichtliche Ansteckung mit dem Coronavirus strafbar!

Anhusten als Körperverletzung

Eine Ansteckung Dritter mit Corona ist vergleichbar mit der Übertragung von anderen Krankheiten wie HIV oder Hepatitis. Wer weiß, dass er oder sie an Covid-19 erkrankt ist oder solch eine Erkrankung zumindest für möglich hält, kann sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung nach § 223 StGB strafbar machen. Bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe sieht das Gesetz dafür vor.

Bereits im Dezember 2020 verhängte das Amtsgericht Braunschweig eine Geldstrafe wegen Anhustens. Wegen der psychischen Belastung ist für das Opfer in einem weiteren Prozess sogar Schmerzensgeld drin!

Eine vorsätzliche Körperverletzung liegt vor, wenn jemand beispielsweise einen andere Menschen bewusst anhustet, um diesen zu infizieren. Selbst der Versuch wird strafrechtlich verfolgt und bestraft. Und diese kann hart bestraft werden.

Unscharfe Frontalaufnahme einer Frau, die in die Armbeuge hustet. Durch die Luft fliegen montierte, weiße Partikel unterschiedlicher Größe und Schärfe frontal Richtung Kamera.
Einige wollen sich absichtlich mit Corona infizieren und lassen sich anhusten. Bildrechte: imago images/Photothek (M), MDR

Strafmaß: fünf bis zehn Jahre Haft

Unter bestimmten Voraussetzungen kann sogar eine gefährliche Körperverletzung nach § 224 StGB vorliegen. Dabei muss bewusst ein "gesundheitsgefährdender Stoff" weitergegeben werden. Das Coronavirus wird aufgrund der deutschlandweiten Maßnahmen aktuell ähnlich behandelt wie das HI-Virus, das die tödlich verlaufende Krankheit AIDS auslösen kann.

Bei der gefährlichen Körperverletzung liegt das Strafmaß bei bis zu zehn Jahren Haft und im minder schweren Fall bei bis zu fünf Jahren Haft. Auch hier ist bereits der Versuch strafbar. Eine Geldstrafe ist bei gefährlicher Körperverletzung nicht vorgesehen!

Schwierig wird es aber nachzuweisen, dass die eigene Covid-19-Erkrankung von genau diesem bewussten Anhuster herrührt.

Quarantäne brechen

Bei einer behördlich angeordneten Quarantäne dürfen die Betroffenen das Haus nicht verlassen. Das Gesundheitsamt kann unangekündigt an der Tür klingeln oder anrufen. Wer die Corona-Quarantäne verletzt, draußen herumspaziert, fremde Leute trifft und diese sogar noch ansteckt, muss laut §§ 73, 75 IfSG (Infektionsschutzgesetz) mit Haftstrafen von bis zu 5 Jahren oder Geldbußen bis zu 25.000 Euro rechnen. Rechtlich kann das nämlich als Körperverletzung oder versuchte Körperverletzung gewertet werden. Die Quarantäne bricht man übrigens auch, wenn man zu Hause in der Quarantäne Gäste empfängt.

Quelle: koerperverletzung.com/StGB/

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Februar 2022 | 17:15 Uhr

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