Antikörper-Therapie Covid-19 überstanden dank Blutplasma?

Im Blutplasma geheilter Corona-Patienten sind mutmaßlich wertvolle Antikörper. Für die Behandlung von schwerstkranken Covid-19-Patienten könnte das eine Hilfe sein, wie ein Fall aus Nordrhein-Westfalen zeigt.

Im Blutspendezentrum der Haema AG in Halle/Saale liegen Beutel mit Blutplasma für den Transport in die Zentrale Aufbereitung bereit.
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Genesene Corona-Patienten wurden Anfang April plötzlich zu großen Hoffnungsträgern. Zahlreiche Kliniken in Deutschland riefen diese Menschen dazu auf, Blutplasma zu spenden. Mit Hilfe der Antikörper, die sich in ihrem Blut gebildet hatten, soll schwerkranken Covid-19-Patienten geholfen werden. Bei einem Patienten in Nordrhein-Westfalen hat das offenbar funktioniert.

Zunächst geringe Überlebenswahrscheinlichkeit

Angefangen hat alles vor einigen Wochen mit einem positiven Corona-Test. Der 29 Jahre alte Kevin Janning kommt durch die Verschlechterung seines Zustands in ein Krankenhaus in Nordhorn und muss beatmet werden. Dann geht es mit dem Helikopter weiter ins Uniklinikum in Essen. Dort ist Oberarzt Frank Herbstreit einer der ersten, der sich um ihn kümmert. "Schlimm" sei es gewesen, so der Arzt gegenüber dem WDR: "Die Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überleben würde, lag bei über 30 Prozent."

Das Foto zeigt den Eingangsbereich des Universitätsklinikums
Am Uniklinikum Essen wurde Kevin Janning behandelt. Bildrechte: dpa

Negativer Corona-Test nach Plasma-Transfusion

Der Patient wird in Essen neben der allgemeinen intensivmedizinischen Therapie zusätzlich auch mit Blutplasma von Covid-19-Genesenen behandelt. Die Idee dahinter ist, dass Patienten, die die Krankheit schon überstanden haben in der Regel "Antikörper" bilden. Damit soll neu-erkrankten Covid-Patienten geholfen werden. Das Virus soll quasi durch eine Transfusion unschädlich gemacht werden. Im Fall von Kevin Janning hat das offenbar funktioniert. Seine Tests auf Corona sind inzwischen negativ.

Aussagekraft zur Wirksamkeit noch gering

Erfahrungen aus China haben bereits gezeigt, dass der Krankheitsverlauf durch die Antikörper gemildert und verkürzt werden kann. Einen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit können aber nur klinische Studien über einen längeren Zeitraum und mit mehr Patienten erbringen. "Wir haben nur begrenzte Erfahrung bislang", sagte Transfusionsmedizinerin Monika Lindemann von der Uniklinik Essen dem WDR. Es sei zu früh, um zu sagen, ob die Therapie funktioniere oder nicht. Immerhin: Kevin Jannings Krankheitsverlauf ist ein ermutigendes Beispiel.

Mehr Informationen zu dem Fall gibt es hier.

(ten/dpa/wdr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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