Steigende Infektionszahlen Lockdown light: Das sind die neuen Corona-Maßnahmen der Bundesregierung

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus steigt und steigt, immer mehr Städte und Kreise gelten als Risikogebiet - und die ersten Gesundheitsämter stoßen an ihre Belastungsgrenzen. Jetzt haben sich Bund und Länder auf einen neuen Maßnahmen-Katalog geeinigt, um die schwierige Situation in den Griff zu bekommen. Seit dem 2. November gelten umfassende Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens.

Ein blauer Mundschutz liegt auf Herbstlaub, davor bilden Würfel das Wort: Lockdown Light
Einen kompletten Lockdown soll es im Herbst nicht geben, dennoch sollen zahlreiche Einschränkungen das Infektionsgeschehen eindämmen. Bildrechte: imago images / foto2press

Mit drastischen Kontaktbeschränkungen will die Bundesregierung vor Weihnachten die massiv steigenden Corona-Infektionszahlen in den Griff bekommen. Bundesweit werden Freizeiteinrichtungen und Gastronomie geschlossen, Unterhaltungsveranstaltungen verboten und Kontakte in der Öffentlichkeit sowie Zusammenkünfte auf Plätzen und in Wohnungen eingeschränkt. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder in einer Video-Konferenz beschlossen.


Die Maßnahmen sind am 2. November deutschlandweit in Kraft getreten und gelten zunächst bis Ende des Monats. Nach Ablauf von zwei Wochen sollen die erreichten Zahlen beurteilt und gegebenenfalls notwendige Anpassungen vorgenommen werden.

Folgende Regeln gelten ab dem 2. November im Einzelnen:

Abstand halten, Kontakte einschränken
Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Hausstandes sind auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. In der Öffentlichkeit darf sich nur noch mit Menschen eines weiteren Haushalts getroffen werden. Insgesamt dürfen das nicht mehr als zehn Personen sein. Feiern in Gruppen sind nicht gestattet - auch keine Familienfeiern zu Hochzeiten, runden Geburtstagen etc.. Verstöße werden sanktioniert.

 Ein Schild - Bitte Abstand halten - klebt vor dem Eingang eines Ladengeschäftes auf dem Boden.
Vor allem Abstand und die Einschränkung sozialer Kontakte sollen weitere Ansteckungen verhindern. Bildrechte: dpa

Auf Reisen und Verwandtenbesuche verzichten
Auf private Reisen, Verwandtenbesuche und tagestouristische Ausflüge ist in nächster Zeit zu verzichten. Übernachtungsangebote stehen seit dem 2. November nur noch nicht-touristisch Reisenden zur Verfügung.

Einrichtungen für Freizeitgestaltung werden geschlossen
Einrichtungen, die der Freizeitgestaltungen dienen - ob kultureller oder unterhaltender Art - werden vorerst geschlossen. Betroffen sind Oper, Theater und Kinos ebenso wie Freizeitparks, Schwimmbäder, Fitnessstudios oder Bordelle. Sämtliche Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, sind vorerst untersagt.

Gegessen wird zu Hause!
Bars, Clubs, Kneipen und Diskotheken müssen vorerst schließen. Auch Restaurants und Gaststätten dürfen keine Gäste bewirten. Der Verkauf bzw. die Lieferung mitnahmefertiger Speisen für den Verzehr zu Hause ist allerdings gestattet.

Dienstleistungsbetriebe für Körperpflege sollen zum größten Teil geschlossen bleiben
Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios müssen vorerst ihre Pforten schließen. Medizinisch notwendige Physiotherapien und Friseurbesuche sollen (unter Einhaltung der Hygiene-Standards) jedoch weiterhin möglich sein.

Maskenpflicht beim Friseur
Friseursalons dürfen voraussichtlich geöffnet bleiben. Bildrechte: imago images / MiS

Groß- und Einzelhandel bleibt geöffnet!
Die Geschäfte bleiben geöffnet, allerdings wird es Hygiene-Auflagen und Zutrittsbeschränkungen geben. In Geschäften dürfen sich nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche aufhalten.

Schulen und Kindergärten schließen NICHT
Auch Schulen und Kindergärten bleiben offen. Damit sollen die Ausbildung der Kinder gesichert und Familien nicht erneut belastet werden. Weitere Schutzmaßnahmen in den Schulen sollen für Sicherheit sorgen und das Ansteckungsrisiko minimieren.

Seit 2. November: Was bleibt geöffnet, wer muss schließen?

  geöffnet geschlossen  
Alten- und Pflegeheime (für Besucher) x x Besuche sind nur eingeschränkt möglich.
Apotheken x    
Banken x    
Bars und Kneipen   x  
Bau- und Gartenmärkte x    
Bibliotheken x    
Bordelle   x  
Drogerien x    
Einzelhandel x   Hygieneauflagen, nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche
Fitnessstudios   x  
Freizeitparks   x  
Friseursalons x   unter den bestehenden Hygieneauflagen
Großhandel x   Hygieneauflagen, nur ein Kunde pro 10 Quadratmeter Verkaufsfläche
Handwerksbetriebe x    
Hotels und Pensionen x x Touristische Übernachtungsangebote sind verboten!
Kino   x  
Kitas x   Verstärkte Hygienekonzepte
Kosmetikstudio   x  
Krankenhäuser (für Besucher) x x Besuche sind nur eingeschränkt möglich.
Massagepraxen   x  
Museen, Galerien   x  
Musikschulen x    
Physiotherapie und therapeutische Praxen x    
Poststellen x    
Reinigung x    
Restaurants und Gaststätten   x  
Sanitätshäuser x    
Schulen x   Verstärkte Hygienekonzepte
Schwimm- und Spaßbäder   x  
Sportanlagen   x  
Spielhallen   x  
Tankstellen x    
Tanzschulen   x  
Tattoo-Studios   x  
Theater, Oper, Konzerthäuser   x  
Waschsalons x    
Zeitungskioske x    
Zoos, Tierparks x x In den meisten Bundesländern sind Zoos und Tierparks geschlossen!

Hilfe für Unternehmen, Schutz der Arbeitnehmer durch Heimarbeit

Die von den Schließungen betroffenen Firmen, Vereine und Einrichtungen sollen durch eine außerordentliche Wirtschaftshilfe unterstützt werden. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern können als "Erstattungsbetrag" 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats erhalten. Insgesamt sollen dafür bis zu zehn Milliarden Euro zur Verfügung stehen.

Wo immer möglich, sollen Arbeitnehmer von zu Hause aus arbeiten. Ist ihre Präsenz vor Ort notwendig, sollen sie durch Hygienekonzepte geschützt und Infektionsketten frühzeitig unterbrochen werden.

Schutzvorkehrungen für Krankenhäuser und Pflegeheime

Auch für Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheime sowie Behinderteneinrichtungen müssen erneut besondere Schutzvorkehrungen getroffen werden, ohne die Bewohner sozial zu isolieren. Dafür sollen u.a. SARS-CoV-2-Schnelltests zum Einsatz kommen.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. Oktober 2020 | 17:15 Uhr

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