Studie Corona-Reinfektion - Darum stecken sich Genesene mit Omikron BA.5 an

Immer mehr Menschen in Deutschland stecken sich mit der Omikron-Variante BA.5 an. Warum ist das so? Neben dem Wegfall eines Großteils der Corona-Schutzmaßnahmen liefert eine Studie nun wissenschaftliche Anhaltspunkte.

Ortsschild mit Aufschrift Reinfektion und durchgestrichener Aufschrift Corona-Infektion
Immer mehr Menschen machen eine Reinfektion mit dem Coronavirus durch. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Auch Menschen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, können sich erneut mit dem Coronavirus infizieren. Das ist spätestens seit dem Aufkommen der Omikron-Varianten klar. Vor allem die Omikron-Subvariante BA.5, die in Deutschland mittlerweile dominierend ist, trifft viele bereits Genesene - aber auch Menschen, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Auch wenn es keine offiziellen Zahlen zu Reinfektionen gibt, also einer Infektion mit dem gleichen Krankheitserreger, scheint es gerade jetzt besonders viele zu treffen. Das hat Gründe.

Subvariante BA.5 verbreitet sich rasant

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigt sich das Infektionsgeschehen zurzeit mit einer dynamisch steigenden Tendenz. Bei der jüngsten bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gab es in der vergangenen Woche erneut einen deutlichen Anstieg im Vergleich zur Vorwoche. Demnach betrifft der Anstieg alle Altersgruppen, insbesondere ältere Menschen, Kinder und Jugendliche. 66 Prozent der Fälle sind dabei auf BA.5 zurückzuführen. Die Subvariante BA.4 liegt bei sieben Prozent.

"Somit folgen die Anteile der Omikron-Sublinien in Deutschland dem Trend in vielen anderen Ländern", heißt es vom RKI. Die sogenannten Spike-Proteine von BA.4 und BA.5 wiesen nach aktuellem Kenntnisstand Eigenschaften auf, "die mit erhöhter Übertragbarkeit und/oder Immunflucht in Zusammenhang gebracht werden".

Auf einem Schachbrettmuster stehen zwei Spielfiguren und ein Corona-Modell.
BA.5 ist für die Mehrzahl der Corona-Fälle in Deutschland verantwortlich. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Forscher finden Grund für Reinfektionen

Was das bedeutet, haben Forscher des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen (DPZ) gemeinsam mit Kollegen der Medizinischen Hochschule Hannover und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg herausgefunden. Ihrer Studie zufolge verfügen Corona-Patienten, die sich im Frühjahr mit den Omikron-Subvarianten BA.1 oder BA.2 angesteckt haben, über keinen nennenswert erhöhten Infektionsschutz gegenüber der aktuell vorherrschenden Variante BA.5. Der Grund: In "Alt-Infektionen" erworbene Antikörper würden eine Ansteckung mit BA.4 und BA.5 nur schwach oder gar nicht hemmen. Es handele sich bei BA.4 und BA.5 um sogenannte Immunflucht-Varianten, also um Varianten, die eine Reaktion des Immunsystems auf das Eindringen von Viren (teilweise) umgehen können.

Diese Immunflucht sei möglich, weil sich bei erfolgreichen Varianten, die durch Fehler bei der Vermehrung von Viren entstehen, das Spike-Oberflächenprotein des Coronavirus verändert hat. Dieses Spike-Protein ist nach Angaben der Forscher der zentrale Angriffspunkt der Antikörper-Antwort des menschlichen Organismus. Bei der Subvariante BA.5 könnten die Antikörper schlechter an das veränderte Spike-Protein andocken und die Viren nicht unschädlich machen.

Illustration: Antikörper um einen Covid-19 Erreger herum.
Antikörper beim Versuch, an ein Coronavirus anzudocken. (Archiv) Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Schlechtes Immun-Gedächtnis nach Omikron-Infektion

Hinzu kommt, dass Omikron-Infektionen insgesamt eine schlechte "Immunitätsnarbe" hinterlassen. Das bedeutet nach Angaben von Infektiologe Professor Clemens Wendtner im SWR, dass die Immunzellen kein gutes immunologisches Gedächtnis gegen Omikron-Varianten aufbauen. Das liege am häufig milden Krankheitsverlauf, durch den insgesamt weniger Antikörper aufgebaut werden. Bei Infektionen mit der Delta-Variante waren die Antikörpertiter bis zu zehnfach höher als bei Omikron.

Somit kann sich eine Subvariante wie BA.5 auch in einer Bevölkerung ausbreiten, die infolge von Booster-Impfungen und früheren Omikron-Infektionen bereits zu einem Großteil immunisiert ist. Der Wegfall eines Großteils der Corona-Schutzmaßnahmen befördert diesen Trend noch weiter. Und auch, wenn die Booster-Impfung bei vielen mittlerweile schon einige Monate zurückliegen dürfte, bietet sie gegen einen schweren Verlauf nach wie vor Schutz - auch wenn der "wahrscheinlich etwas geringer ausällt als bei den vorher zirkulierenden Varianten", sagt Markus Hoffmann, Mitautor der DPZ-Studie in der "Frankfurter Rundschau".


(BRISANT/dpa/epd/swr)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. Juli 2022 | 17:15 Uhr

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