Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg In drei Bundesländern wieder Unterricht - welche Regeln gelten in der Schule?

Viele Schülerinnen und Schüler freuen sich auf das Wiedersehen mit Freunden und Klassenkameraden. Bei manchen dürfte angesichts steigender Corona-Zahlen zum Schulbeginn auch ein mulmiges Gefühl mitschwingen. Wie gehen die ersten drei Bundesländer - Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg - den Neustart nach den Sommerferien an und welche Corona-Regeln gelten in der Schule?

Ein Mund- und Nasenschutz liegt in einer Grundschule auf einer Federmappe
In drei Bundesländern hat die Schule wieder begonnen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Für Kinder und Jugendliche in drei Bundesländern hat er wieder begonnen: der Schulbesuch unter Corona-Bedingungen. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind bereits am Montag (02.08.) wieder gestartet, Hamburg folgt am Donnerstag (05.08.). Viele Klassenkameraden werden zusammentreffen, denn alle drei Länder starten mit Präsenzunterricht.

Wie es weitergeht, wird von der Entwicklung der Corona-Zahlen abhängen - und die steigen derzeit stetig, wenn auch auf niedrigem Niveau. Weder Eltern- noch Lehrervertreter geben sich Illusionen hin. "Es wird absehbar auch im neuen Schuljahr wieder zu Wechsel- und Distanzunterricht kommen", sagt Sabrina Wetzel vom Vorstand des Bundeselternrats. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, betont: "Wir werden mit weiter steigenden Infektionszahlen rechnen müssen und werden deshalb auch noch über Monate hinweg Sicherheitsvorkehrungen brauchen."

Eine Lehrerin mit Maske erklärt Schülern etwas.
Sowohl in Hamburg als auch in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern setzt man auf Präsenzunterricht. (Archiv) Bildrechte: imago images/Belga

Zurück in die Klassenzimmer

Zum Schulstart dürften sich die Klassen füllen. Alle drei Länder starten mit Präsenzunterricht, auch wenn die Präsenzpflicht in der Hansestadt vorerst ausgesetzt bleibt. Schüler, die ein erhöhtes gesundheitliches Risiko tragen oder sich nicht testen lassen wollen, dürfen weiterhin zu Hause lernen.

Maskenpflicht gilt weiterhin

Mund-Nasen-Bedeckungen sind auch im neuen Schuljahr ein vertrauter Anblick im Klassenzimmer. Hamburg bleibt bei der Maskenpflicht in den Gebäuden. Schleswig-Holstein hält für die ersten drei Wochen an der Maskenpflicht in Innenräumen fest, auf Schulhöfen fällt sie weg. Die Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern müssen in den ersten beiden Wochen im Unterricht eine Maske tragen, später nur dann, wenn die landeseigene Corona-Warnampel, die sich aus mehreren Werten zum Infektionsgeschehen speist, Orange zeigt.

Eine Schülerin mit medizinischer Maske liest sich in einem Klassenzimmer die Abituraufgaben durch.
Masken gehören in den meisten Schulen zum alltäglichen Bild. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfangebote für Schüler

Schleswig-Holstein will älteren Schülern das Impfen leicht machen. Ab 19. August können sich laut Bildungsministerium an den 250 Standorten von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien die Schülerinnen und Schülern ab zwölf Jahren sowie alle Beschäftigten gegen das Coronavirus impfen lassen. Mecklenburg-Vorpommern will in der zweiten Woche mobile Impfteams für 16- und 17-Jährige in die Schulen schicken, zuvor soll der Bedarf ermittelt werden. Hamburg plant mobile Impfangebote zunächst nur für Berufsschüler.

Regelmäßige Tests für ungeimpfte Lehrer und Schüler

In Schleswig-Holstein und Hamburg gilt für Lehrer und Schüler gleichermaßen: Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss sich zweimal pro Woche selbst testen. In Mecklenburg-Vorpommern müssen sich Schüler und ungeimpfte Lehrer zwei Mal pro Woche testen lassen. Lehrervertreter Meidinger würde sich Schnelltests eigentlich jeden Tag wünschen, mindestens aber drei Mal pro Woche. Elternvertreterin Wetzel mahnt, dass die Tests an den Schulen außerhalb der Unterrichtszeit durchgeführt werden müssten. "So etwas frisst sonst jedes Mal eine Unterrichtsstunde."

Ein Junge bekommt eine Spritze in den Arm
Impfungen werden künftig auch in den Schulen möglich sein. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Westend61

Lernlücken schließen

Das Lernen unter erschwerten Bedingungen hat viele Schüler zurückgeworfen. Schleswig-Holstein versucht, die Lücken durch ein über das ganze Jahr laufendes "Lernchancenprogramm" zu schließen. Für schwächere Schüler wurden 20.000 Bildungsgutscheine bereitgestellt, von denen bislang allerdings nur 1.500 abgerufen wurden.

In den Sommerferien gab es in Hamburg 1.100 Ferienlerngruppen, die Schülerinnen und Schülern helfen sollten, pandemiebedingte Lernrückstände aufzuholen. Während das Angebot im vergangenen Jahr in den Sommer- und Herbstferien nur Schülern mit entsprechendem Bedarf offen stand, konnte es nun von allen genutzt werden. Die Behörde verlängerte das Projekt um weitere fünf Lernferien - bis Ende 2022.

Mecklenburg-Vorpommern will nach Angaben des Bildungsministeriums in den ersten Schulwochen zunächst den Lernstand ermitteln. Beim Schließen von Lücken hofft das Land auf Lehramtsstudenten und pensionierte Lehrer, die gebeten sind, die Schulen zu unterstützen. Auch für private Nachhilfe gibt es Geld.

Ein Mädchen mit einer Lehrerin in einer Nachhilfeschule
Die Bundesländer wollen aktiv gegen die entstanden Lernlücken vorgehen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Geteilte Meinung zu Luftfiltern

Über Chancen und Nutzen von Luftreinigungsgeräten und Anlagen wird weiter gestritten. Die Förderkriterien des Bundes seien sehr streng, merkt Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien an. Demnach kommen nur Räume infrage, die nicht oder schlecht belüftet werden können. Das bemängelt auch Lehrervertreter Meidinger, dem das Bundesprogramm viel zu spät kam. Er fürchtet, dass von 650.000 Unterrichtsräumen in Deutschland zum Schulstart allenfalls jeder zehnte mit mobilen Raumluftfiltern ausgestattet sein wird.

Elternvertreterin Wetzel warnt vor allzu großen Hoffnungen. "Insbesondere stationäre Anlagen, die eventuell virenlastige Luft ab- und passiv neue Luft antransportieren, sind gut, aber auch aufwendig zu installieren." Mobile Lüfter wiederum - die auch eine gewisse Lärmbelästigung mit sich brächten - müssten richtig platziert werden, zudem brauche es Beratung durch Fachleute. Ohne Masken, regelmäßiges Lüften und die Beachtung der Hygieneregeln werde es nicht gehen.

Hamburg drückt derweil aufs Tempo: Bis zu den am 4. Oktober startenden Herbstferien soll dort in jedem Unterrichtsraum eine Luftfilteranlage stehen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein Förderprogramm für Luftfiltergeräte und CO2-Messgeräte, wobei die meisten Schulträger auf Letzteres setzen.

Luftreinigungsfilter in einem leeren Klassenzimmer
Über den Einsatz von Lufteinigungsfiltern wird nach wie vor diskutiert. (Archiv) Bildrechte: imago images/Bernd Friedel

Digitalisierung muss weiter ausgebaut werden

Wetzel zieht eine gemischte Bilanz. "Leider ist die Versorgung der Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten noch nicht so weit, wie sie sein sollte", sagt sie mit Blick auf das gesamte Land. Es seien längst noch nicht alle Gelder abgerufen und auch beim Wlan hapere es an manchen Schulen noch. Für Lehrer und Lehrerinnen brauche es verpflichtende Fortbildungen zum digitalen Distanzunterricht. Meidinger berichtet: "Die Lehrkräfte sind deutlich besser geworden im Umgang mit Videokonferenzen und digitalen Tools." Er beklagt aber, knapp die Hälfte der Schulen habe immer noch kein schnelles Internet.

Unter dem Strich sei man heute etwas weiter als im Sommer 2020, findet Meidinger. "Im Vergleich zur Lage vor einem Jahr haben wir heute mehr Instrumente wie Schnelltests, um die Sicherheit an den Schulen zu erhöhen." Wetzel wünscht sich für das neue Schuljahr, dass Behörden nicht pauschal über Schulschließungen entscheiden. "Manche Schulen haben sehr gute Schutzvorkehrungen, andere nicht - das sollte eine Rolle spielen."

dpa/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. August 2021 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren