Covid-19 Post-Covid-Syndrom: Das sind die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion

Erste Langzeitstudien zeigen: Wer Covid-19 überstanden hat, leidet oft an Spätfolgen. Lunge, Muskeln, Gehirn, Herz oder Nieren sind dauerhaft geschädigt. Betroffene leiden an chronischer Müdigkeit oder gar Haarausfall. Mediziner nennen das Syndrom "Long Covid" oder auch "Post Covid".

Eine Frau hat den Kopf auf den Armen liegend vor einem Laptop
Das Fatigue-Syndrom - eine chronische Müdigkeit - ist eine der häufigsten Langzeitfolgen von Corona. Bildrechte: Colourbox.de

"Genesen" steht in vielen deutschen Corona-Statistiken in den Fallzahl-Tabellen. Knapp zwei Millionen zählt das Robert-Koch-Institut (Stand 01.02.2021). Doch bedeutet das auch "wieder fit"?

Internationale Studien ergaben, dass auch leichte Verläufe von Covid-19 gravierende Spätfolgen nach sich ziehen können: chronische Müdigkeit (Fatigue-Syndrom), Antriebslosigkeit, Taubheitsgefühle, Kopfschmerzen, Atemnot, Husten oder ein Druckgefühl auf der Brust.

Fatigue = Langzeitfolge und Symptom einiger Virusinfektionen. Dauerhafte Müdigkeit und Erschöpfung. Tritt häufiger bei Frauen auf.

Auch Thrombosen oder Lungenembolien, Konzentrationsstörungen, Depressionen, oder der Verlust des Riech- oder Geschmacksinns wurden beobachtet. Selbst Haarausfall kann eine Folge von Covid-19 sein - warum, wissen Mediziner noch nicht.

Die Mediziner nennen dieses Syndrom "Post Covid" (in Deutschland) oder "Long Covid" (im englischen Sprachraum). Denn Betroffene haben sehr lang damit zu kämpfen. Aus Wuhan, der chinesischen Stadt, in der als erstes das Coronavirus auftrat, liegt eine Sechs-Monats-Studie vor. Die Ergebnisse: Erschreckend!

Symbolbild Erkältung - Eine Frau liegt schniefend und triefend im Bett.
Ein bisschen Fieber? Covid-19 kann im Körper langfristigen Schaden anrichten. Bildrechte: Colourbox.de

Spätfolgen: Atemnot und Fatigue

Denn auch nach einem halben Jahr litten in Wuhan drei von vier Patienten noch immer an den Spätfolgen. Trotz eines ursprünglich leichten Verlaufs der Krankheit. Ein bisschen Husten, etwas Fieber, 14 Tage Quarantäne und wieder ins Büro? Das dachten sich viele. Doch die Betroffenen sind mit Post Covid praktisch arbeitsunfähig.

Eine britische Studie hat hingegen Schwer-Erkrankte untersucht und kommt zu dem Schluss, dass acht Wochen nach der Entlassung 69 Prozent am Fatigue-Syndrom litten, die Hälfte unter Atemnot. Das Virus schädigt also sowohl ältere als auch jüngere Menschen gleichermaßen.

Langzeitfolgen erst Wochen später

Dabei treten die Langzeitfolgen erst Wochen nach der überstandenen Infektion auf, sind so oftmals gar nicht als Post Covid erkennbar und absolut unspezifisch: Der eine ist ständig müde, der andere schnappt beim Treppensteigen plötzlich nach Luft oder kann sich kaum noch Namen merken. Viele sind zwar offiziell gesund, fühlen sich aber alt und krank. Wer denkt da schon an die Folgen des Coronavirus?

Auf zwei Monitoren sind am Klinikum Stuttgart Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten zu sehen.
Computertomographieaufnahmen der Lunge eines Covid-19-Patienten. Bildrechte: dpa

Reha-Kliniken für Post-Covid-Patienten

Mittlerweile gibt es spezielle Reha-Kliniken für Covid-Patienten. Dort trainieren sie ihr Lungenvolumen, ihre Muskeln und ihr Herz. Einige große Kliniken haben sich auf Post-Covid-Patienten spezialisiert.

Betroffene haben inzwischen Selbsthilfegruppen für Post-Covid-Patienten ins Leben gerufen.

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) findet aktuell die Studie "Covid-19 und die Spätfolgen" statt. Sie soll zwei Jahre dauern, eine echte Langzeitstudie also. Professor Hans Klose leitet das Team. Ob die Patienten mit Post Covid langfristig geheilt werden können, sei noch unklar. Klose verweist auf die Studie aus Wuhan.

Coronavirus greift den ganzen Körper an

Coronaviren schädigen also nicht nur die Lunge, sie können Entzündungen im ganzen Körper verursachen. Ärzte betrachten Covid-19 daher inzwischen als multisystemische Erkrankung, eine Erkrankung des gesamten Gefäß- und Immunsystems.

(ndr,mdr,RKI,ärzteblatt)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 02. Februar 2021 | 17:15 Uhr

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