Infektionsrisiken untersucht Corona-Studie: Kaum Lehrer von Schülern angesteckt

Kaum eine Frage wird seit Beginn der Corona-Krise intensiver diskutiert: Sind Schulen und Kitas Treiber der Pandemie oder nicht? Eine Studie aus Rheinland-Pfalz könnte nun möglicherweise Antworten gefunden haben.

Ein Fünftklässler meldet sich während des Präsenzunterrichts.
Sind Schulen und Kitas Pandemie-Treiber oder nicht? (Archiv) Bildrechte: dpa

Die Frage, wie mit Schulen und Kitas in der Pandemie umgangen werden soll, sorgt in der Politik für Streit - und bei Lehrern, Kindern und Eltern für Verunsicherung. Fest steht: mit der schrittweisen Öffnung von Bildungseinrichtungen wächst auch die Sorge vor Corona-Ansteckungen. Wie hoch das Infektionsrisiko in Schulen und Kindergärten tatsächlich ist, haben das rheinland-pfälzische Landesuntersuchungsamt (LUA) und die Universität Heidelberg in einer Studie untersucht.

Ansteckungsrisiko bei knapp einem Prozent

Nach Angaben des Studienleiters Prof. Zanger sei das Ansteckungsrisiko in Schulen und Kitas im Vergleich zu anderen Kontaktsituationen, wie sie beispielsweise im Haushalt auftreten, gering. Es liege nach Angaben des Wissenschaftler bei etwas mehr als einem Prozent. Das bedeutet, dass sich nur eine weitere Person von 100 bei einem bestätigten Covid-19-Fall ansteckt. Man könne Lehrer, Schüler und Eltern mit den Ergebnissen ein Stück weit beruhigen und die große Lücke zwischen dem gefühlten und dem tatsächlich messbaren Risiko schließen, so Zanger im SWR.

Studie mit offiziellen Daten der Gesundheitsämter

Für die Untersuchungen zur größten Studie, die weltweite bislang zu diesem Thema durchgeführt wurde, hatten Zanger und seine Kollegen die Daten der rheinland-pfälzischer Gesundheitsämter von September 2020 bis Dezember 2020 geprüft. In diesem Zeitraum waren insgesamt 784 Erstinfektionen an Schulen und in Kindergärten durch Labortests bestätigt worden, die unter den betreuten Kindern, Jugendlichen und beim Personal zu 329 Folgefällen führten.

Infektionen in Kitas gehen von Erziehern aus

Prof. Zanger und sein Team erfassten mithilfe der offiziellen Daten, wann sich Kind und wann Erwachsene in Kitas und Schulen in Rheinland-Pfalz angesteckt haben und vor allem auch, wer die Erkrankung weitergab. Ein Ergebnis ist, dass Infektionen in Kitas vor allem von Erziehern ausgingen. Die Betreuer hätten sich dort vor allem untereinander angesteckt, aber auch Kinder hätten sich bei ihnen infiziert. In der Schule fanden fast alle Erstinfektionen unter den Schülern statt. Auch das Infektionsgeschehen insgesamt spielte sich hauptsächlich unter den Schülern ab. Lehrer wurden selten von Schülern angesteckt. Insgesamt sei das Übertragungsrisiko in Kitas knapp dreimal höher als in Schulen.

Erzieher sollen früher geimpft werden

Die Behörde empfiehlt, bei Hygienekonzepten für Kindergärten künftig einen besonderen Schwerpunkt auf Kontakte im Kollegenkreis zu legen - etwa in Pausenräumen. Zudem sei es eine wichtige Maßnahme, Betreuer in Kindertagesstätten zu impfen.

ten/dpa/swr

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 03. März 2021 | 17:15 Uhr

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