Infektion trotz Impfung Vollständig Geimpfte unter Corona-Toten in England - Experten geben Entwarnung

Auch vollständig Geimpfte können sich noch mit dem Coronavirus infizieren und schwer erkranken oder gar sterben. Die jüngsten Berichte aus England zu Todesopfern durch Corona und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen in Bezug auf den Impferfolg halten Experten allerdings für Panikmache.

Corona Therapie in Moskau
Auch vollständig Geimpfte können sich noch mit dem Coronavirus infizieren und schlimmstenfalls daran sterben. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

In Deutschland sind seit Anfang Februar fast 3.806 Menschen an Corona erkrankt, obwohl sie vollständig gegen das Virus geimpft sind. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Corona-Lagebericht angibt, traten davon 3.342 nach einer abgeschlossenen Impfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer auf, 117 nach der Verabreichung von Moderna, 95 nach AstraZeneca und 74 nach Johnson & Johnson.

Zahlen laut RKI kein Grund zur Sorge

Das RKI sieht in den Zahlen allerdings keinen Grund zur Sorge. Die Zahl der Fälle bestätige "die hohe Wirksamkeit" der Impfstoffe, heißt es im Bericht. Die geschätzte Impfeffektivität liege für den Zeitraum vom 1. Februar bis zum 4. Juli für die Altersgruppen der 18- bis 59-Jährigen bei etwa 92 Prozent, bei den Menschen über 60 Jahre bei 91 Prozent. Vor allem wegen der besorgnisserregenden Delta-Variante des Coronavirus und der nicht ausreichenden Impfquote stuft das RKI das Risiko für die Bevölkerung aber weiterhin als hoch ein. Neue Varianten verbreiteten sich leichter und führten zu schwereren Krankheitsverläufen, heißt es im Lagebericht.

Menschen warten im Impfzentrum in den Messehallen auf ihre Impfung.
Das RKI stuft das Corona-Riskiko weiterhin hoch ein, hebt aber die Wirksamkeit der Impfstoffe hervor. (Archiv) Bildrechte: dpa

Impfprognose wegen Delta nach oben gestuft

Insgesamt sind bislang 33,9 Millionen Menschen in Deutschland vollständig geimpft worden, das entspricht 40,8 Prozent der Bevölkerung. Wegen der ansteckenderen Delta-Variante wird in Deutschland mittlerweile aber eine höhere Impfquote für erforderlich gehalten als zuvor. Aus einer RKI-Veröffentlichung geht hervor, dass 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und sogar 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren geimpft sein sollten.

50 von 117 Corona-Toten in England doppelt geimpft

In England haben unterdessen neue Zahlen für Aufsehen gesorgt. In der vergangenen Woche sollen von den 117 Menschen, die an der Delta-Variante gestorben sind, 50 vollständig geimpft gewesen sein. Das berichtet die Gesundheitsbehörde Public Health England. Klar, dass nach Bekanntwerden der Zahlen die Impfeffektivität in Frage gestellt wurde. Experten treten dem allerdings entschieden entgegen.

Ein Impfarzt zieht eine Spritze mit Astrazeneca-Impfstoff auf.
In England sind jüngst von 117 Corona-Toten 50 vollständig geimpft gewesen. (Archiv) Bildrechte: imago images/NurPhoto

Experten: Zahlen suggerieren fälschlicherweise ein Problem

Der Statistik-Professor Christoph Rothe von der Universität Mannheim twitterte: "Mit Meldungen wie '40 Prozent aller neuen Corona-Toten war geimpft' verhält es ähnlich wie mit '70 Prozent aller Verkehrstoten war angeschnallt'. Sie suggerieren dem Leser ein Problem, obwohl dahinter eigentlich eine Erfolgsgeschichte steht", so Rothe. Was er damit meint: Wenn der Anteil der vollständig Geimpften immer weiter steigt, werden unter den Infizierten, den Patienten mit schweren Krankheitsverläufen und den Todesopfern anteilsmäßig immer mehr vollständig Geimpfte sein. Ein Beispiel: Wenn die Bevölkerung zu einhundert Prozent durchgeimpft wäre, wären alle Menschen, die sich dennoch infizieren oder am Coronavirus sterben, doppelt geimpft. Die absoluten Zahlen der Todesopfer wären aber sehr niedrig.

Impfung bedeutet großen Schutz vor schwerem Krankheitsverlauf

Dass eine Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Ansteckung und einem schweren Verlauf schützt, ist bekannt. Der Schutz beträgt offiziellen Angaben zufolge bis zu 95 Prozent. Vor allem ein schwerer Verlauf kann nach Angaben von Experten allerdings durch die Impfungen verhindert werden.

(BRISANT/afp/dpa)

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Juli 2021 | 17:30 Uhr

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