Gefahrlos trainieren? In Corona-Zeiten ins Fitnessstudio - worauf sollten Sie achten?

In manchen Bundesländern dürfen sie öffnen, in anderen bleiben sie weiterhin geschlossen: Wie kann man in Corona-Zeiten gefahrlos im Fitnessstudio trainieren? Welche Auflagen müssen erfüllt werden - und welche Geräte sind vorerst tabu? In welchen Ländern muss man sich noch gedulden, bis die Fitness-Tempel wieder öffnen dürfen? BRISANT.DE mit einem Überblick.

leeres Fitnessstudio
Schlecht in shape? In manchen Bundesländern dürfen die Fitnessstudios wieder öffnen. Bildrechte: imago images/Pressefoto Baumann

Nach über sechs Wochen Lockdown haben wir fast alle mit ihnen zu kämpfen - den Corona-Pfunden. So mancher, der nicht gerne joggen geht oder diszipliniert zu Hause trainiert, sehnt sich sehnlichst die Wiedereröffnung der Fitnessstudios herbei. Denn in Gemeinschaft sportelt es sich immer noch am besten. Nicht ohne Grund sind 12 Millionen Deutsche in einem Fitnessstudio angemeldet.

Wann dürfen die Sportstudios wieder öffnen?

Die Wiedereröffnung der Sportstudios ist Ländersache. Eine einheitliche Regelung für ganz Deutschland gibt es deshalb nicht. Selbst in einzelnen Ländern gelten nicht immer einheitliche Termine für die Rückkehr zum Training im Studio.

Wann öffnet welches Land seine Fitnessstudios?
Bundesland Wiedereröffnung
Baden-Württemberg ab 02.06.
Bayern ab 08.06.
Berlin ab 02.06.
Brandenburg geöffnet
Bremen geöffnet
Hamburg geöffnet
Hessen geöffnet
Mecklenburg-Vorpommern geöffnet
Niedersachsen geöffnet
Nordrhein-Westfalen geöffnet
Rheinland-Pfalz geöffnet
Saarland geöffnet
Sachsen geöffnet
Sachsen-Anhalt geöffnet
Schleswig-Holstein geöffnet
Thüringen geöffnet

Trainieren in Corona-Zeiten

Was jedoch für ganz Deutschland gilt: Das Fitnesstraining im Studio wird sich in Corona-Zeiten deutlich von der Zeit vor der Krise unterscheiden. Denn die jetzt angekündigten schrittweisen Lockerungen und Wiedereröffnung der Studios sind mit strengen Hygiene-Vorschriften verbunden. Die Studiobetreiber müssen dafür sorgen, dass die auch umgesetzt werden können.

Zwei Frauen sitzen in einem Fitnessstudio zusammen und schwatzen.
Keine Matten, Abstand halten - und zu Hause duschen: Das Fitnessstudio-Miteinander wird in Corona-Zeiten ein anderes sein. Bildrechte: imago images / Greatstock

Hygiene- und Infektionsschutzstandards für Fitnessstudios

Noch nicht alle Bundesländer haben festgelegt, unter welchen Bedingungen die Fitnessstudios ihre Pforten wieder öffnen dürfen. Folgende Regeln gelten für Nordrhein-Westfalen und Hessen - und werden vermutlich auch in den anderen Ländern nicht viel anders aussehen.

  1. Der Zutritt zum Studio ist so zu regeln, dass nicht mehr Kunden in das Studio gelangen, als Plätze in den Kursräumen und an den Geräte nutzbar sind. Alternativ darf pro 7 qm Fläche nicht mehr als ein Kunde im Fitnessstudio sein.
  2. Kunden und Beschäftigte mit Symptomen einer Atemwegsinfektion haben keinen Zutritt zum Studio.
  3. Die Kunden müssen sich nach Betreten des Fitnessstudios die Hände waschen oder desinfizieren, ein Desinfektionsmittel muss dafür bereitgestellt werden. Nicht kontaktfreie Begrüßungsrituale wie Händeschütteln sind verboten.
  4. Kundenkontaktdaten, sowie Zeitpunkt des Betretens und Verlassens des Fitnessstudios sowie die Teilnahme an bestimmten Kursen sind zu dokumentieren. Gästen, die nicht zur Einhaltung der Regeln bereit sind, ist der Zutritt zu verwehren.
  5. Umkleiden dürfen ausschließlich zur Verwahrung der privaten Gegenstände der Kunden geöffnet werden.
  6. Die Nutzung der Duschen, Schwimmbecken, Saunen und Solarien ist bis auf Weiteres untersagt.
  7. Ein gastronomisches Angebot ist nur bedingt zulässig, keine Selbstbedienung der Kunden an offenen Getränkespendern.
  8. Eine Beratung der Kunden (z.B. Erstunterweisung, Ernährungsplanung, Trainingsplanung, etc.) ist möglich.
  9. Das Ausüben von Sportarten mit unvermeidbarem Körperkontakt ist unzulässig. Ebenso nicht zulässig ist aufgrund der Aerosolbelastung jedes hochintensive Ausdauertraining (z.B. Indoor-Cycling, HIIT und anaerobes Schwellentraining).
  10. Bei Kursen ist der Zugang zum Kursraum so zu regeln, dass für jeden Kunden ein Mindestabstand von 2 m in alle Richtungen gegeben ist.
  11. Fitnessgeräte sind so anzuordnen bzw. abzusperren, dass der Abstand zwischen zwei besetzten Sportgeräten mindestens drei Meter beträgt. Idealerweise wird nur jedes zweite Gerät genutzt.
  12. Beschäftigte müssen in allen Räumlichkeiten eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Trainer bzw. Kursleiter dürfen unter Wahrung der Abstandsregeln darauf verzichten.
  13. Das Unterlegen großer, selbst mitgebrachter Handtücher ist obligatorisch.
  14. Die Kontaktflächen aller Sportgeräte sowie weitere Kontaktflächen (Spinde, Ablagen etc.) sind nach jedem Gebrauch mit einem fettlösenden Reiniger zu reinigen bzw. zu desinfizieren.
  15. Sportequipment, wie Therabänder oder Matten, deren Kontaktflächen schlecht zu desinfizieren sind, dürfen nicht zur Verfügung gestellt werden.
  16. In Sanitärräumen sind Handdesinfektionsmittel, Flüssigseife und Einmalhandtücher zur Verfügung zu stellen. Außerdem müssen die Sanitärräume in kurzen Intervallen (mind. zweimal täglich) gereinigt werden.
  17. Abfälle müssen in kurzen Intervallen (mind. zweimal täglich) und sicher entfernt werden.
  18. Mitarbeiter müssen in die Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln (auch Regeln des Infektionsschutzes wie "Niesetikette") eingewiesen werden. Kunden werden durch Aushänge und Schilder über die einzuhaltenden Regeln informiert.

Keine Maskenpflicht, keine Handschuhe - wie gefährlich ist das Training?

Viel wurde vor der letzten Lockerungsrunde der Bundesregierung gemunkelt - auch in Sachen Fitnessstudios. Unter anderem beschäftigte die Frage, ob man mit einem Mund-Nasen-Schutz überhaupt trainieren könne. Eine Frage, die viele Sportmediziner mit einem klaren Nein beantwortet haben. Dennoch sahen es viele von ihnen als notwendig an, sich insbesondere in geschlossenen Räumen beim Trainieren zu schützen, schlugen alternative Materialien wie Merino für einen Mund-Nasen-Schutz vor. Denn beim Sport treiben ist die Aerosol-Belastung deutlich höher als bei anderen Aktivitäten. Nicht ohne Grund werden in Frankreich mit der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen Jogger und Radfahrer dazu angehalten, zehn Meter Abstandand von anderen Menschen zu halten. Jetzt stehen die Fitnessstudios samt Mitgliedern in den Startlöchern - und die Diskussion ist vom Tisch. Hoffentlich nicht zum Schaden aller.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 29. Mai 2020 | 17:15 Uhr

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