26 Mitarbeiter infiziert "Allfrisch" in Emsdetten: Coronavirus über Wurst, Fleisch & Co.?

Erschreckend sind die wiederholten Meldungen aus der Fleischindustrie. Im Juni hatten sich fast 2.000 Mitarbeiter der Schlachtbetriebe Tönnies und Wiesenhof mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Die Landkreise Gütersloh und Warendorf erlebten den zweiten Corona-Lockdown. Jetzt ist es bei "Allfrisch" in Emsdetten im Kreis Steinfurt zu neuen Fällen gekommen. Kann man sich über Fleisch und Wurst mit Corona infizieren?

Ein Fleischer beim zerlegen eines Schweins
Hunderte Mitarbeiter deutscher Schlachtbetriebe haben sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bildrechte: imago/blickwinkel

Es sind Meldungen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes das Stück Fleisch im Halse stecken lassen. Hunderte Mitarbeiter des Schlachtbetriebs Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Landkreis Gütersloh hatten sich im Juni mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Im Bereich Schweineschlachtung waren das 65 Prozent der Beschäftigten. Mittlerweile ist der Betrieb wieder geöffnet - und ein neuer fleischverarbeitender Betrieb sorgt für Schlagzeilen. Bei "Allfrisch" in Emsdetten im Kreis Steinfurt sollen sich bislang mindestens 26 Mitarbeiter mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben, mehrere hundert wurden vorsorglich in Quarantäne geschickt. Doch davor hatten sie zahlreiche Kontakte. Nicht nur mit ihren Freunden und Familien, sondern auch mit der Ware, die vielleicht schon in so manchem Supermarkt zum Verkauf angeboten wird. Ist es möglich, sich über ein mit dem Coronavirus kontaminiertes Stück Fleisch oder Wurst zu infizieren?

Haben die Tiere das Virus auf den Menschen übertragen?

Eine Frage, die das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) gegegenüber der Deutschen Presseagentur verneint. Bislang gebe es weltweit keine Hinweise darauf, dass in Deutschland verwendete Nutztiere als Überträger des Coronavirus fungieren. Laut Untersuchungen des FLI können sich weder Schweine noch Hühner mit SARS-CoV-2 infizieren. Zu Rindern stehen die Tests noch aus. Doch auch hier gibt es bislang keine Hinweise, dass sich die Tiere mit dem Erreger anstecken könnten.

Auslage in einer Fleischtheke
Sich über Fleisch- oder Wurstwaren mit dem Coronavirus zu infizieren ist eher unwahrscheinlich. Bildrechte: imago images/U. J. Alexander

Ansteckung über kontaminiertes Fleisch unwahrscheinlich

Ähnlich sieht es mit dem Fleisch aus. Grundsätzlich können Coronaviren nur durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Wurst oder Fleisch gelangen. Passiert das im Schlachtbetrieb, sind die Erreger bereits abgestorben, wenn die Waren in der Fleischtheke landen. Denn Coronaviren können sich in oder auf Lebensmitteln nicht vermehren, dafür benötigen sie einen lebenden tierischen oder menschlichen Wirt. 

Bliebe die Ansteckung über eine Schmierinfektion beim Verkauf. Die wäre dann möglich, wenn man das Virus vom Fleisch über die Hände oder die Lebensmittel auf die eigenen Schleimhäute des Mund- und Rachenraumes oder die Augen überträgt.

In der Regel sind Fleisch und Fleischwaren jedoch durch einen Spritzschutz an der Theke vor Niesen und Husten durch Kunden geschützt, wodurch die Kontaminationsgefahr minimiert wird. Außerdem müssen Verkäufer wie Kunden mittlerweile bundesweit einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Richtige Zubereitung und Hygiene schützen!

Um sich vor Virusübertragungen zu schützen, ist es grundsätzlich wichtig, die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags, wie regelmäßiges Händewaschen und Fernhalten der Hände aus dem Gesicht, zu beachten.

Fleisch wird in einer Pfanne gebraten.
Wenn Sie Ihr Fleisch richtig durchbraten, sind auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Bildrechte: imago/Mike Schmidt

Weiterhin sollten Fleisch und Geflügel generell - auch zum Schutz vor möglichen anderen Krankheitserregern - vor dem Verzehr ausreichend und gleichmäßig erhitzt werden, bis der austretende Fleischsaft klar ist und das Fleisch eine entsprechende Farbe angenommen hat. Geflügel sollte weißlich sein, Schweinefleisch graurosafarben und Rind graubraun. Und wer noch sicherer gehen will könnte sich auch mal wieder an ein paar vegetarischen Gerichten versuchen ...

Quellen: dpa, bfr.bund.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. September 2020 | 17:15 Uhr

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