Fakten-Check Sonne, Wärme und UV-Licht schlecht für Coronaviren?

Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält: Wärme, Sonne und UV-Licht sollen das Coronavirus eindämmen. Höchste Zeit, dass damit aufgeräumt wird! Denn so heiß, dass es den Coronaviren schaden könnte, wird es höchstens in der Sauna. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot dürfen vorerst also nicht gelockert werden - und das Thema Osterausflug ist nach wie vor Geschichte.

Mindelheim Unterallgäu Stadtansicht in Corona-Virus-Zeiten, Leere Tische eines Strassencafes in der Abendsonne.
Zwar wird das Wetter immer besser, doch die Freisitze werden weiterhin leer bleiben. Bildrechte: imago images/MiS

Endlich Frühling! Die Sonne lacht - und das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite. Und das Gute: Es soll sogar noch wärmer werden. Umso hartnäckiger halten sich die Gerüchte, dass Sonne, UV-Licht und Wärme dem Coronavirus, das uns derzeit in den eigenen vier Wänden festhält, den Garaus machen könnten. Ein Phänomen, an das man nur zu gerne glauben möchte, Wissenschaftler in dieser Form jedoch nie formuliert haben. In allen Punkten einig sind sich die führenden Virologen dennoch nicht.

Grippeviren gehen bei schönem Wetter zurück

In Sachen Grippeviren ist das Phänomen bekannt: Steigen die Temperaturen, geht die Zahl der Infizierten herunter. Doch das hat auch Gründe, die mit dem eigentlichen Virus gar nichts zu tun haben. Denn ist das Wetter schön, halten sich weniger Menschen gemeinsam in geschlossenen Räumen auf und die Viren können weniger gut übertragen werden.

Zudem trägt die Beschaffenheit der Grippeviren das ihre bei. Denn die können UV-Strahlen und Wärme tatsächlich nicht leiden, wie Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité im Gespräch mit dem RBB klarstellt.

Grippeviren
Bei Grippeviren ist zu beobachten, dass sie in der warmen Jahreszeit deutlich zurückgehen. Bildrechte: imago/Ikon Images

Viele Virenarten seien von einer Fettschicht umgeben, die nicht sehr hitzebeständig ist. "Viren haben bei niedrigen Temperaturen eine höhere Stabilität. Ähnlich wie Lebensmittel, die im Kühlschrank am längsten haltbar sind", erklärt HZI-Infektionsforscher Pietschmann gegenüber der Deutschen Welle. Außerdem spiele auch die Luftfeuchtigkeit eine nicht unwesentliche Rolle: "An kalten und meist trockenen Wintertagen schweben die kleinen Tröpfchen mitsamt den Viren länger in der Luft, als bei hoher Luftfeuchtigkeit."

Für das Coronavirus kann es nicht heiß genug werden!

Der Hallenser Virologe Alexander Kekulé hält es für möglich, dass die Wärme dem Coronavirus zusetzt - aber nicht genug, um die bestehenden Schutzmaßnahmen fallen zu lassen. Und: Der Wissenschaftler und Mediziner bleibt in seinen Formulierungen sehr vage. "Wenn es warm wird, werden die Coronaviren normalerweise schwächer und die Krankheit schwächt sich ab. Der Sommer könnte unser bester Verbündeter sein, daher sollten wir die Corona-Viren so lange und so gut es geht aus dem Land halten", meint er gegenüber der ARD und gibt sich damit vorsichtig optimistisch.

Modell Coronavirus
Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Noch deutlicher formuliert Christian Drosten von der Berliner Klinik Charité, dass es sich mit diesen Aussagen um Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten handelt. Die Wärme eines Sommers, die UV-Strahlen und die Tatsache, dass Leute vermehrt draußen seien und sich weniger aneinander infizieren könnten, gäben zwar Grund zur Hoffnung, doch bei einem pandemischen Virus sei dieser Einfluss deutlich geringer als bei einem Grippevirus.

Virologe Uwe Gerd Liebert vom Uniklinikum Leipzig bringt es schließlich auf den Punkt: "Grundsätzlich wissen wir, dass das Virus inaktiv wird bei hohen Temperaturen. Das sind aber Temperaturen, die der Mensch so nicht aushält - 56 Grad oder noch höher."

Weiterhin notwendig: Abstand halten und zu Hause bleiben!

An Ostern 2020 bleiben wir zu Hause. Slogan Wir bleiben zu Hause auf einem Hühnerei im Osternest in einem Garten. Aktion wegen der Corona-Krisen-Ausgangsbeschränkung in Deutschland.
Sollte es noch so warm und sonnig werden: #stayathome gilt auch für das Osterfest! Bildrechte: imago images/MiS

Mittlerweile hat sich das Coronavirus auf der ganzen Welt ausgebreitet, auch auf der Südhalbkugel und in Ländern, deren Temperaturen wir uns derzeit herbeisehnen. UND: Beim neuartigen Coronavirus handelt es sich um ein bislang nur wenig erforschtes Exemplar. Medikamente und Impfstoff sind bislang nicht in greifbarer Nähe. Aufgrund der dünnen Forschungslage warnt Dr. Maria van Kerkhove von der WHO eindringlich vor voreiligen Schlüssen:

Wir sehen nicht, dass sich dieses Virus abhängig von der Temperatur unterschiedlich verhält. Strikte Maßnahmen sind nötig - um die Weitergabe zu verhindern. Das müssen alle Länder ernst nehmen.

Dr. Maria van Kerkhove, WHO BRISANT

Für uns bedeutet das konkret: Weiterhin Abstand halten - und zu Hause bleiben!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. April 2020 | 17:15 Uhr

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