Reisen Corona-Sommer 2020: Urlaub ohne Risiko - wo ist das möglich?

Als letzte Bundesländer starten am letzten Juli-Wochenende auch Bayern und Baden-Württemberg in die Sommerferien gestartet. Viele Bundesbürger stehen kurz vor der Abreise in den langersehnten Urlaub, andere haben entschieden, spontan zu buchen. Doch: Ist das in Corona-Zeiten ratsam? Denn so mancher Touristen-Hotspot hat zuletzt einen Anstieg der Infektionszahlen vermeldet. In welchen Ländern urlaubt es sich derzeit am sichersten? Und welche wurden zu Risikogebieten erklärt?

Eine Frau zieht einen Rollkoffer
In welchen europäischen Ländern gibt es viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus? Bildrechte: imago images/A. Friedrichs

Die Sommerferien haben begonnen! Kein Wunder, dass es viele Erholungsbedürftige nach wochenlangem Corona-Lockdown für den Urlaub ins Ausland zieht. Und das ist auch möglich. Denn die international geltende Reisewarnung ist für die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die Schengen-assoziierten Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz sowie für Großbritannien und Nordirland, Andorra, Monaco, San Marino und den Vatikanstaat aufgehoben worden. Doch mit der Lockerung der Reisebeschränkungen sind auch die Zahlen Corona-Infektionen erneut angestiegen.

Kroatien erlebt(e) schlimmsten Tag seit Corona-Ausbruch

In Kroatien nehmen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus bereits seit Ende Juni stark zu. Am 11. Juli erlebte das Land an der Adria einen Tag mit deutlich mehr Neuinfektionen als zu Beginn der Corona-Pandemie. Regionale Schwerpunkte sind bislang die Hauptstadt und das Umland von Zagreb, Slawonien sowie Split-Dalmatien. Vergleichsweise entspannt ist die Lage in Dubrovnik. Ähnlich wie in Kroatien ist die Situation im benachbarten Serbien.

Spanien: Auswärtiges Amt rät von Reisen in betroffene Regionen ab

Spanien hat angesichts steigender Corona-Infektionszahlen schnell die Notbremse gezogen. Zumal sich auf Mallorca feiernde (deutsche) Touristen weder an die Maskenpflicht noch den geltenden Mindestabstand gehalten haben. Auf den Balearen-Inseln gilt jetzt eine strengere Maskenpflicht, ebenso in Katalonien. Gut 7.000 Neuinfektionen hat es in der vergangenen Woche in Spanien gegeben, viele davon im Großraum Barcelona.

Für einzelne Regionen in Katalonien, Galizien und Aragòn sind Ausgangssperren verhängt worden, ansonsten setzt die spanische Regierung auf freiwillige Quarantäne. Dennoch mussten aufgrund von Überfüllung einzelne Strände, u.a. der Stadtstrand von Barcelona, geschlossen werden. Treffen von mehr als zehn Personen sind verboten, in den Regionen Katalonien, Valencia und Murcia haben die Behörden viele Clubs und Diskotheken vorübergehend geschlossen. Darüber hinaus wird kontrolliert, dass sich alle Beteiligten an die Corona-Richtlinien des Landes halten.

Sowohl die katalanische Regierung als auch das Auswärtige Amt raten dringend davon ab, aus touristischen Gründen in diese Regionen zu reisen!

Anstieg von Neuinfektionen in Italien und Österreich

In Italien ist das Ausmaß der Neuinfektionen nicht ganz so beunruhigend und beschränkt sich auf kleinere lokale Ausbrüche in der Lombardei, dem Piemont, in der Emilia-Romagna und in Venetien.

Auch in Österreich ist die Zahl der Infizierten wieder gestiegen. Deshalb hat die Regierung jetzt eine Ausweitung der Maskenpflicht beschlossen. Der Mund-Nasen-Schutz muss künftig auch in Supermärkten, Postämtern und Banken wieder getragen werden. Zuletzt galt die Maskenpflicht nur noch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen oder bei persönlichen Dienstleistungen wie beim Friseur.

Verschärfte Maskenpflicht in Frankreich

Auch in Frankreich ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen gestiegen, jedoch nach wie vor auf einem moderaten, mit Deutschland vergleichbaren Niveau. Der sogenannte R-Faktor liegt in Frankreich seit Anfang Juli bei 1,2. Dennoch Anlass für Gesundheitsminister Olivier Véran, mit einer verschärften Maskenpflicht zu reagieren. Ein Mund-Nasen-Schutz muss jetzt nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern auch in Geschäften, Banken und anderen öffentlichen Räumen getragen werden. Wer dagegen verstößt, muss tief in die Urlaubskasse greifen: Das Bußgeld liegt bei 135 Euro.

Corona-App in Frankreich
Wer in Frankreich gegen die Maskenpflicht verstößt, muss tief in die Urlaubskasse greifen. Bildrechte: dpa

Drastischer Anstieg der Corona-Fälle in Bulgarien

Was auf Mallorca nicht mehr möglich ist, wird in Bulgarien gelebt bzw. gefeiert: Party-Tourismus ohne Maske und Abstand an Gold- und Sonnenstrand in Burgas und Varna. Dass das keine gute Idee ist, zeigen die drastisch steigenden Zahlen der Neuinfektionen.

Griechenland: Zahlreiche Touristen infiziert

Griechenland ist vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Pandemie gekommen - und konnte mit einem "sicheren" Tourismus-Konzept überzeugen. Doch zu Beginn der Urlaubssaison gab es beunruhigende Nachrichten. Knapp 50 neue Fälle von Covid-19 wurden Anfang Juli gezählt. Deutlich mehr als in den Wochen zuvor. Betroffen waren laut griechischer Medienberichte vor allem Urlauber aus Serbien.

Weiterhin Reisewarnung für die Türkei

Während die Reisewarnung der Bundesregierung für 27 europäische Länder aufgehoben worden ist, bleibt sie für die Türkei noch mindestens bis zum 31. August bestehen. Das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen wird derzeit als Corona-Risikogebiet eingestuft.

Touristen, die aus einem Risikogebiet wie der Türkei nach Deutschland zurückreisen, müssen mit einer 14-tägigen Quarantäne rechnen. Allerdings können Türkei-Urlauber von der Quarantäneregelung befreit werden, wenn sie bei der Einreise nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorweisen können, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Türkei, Istanbul: Menschen besichtigen die Hagia Sophia, die derzeit ein Museum und als Teil des historischen Viertels in Istanbul als Weltkulturerbe der Unesco gelistet ist.
Touristen in der Hagia Sophia Bildrechte: dpa

Was tun, wenn das Urlaubsziel zum Risikogebiet wird?

Hat man seinen Urlaub pauschal gebucht, ist es meist kein Problem, die Reise (kostenfrei) zu stornieren, wenn die Urlaubsregion zum Risikogebiet erklärt wird und das Auswärtige Amt eine explizite Reisewarnung ausspricht. Reist man individuell, ist es etwas komplizierter. Vermutlich werden viele Vermieter nicht die komplette Miete für ein gebuchtes Objekt zurückerstatten.

Und: Es ist nicht verboten, trotz der Reisewarnung zu reisen. "Bei Reisewarnungen handelt es sich um einen dringenden Appell des Auswärtigen Amts, nicht um ein Reiseverbot. Reisende entscheiden in jedem Fall in eigener Verantwortung, ob sie eine Reise antreten. Das Bestehen einer Reisewarnung kann jedoch mittelbar rechtliche Auswirkungen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekrankenversicherung", schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internet-Seite.

Reist man dennoch in das betroffene Land oder befindet sich bereits vor Ort, wenn die Reisewarnung verhängt wird, sind mit der Rückkehr nach Deutschland entweder eine vierzehntägige Quarantäne oder ein negativer Corona-Test fällig.

Eine Grafik zu Thema Europa und Corona
Für diese Regionen gilt derzeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. (Stand: 23.07.2020) Bildrechte: BRISANT

Sicher urlauben in Monaco, Malta, Island und den Färöer

Kaum oder gar keine Neuinfektionen mit dem Coronavirus gibt es übrigens in den Zwergstaaten Monaco, San Marino und Liechtenstein. Auch auf dem kleinen Malta kann man derzeit problemlos urlauben. Genauso entspannt ist das Corona-Geschehen auf Island oder den Färöer-Inseln.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 23. Juli 2020 | 17:15 Uhr

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