Ratgeber Reisen oder stornieren? Kreuzfahrten in Zeiten des Corona-Virus

In den Häfen von Yokohama und Hongkong stehen zwei Kreuzfahrtschiffe unter Quarantäne. Auf der "Diamond Princess" sind zehn Passagiere positiv auf das Coronavirus getestet worden, auf der "World Dream" hatten Crew-Mitglieder über Symptome des Virus geklagt. Wie groß ist das Risiko, sich auf einer Kreuzfahrt anzustecken? Wie reagieren die Kreuzfahrt-Anbieter auf das Coronavirus? Und wer trägt die Kosten, wenn ich meine Reise storniere?

Ein Patrouillenboot der Japanischen Küstenwache  beim Kreuzfahrtschiff 'Diamond Princess'
Ein Patrouillenboot der Japanischen Küstenwache beim Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" Bildrechte: Panthermedia

3.711 Menschen auf Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" unter Quarantäne

Im Hafen von Yokohama ist ein Kreuzfahrtschiff mit insgesamt 3.711 Passagieren und Besatzungsmitliedern unter Quarantäne gestellt worden. Auslöser der Maßnahme war der Fall eines 80-jährigen Passagiers, der die "Diamond Princess" in Hongkong verlassen hatte - und anschließend positiv auf das Coronavirus getestet worden war.

Zwischenzeitlich sind zehn Passagiere des Ozeanriesens am Virus erkrankt und zur weiteren medizinischen Behandlung von Bord gebracht worden. Die restlichen Reisenden und Besatzungsmitglieder müssen weitere 14 Tage auf dem Schiff verbringen, wo sie regelmäßig auf das neuartige Virus untersucht werden. Die acht deutschen Passagiere an Bord sind bislang nicht infiziert.

Auch auf Kreuzfahrtschiff "World Dream" werden alle Reisenden getestet

Ebenfalls unter Quarantäne stehen die Reisenden des Kreuzfahrt-Riesens "World Dream" im Hafen von Hongkong. Nachdem Crew-Mitglieder über Fieber und andere für das Corona-Virus typische Symptome geklagt hatten, sollen alle Menschen an Bord getestet werden.

Das Kreuzfahrtschiff 'World Dream' liegt mit über 1000 Passagieren und Mitarbeitern des Schiffes am Kai Tak-Kreuzfahrtterminal.
Das Kreuzfahrtschiff "World Dream" im Hafen von Hongkong Bildrechte: dpa

Coronavirus: Infektionen & Todesfälle - Tendenz steigend

In China ist die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus und der daraus resultierenden Todesfälle zuletzt weiter gestiegen. Nach offiziellen Angaben starben bislang mindestens 490 Menschen an der durch den Erreger ausgelösten Lungenkrankheit. Mehr als 24.300 Menschen sollen infiziert sein. Außerhalb von China sind in mehr als zwei Dutzend Ländern rund 220 weitere Infektionsfälle bekannt. In Deutschland haben sich bislang zwölf Menschen infiziert.

Wie groß ist das Risiko, sich auf einer Kreuzfahrt anzustecken?

Wo Menschen auf engem Raum zusammenleben, können Viren leicht übertragen werden. Genau das ist auf Kreuzfahrtschiffen der Fall. Hier kann es schnell zu einer gefährlichen "Infektionsgemeinschaft" kommen. Zwar sind auf den Schiffen Händewaschen und Desinfektionsmittel Pflicht, doch mit Fingerfood und dem Buffet kommen viele in Kontakt. Das gesundheitliche Risiko ist also nicht zu unterschätzen.

Was den Umgang mit dem Coronavirus zudem erschwert, ist seine lange Inkubationsszeit. Wer zum Start einer Reise noch ohne Symptome ist, kann das Virus bereits weitertragen. Das macht die Überprüfung für die Reedereien aktuell sehr schwer - und verlängert die Quarantäne-Zeiten für Reisende und Crew, sobald an Bord ein Verdachtsfall aufgetreten ist.

Wie reagieren die Kreuzfahrt-Anbieter auf das Coronavirus?

Schiffsreisen kosten oft mehrere Tausend Euro pro Person. Entsprechend groß ist die Sorge, dass eine geplante und bereits bezahlte Reise ins Wasser fallen könnte. Die meisten Reedereien und Reiseanbieter haben bereits reagiert: Häfen am chinesischen Festland werden aus den geplanten Routen gestrichen und dafür alternative Häfen im asiatischen Raum angesteuert. Hat man seinen Flug zum Schiff direkt über den Kreuzfahrtanbieter gebucht, übernimmt dieser in der Regel auch die Umbuchungskosten.

Gäste und Besatzungsmitglieder, die innerhalb der letzten 14 Tage vom oder durch das chinesische Festland angereist sind, werden von den meisten Reedereien nicht an Bord gelassen.

Wer trägt die Kosten, wenn ich meine Reise storniere?

Entscheidet der Kunde, seine Reise aufgrund des Coronavirus nicht anzutreten, bleibt er vermutlich auf den Kosten sitzen. Im Rahmen einer Standard-Reiseversicherung ist der Ausbruch einer Epidemie am Reiseziel kein gedeckter Grund für die Stornierung der gesamten Reise. Auch die Angst davor ist nicht abgedeckt. Die Leistungen für medizinische Notfälle und Evakuierung werden von den meisten Versicherungen dagegen übernommen. Sollte ein Reisender also am Coronavirus erkranken oder unter Quarantäne gestellt werden, wird seine Behandlung durch die Versicherung abgedeckt sein.

Frühere Meldungen zum Thema

Krankenzimmer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 05. Februar 2020 | 17:15 Uhr

Das könnte sie auch interessieren