SARS-CoV-2 Neue Corona-Mutante B.1.525 in Deutschland - Resistent gegen Impfstoff?

Bislang galt die britische Variante des Coronavirus als ansteckender und damit tödlicher als ihr Ur-Stamm. Doch jetzt taucht eine neue Form in Deutschland auf, die sogar resistent gegenüber Antikörpern sein könnte - und damit gegen Impfungen. Was über B.5.125 bekannt ist, sagen wir hier.

Schilder weisen auf die Corona-Teststelle am Flughafen Schönefeld hin.
Die neue Virusform wurde unter anderem am Flughafen BER entdeckt. Bildrechte: dpa

Zunehmend werden Fälle der Corona-Variante B.1.525 nachgewiesen, in der ersten Märzwoche auch in Deutschland. Offenbar handelt es sich dabei um eine Kombination aus der britischen Variante B.1.1.7 und den südafrikanischen und brasilianischen Varianten B.1.351 und P.1.

Das Problem: Dadurch soll sie noch ansteckender als ihre "Mütter" sein. Denn sie vereint gefährliche Merkmale der bekannten Mutanten: Zunächst ähnelt das Virus mit seinen vergrößerten "Greifarmen" an der stacheligen Oberfläche der britischen Variante. Durch diese Veränderung kann es schneller in die Körperzelle eindringen. Auf jeder Virusoberfläche befinden sich 40 dieser "Greifarme".

Und sie trägt zusätzlich einen veränderten Eiweißstoff in sich, der aus der südafrikanischen und brasilianischen Variante bekannt ist. Diese Eiweiß-Veränderung namens E484K ist dafür bekannt, das Immunsystem auszutricksen. Antikörper können nur schlecht oder nicht mehr andocken, um das Virus zu neutralisieren.

Die Illustration zeigt das COVID-19-Virus. Die aus der Zelle herausragenden Strukturen sind die "Spikes" (Zacken) der Krone (Corona).
Die neue Mutante B.1.525 trägt drei neue Mutationen auf ihrer Oberfläche (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Dies könnte die Wirkung einer Corona-Schutzimpfung herabsetzen. Auch eine Wieder-Ansteckung mit dem Coronavirus ist denkbar. Durch seine neue Mutationen-Kombination wird sich B.1.525 aller Voraussicht nach rasch ausbreiten - und könnte sogar noch gefährlicher als ihre Vorgänger sein.

Nachgewiesen für Person aus Sachsen

Das Privatunternehmen Centogene, das positive Proben sequenziert, also in ihre Einzelteile zerlegt und auf neuartige Mutationen untersucht, hatte B.1.525 am Berliner Flughafen BER nachweisen können. Infiziert ist eine Person aus Sachsen. Andere Forschungseinrichtungen hatte ebenfalls die neue Variante in ihren Proben entdeckt.

Die Mutation B.1.525 kombiniert die Eigenschaften der britischen, brasilianischen und südafrikanischen Variante. Es ist daher gut möglich, dass sie ansteckender ist als andere Varianten, die jede für sich bereits eine höhere Infektionsrate aufweist als der Wildtyp.

Peter Bauer, Chief Genomic Officer von Centogene

Die Variante ist erst vor Kurzem entstanden und wurde Ende Dezember erstmals in Großbritannien und Nigeria nachgewiesen. Inzwischen sind Fälle in 23 Ländern bekannt. B.1.525 steht nun auch in Deutschland unter der Beobachtung des Robert-Koch-Instituts (RKI). Großbritannien hat die neue Misch-Mutante bereits als "variant of concern" eingestuft, als "besorgniserregend".

Wirken die Impfstoffe gegen die neue Virus-Variante?

Gegen die bekannten Virus-Varianten wirken nach ersten Studien die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Astrazeneca. Zweifel gibt es jedoch an der Wirksamkeit der Impfstoffe von Novarvax, Johnson&Johnson sowie Astrazeneca bei der südafrikanischen Variante. Inwieweit die auf dem Markt befindlichen Impfstoffe gegen die neue Misch-Mutante wirken, muss untersucht werden.

Die Aufnahme von Forschern des TU Wien-Spin-off Nanographics zeigt Coronaviren
Eine echte Aufnahme von Coronaviren - zur besseren Sichtbarkeit eingefärbt. Bildrechte: dpa

Warum mutiert das Coronavirus überhaupt?

Sich fortlaufend zu verändern, liegt in der Natur eines Virus. Es braucht zum Überleben einen Wirt und will daher möglichst viele Wirte in kurzer Zeit besiedeln. Daher verändert SARS-CoV-2 fortlaufend sein Erbgut, um herauszufinden, welche winzigen Mutationen an seiner Oberflächenstruktur oder seinen Fähigkeiten zu seinem Vorteil sind.

Experten bezweifeln, dass eine Mutation jemals gefährlicher wird als der Wildtyp. Denn eine solche Entwicklung würde für das Virus selbst den Tod bedeuten. Warum sollte es seinen Wirt töten wollen? Es will sich nur ausbreiten und überleben. Dabei lernt es allerdings auch, Antikörper zu umgehen, die aus durchgemachten Infektionen oder Schutzimpfungen stammen.

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 11. März 2021 | 17:15 Uhr

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