Corona-Forschung Nur 47 Prozent Wirksamkeit: Corona-Impfstoff von Curevac

Ob der Corona-Impfstoff des Tübinger Unternehmens Curevac noch in diesem Jahr auf den Markt kommt, ist mehr als fraglich. Ein Zwischenergebnis der letzten und entscheidenden Zulassungsstudie bescheinigt dem Vakzin eine Wirksamkeit von lediglich 47 Prozent. Auf die deutsche Impfkampagne wird das laut Bund jedoch keinen Einfluss haben.

Symbolbild - Coronaserum-Impfstoffdose mit Spritze Corona-Impfstoff
Eine Zwischenstudie bescheinigt dem Corona-Vakzin von Curevac eine Wirksamkeit von nur 47 Prozent. Bildrechte: imago images/Martin Wagner

Herber Rückschlag für Curevac: Der Covid-19-Impfstoff der Tübinger Biotechfirma liegt nach vorläufigen Daten in der entscheidenden Zulassungsstudie unter den Erwartungen. Die Wirksamkeit lag demnach nur bei 47 Prozent.

Dennoch wird Curevac die Studie mit weiteren Corona-Fällen bis zu ihrer finalen Auswertung fortsetzen. Dabei kann sich die endgültige Wirksamkeit noch einmal verändern. An der Frankfurter Börse stürzten die Curevac-Aktien massiv ab.

Curevac-Zulassung durch EMA fraglich

Die Aussichten für eine Zulassung des Impfstoffs sind mit der gegenwärtigen Wirksamkeit eher mau: Die Weltgesundheitsorganisation WHO erwartet eine Wirksamkeit von mindestens 70 Prozent, die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte im vergangenen Jahr einen Mindestwert von 50 Prozent festgelegt.

Ursprünglich hatte Curevac geplant, "schnellstmöglichst" eine Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA zu beantragen.

Ein Mann pipettiert in einem Labor des biopharmazeutischen Unternehmens Curevac eine blaue Flüssigkeit.
Ob der Impfstoff von Curevac zugelassen wird, ist fraglich. Bildrechte: dpa

Curevac spielt für Impfkampagne in Deutschland vorerst keine Rolle mehr

Die Europäische Union hat sich bis zu 405 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert. Da sich die Entwicklung des Vakzins zuletzt jedoch unerwartet in die Länge gezogen hatte, ist Curevac für die laufende Impfkampagne in Deutschland vorerst nicht eingeplant. Zu Verzögerungen der Kampagne wird es laut Bund nicht kommen.

mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna deutlich wirksamer

Wie die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna basiert auch der Curevac-Impfstoff auf Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern vermitteln soll.

Die Konkurrenten haben mit ihren Vakzinen eine hohe Messlatte gelegt: Sie zeigten in den entscheidenden Studien eine Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent. Diese Studien fanden allerdings vor dem Auftreten der neuen Virusvarianten statt, die mittlerweile die meisten Infektionen ausmachen. Aktuelle Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Impfstoffe auch gegen die vorherrschenden Varianten hochwirksam sind.

Keine Wirksamkeit bei älteren Menschen

Der Impfstoff von Curevac ist erst im Dezember in die zulassungsrelevante letzte Studienphase gebracht worden. Erste Analysen haben gezeigt, dass seine Wirksamkeit von der untersuchten Altersgruppe und den Virusstämmen abhängt.

Mehr als die Hälfte der in der Zwischenanalyse untersuchten Covid-19-Fälle seien durch sogenannte "besorgniserregende" Varianten verursacht worden. Während bei jüngeren Studienteilnehmern eine Wirksamkeit festgestellt worden sei, habe dies bei älteren Probanden über 60 Jahren - die bei einer Infektion besonders gefährdet sind - nicht beobachtet werden können.

Bislang ist unklar, ob dieses Phänomen auf die Corona-Varianten zurückzuführen ist oder auf den Impfstoff selbst. Eine Rolle könnte auch die Dosierung des Vakzins spielen. Curevac testete sein Mittel in einer deutlichen niedrigeren Dosierung als Biontech/Pfizer und Moderna.

Curevac kann Ziele nicht halten

Eigentlich wollte der Leverkusener Bayer-Konzern noch in diesem Jahr die erste Dosen des Curevac-Vakzins aus seinem Werk in Wuppertal ausliefern. Insgesamt hatte Curevac geplant, in diesem Jahr 300 Millionen Dosen herzustellen und bis zu eine Milliarde Dosen im kommenden Jahr. Wie es nun perspektivisch weitergeht ist ungewiss.

Der Curevac-Impfstoff zählt zu einem von drei deutschen Projekten, die von der Bundesregierung mit einem Sonderprogramm von insgesamt rund 750 Millionen Euro unterstützt werden.

Reuters/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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