Studienergebnisse Wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Variante?

Die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit zunehmend aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die erstmals in Indien nachgewiesene Variante als "besorgniserregend" eingestuft. Was macht die Delta-Variante so gefährlich?

Mutierter Coronavirus, Symbolfoto Delta-Variante B.1.617.2
Die Delta-Variante ist weltweit auf dem Vormarsch. (Archiv Bildrechte: IMAGO / Christian Ohde

Wissenschaftlern zufolge ist die Delta-Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 so gefährlich, weil sie deutlich ansteckender ist als die Ursprungsform des Virus. Sie verbreitet sich deutlich schneller als andere Formen. Auch in Deutschland warnen Immunologen, dass spätestens im Herbst die Delta-Variante die dominierende Variante hierzulande sein könnte.

Delta-Variante in Deutschland angekommen

Laut den jüngsten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) wurde die Variante bereits in allen 16 Bundesländern nachgewiesen. Anfang Juni lag ihr Anteil an allen genauer untersuchten Corona-Infektionen in Deutschland demnach bereits bei 6,2 Prozent. Ganz anders sieht es in Großbritannien aus, wo die Variante B.1.617.2 inzwischen für 96 Prozent aller Neuinfektionen verantwortlich ist.

Resistenter gegen Impfstoffe

Die entscheidende Frage jetzt: Wie wirksam sind die Corona-Impfstoffe gegen die Delta-Mutante? Mehrere Laboruntersuchungen zeigen, dass sie offenbar resistenter gegen Impfstoffe ist als andere Varianten. So ergab eine britische Studie, die in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, dass die Zahl der Antikörper nach zwei Impfdosen von Biontech/Pfizer bei der Delta-Variante sechs Mal niedriger ausfiel als bei der Ursprungsform des Virus.

PCR-Test Labor
Auch in Deutschland werden immer mehr Infektionen mit der Delta-Variante nachgewiesen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / photothek

Nicht nur Antikörper entscheidend für Wirksamkeit

Die Zahl der Antikörper ist ein wichtiges Merkmal der Wirksamkeit eines Impfstoffs, jedoch nicht das einzige. Wer nur die Antikörper berücksichtigt, vernachlässigt insbesondere die Bedeutung der T-Killerzellen, die bereits infizierte Zellen statt des Virus angreifen. Umso wichtiger sind Untersuchungen unter realen statt nur unter Laborbedingungen. Und hier geben erste Ergebnisse Anlass zur Hoffnung, denn mit einer vollständigen Corona-Impfung lassen sich laut einer am Montag (14.06.) vorgestellten Studie der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) schwere Krankheitsverläufe bei der Delta-Variante ebenso wirksam vermeiden wie bei anderen Varianten..

Begrenzter Schutz nach einer Impfung

Einig sind sich Wissenschaftler darin, dass eine einzelne Dosis nur begrenzt Schutz vor einer Infektion durch die Delta-Variante bietet. So ergab die in "The Lancet" veröffentlichte Studie, dass 79 Prozent der Geimpften nach einer ersten Dosis von Biontech/Pfizer "eine quantifizierbare neutralisierende Antikörperreaktion" gegen den ursprünglichen Virusstamm hatten, bei der Delta-Variante hingegen nur 32 Prozent. Auch das französische Institut Pasteur erklärte, eine einzelne Astrazeneca-Dosis habe "wenig bis gar keine Wirksamkeit" gegen die Delta-Variante.

Illustration: Antikörper um einen Covid-19 Erreger herum.
Nicht nur Antikörper sind bei der Bekämpfung des Coronavirus entscheidend. (Archiv) Bildrechte: imago images/Science Photo Library

Abstand zwischen den Impfungen verringert

Daten der britischen Regierung weisen in dieselbe Richtung: Beide Impfstoffe waren demnach drei Wochen nach der ersten Dosis nur zu 33 Prozent wirksam gegen eine durch die Delta-Variante verursachte symptomatische Covid-19-Erkrankung. Als Gegenmaßnahme verringerte die britische Regierung daraufhin den Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung von zwölf auf acht Wochen. Auch in Frankreich wurde der Zeitraum zwischen den Impfungen reduziert.

(BRISANT/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 18. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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