Coronavirus Delta-Variante - Wie gefährlich ist sie für Kinder und Jugendliche?

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Auch in Deutschland wachsen die Sorgenfalten. Eine entscheidende Frage im Umgang mit der neuen Mutante ist nun: Wie gefährlich ist sie für Kinder und Jugendliche?

Symbolfoto - Blutprobe mit Coronavirus Delta-Variante
Die Delta-Variante ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. (Archiv) Bildrechte: imago images/Christian Ohde

Die Warnungen vor einer vierten Corona-Welle in Deutschland werden immer deutlicher. Schuld ist die Delta-Variante des Coronavirus, die sich schneller verbreitet als bisherige Mutationen. Aktuell dürften 30 Prozent der Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen sein, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie Carsten Watzl. Auch Kindern sind gefährdet, sich zu infizieren.

Anpassung der Impfempfehlung für Kinder gefordert

Eine Impfung gegen das Coronavirus ist für die meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland bislang nicht vorgesehen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren nur bei bestimmen Vorerkrankungen oder anderen Risikofaktoren. Laut einer Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung betrifft dies etwa elf Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe. Auf Wunsch und nach ärztlicher Beratung sind Impfungen ab dem Alter von zwölf Jahren allerdings für alle möglich.

Für den Politiker Karl Lauterbach (SPD) geht diese Stiko-Empfehlung angesichts der Delta-Variante nicht weit genug. Der Gesundheitsexperte fordert die Stiko deshalb auf, ihre eingeschränkte Empfehlung für Corona-Impfungen von Kindern zu überdenken. Die Stiko argumentiere, dass Covid-19 für Kinder harmlos sei, so Lauterbach in der "Rheinischen Post". "Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht", sagte er. In Großbritannien würden bereits viele Kinder mit Covid-19 in Krankenhäusern behandelt. "Die Angaben der Stiko beziehen sich immer auf alte Varianten", so Lauterbach. Eine Durchseuchung der Kinder mit der Delta-Variante sei zu riskant.

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) spricht bei der Sitzung des Bundestags.
Karl Lauterbach fordert eine Anpassung der Impf-Empfehlung für Kinder und Jugendliche (Archiv) Bildrechte: dpa

Sorgenvoller Blick nach Großbritannien

Im Allgemeinen entwickeln Kinder und Jugendliche weniger schwere Formen von Covid-19 als ältere Menschen. Doch weil auch sie sich anstecken und das Virus weitergeben können, würde ihre Immunisierung zur Eindämmung der Pandemie beitragen. Für echte Normalität sei nach Einschätzung von Karl Lauterbach eine Impfquote von mehr als 80 Prozent nötig.

Was eine weitere Ausbreitung der Delta-Variante für Deutschland bedeuten kann, zeigt ein Blick in die Länder, die bereits stark betroffen sind. In Großbritannien breitet sich das Coronavirus unter Schülern mit großem Tempo aus. Die Zahl der infizierten 5- bis 9-Jährigen sei nach Angaben der "Sunday Times" in der Woche zum 20. Juni im Vergleich zur Vorwoche um 70 Prozent gestiegen. Bei den 10- bis 14-Jährigen soll die Zahl der Infizierten um 56 Prozent angewachsen sein. Insgesamt 16.100 Schüler sollen wegen einer Infektion mit der Delta-Variante nicht in der Schule gewesen sein. In der Vorwoche waren es 10.600 Schüler.

Ein Kind bekommt eine Spritze
Die Zahl der infizierten Kindern in Großbritannien steigt stark an. (Archiv) Bildrechte: Colourbox.de

Delta-Variante mit tückischen Symptomen

Besonders tückisch bei der Delta-Variante: Bei jüngeren Menschen können die Symptome denen einer Erkältung sehr ähneln. Zu diesem Ergebnis kommt der britische Professor Tim Spector. Seinen Untersuchungen zufolge ist das Risiko einer Weiterverbreitung im Freundes- und Bekanntenkreis, beispielsweise in der Schule, erhöht. Typische Symptome bei der Delta-Variante sind laut Spector: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber, Halsschmerzen, Appetit-Verlust, Schnupfen. Auf diese Symptome sollten Eltern also besonders achten.

Fundierte Belege, dass ein erhöhtes Risiko einer schweren Erkrankung besteht, gebe es allerdings nicht. Auch zu möglichen Spätfolgen bei Kindern liegen keine Ergebnisse vor. Zur Delta-Variante sei die Datenlage "international noch absolut offen", sagt auch Stiko-Chef Thomas Mertens dem WDR. "Es ist keineswegs bislang erwiesen, dass die Delta-Variante in dieser Altersgruppe schwerere Erkrankungen verursacht. Im Gegenteil: Es gibt auch Daten und Ergebnisse, die eher darauf hindeuten, dass die Delta-Variante weniger krank machend ist", so Mertens weiter.

Thomas Mertens
Stiko-Chef Mertens sagt, dass die Datenlage zur Delta-Variante weltweit noch "absolut offen" sei. (Archiv) Bildrechte: dpa

Schwere Verläufe bei Kindern möglich

"Man muss einfach erkennen: Entweder werden sie geimpft oder sie infizieren sich", schätzt Epidemiologe Dirk Brockmann die Lage gegenüber dem ZDF ein. Auch wenn die Corona-Verläufe bei Kindern und Jugendlichen in der Regel weniger schlimm" seien, würden Studien zeigen, "dass ein Prozent der Kinder hospitalisiert wird", so Brockmann weiter. Und auch da seien schwere Verläufe möglich.

(BRISANT/afp/dpa)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 28. Juni 2021 | 17:15 Uhr

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