Lebensmittel liegen in einer Mülltonne.
Bildrechte: dpa

Studentinnen fürs "Containern" verurteilt Der große Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

BRISANT | 30.01.2019 | 17:15 Uhr

Zwei Studentinnen hatten Lebensmittel, die sie noch für verwertbar hielten, aus Supermarkt-Mülltonnen gefischt - und sind dafür verurteilt worden. Dabei wollten sie ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen.

Lebensmittel liegen in einer Mülltonne.
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Auch wenn Lebensmittel schon im Müllcontainer gelandet sind, gehören sie rein rechtlich noch immer dem Supermarkt. Deshalb sind zwei junge Frauen aus Olching in Bayern verurteilt worden - genauer wegen gemeinsam begangenen Diebstahls. Der Container soll abgesperrt gewesen sein. Die Studentinnen sollen das Schloss mit einem Vierkantschlüssel geöffnet haben. Die beiden Frauen erhielten eine Verwarnung und wurden zu einer Geldbuße verurteilt.

Für Freispruch, gegen Lebensmittelverschwendung

Wenn sie eine Geldstrafe von 1.200 Euro akzeptiert oder gemeinnützige Arbeit bei der Tafel in Fürstenfeldbruck geleistet hätten, wäre das Verfahren vermutlich eingestellt worden. Das wollten die beiden Studentinnen aber nicht. Sie wollten einen Freispruch! Sie seien keine Diebinnen. Und nachdem der Supermarkt die Waren bereits entsorgt hätte, sei ihm auch kein Schaden entstanden, als sie die Lebensmittel mitgenommen hätten - so ihre Argumentation. Außerdem hätten sie mit ihrer Aktion auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen wollen.

Stichwort: Containern Containern, auch "Mülltauchen" oder "Dumpster Diving" genannt, bezeichnet die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern. Das Containern erfolgt oft bei Abfallbehältern von Supermärkten, aber auch bei Fabriken.

18 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll

Containern kann in Deutschland strafbar sein - vor allem dann, wenn sich jemand Zutritt auf ein fremdes Gelände verschafft oder die Mülltonnen aufbricht. Vor dem Hintergrund, dass sich laut einer EU-Erhebung von 2017 fast jeder dritte Arbeitslose in Deutschland nach eigenen Angaben nicht regelmäßig eine vollwertige Mahlzeit leisten kann, ist es umso fataler, dass die deutschen Mülltonnen voll mit noch genießbaren Lebensmitteln sind! Laut einer Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) werden in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Das ist ein Drittel der gesamten Produktion! Bis 2030, so das Ziel der Vereinten Nationen, soll die Lebensmittelvernichtung um 50 Prozent gesenkt werden.

Andere Länder machen es vor

Lebensmittelreste für die Allgemeinheit? Genau dazu gibt es beispielsweise im Nachbarland Tschechien ein Gesetz. Supermärkte müssen ihre übriggebliebenen Lebensmittel an Einrichtungen - wie die Tafel -  spenden. Frankreich macht das schon seit drei Jahren. Die Hilfsorganisationen freuen sich dort über immer mehr Lebensmittel. Ist ein solches Modell auch in Deutschland denkbar? Die Tafeln sagen: Nein!

Ich glaube, es ist immer schwierig, mit Gesetzesvorgaben etwas zu verändern. Ich glaube, es geht um die Haltung und das betrifft alle, nicht nur das Ende der Wertschöpfungskette.

Jochen Brühl | Bundesvorsitzender Tafel Deutschland e. V.

"Jeder kann etwas tun"

Schon vorm Verkauf im Supermarkt sollten Lebensmittel nicht im Überfluss produziert werden. Der WWF fordert zudem, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum bei lange haltbaren Produkten abgeschafft wird.

Jeder kann was tun, ob jetzt der Handel, indem er die Norm ausweitet, nicht mehr so viel Obst und Gemüse, das nicht mehr so perfekt ist, auszusortieren, die Gastronomie zum Beispiel, indem verschiedene Tellergrößen angeboten werden, das Buffet nicht mehr so üppig bestückt wird und jeder im privaten Haushalt, indem man sich einen besseren Plan macht, wie man einkauft. 

Tanja Dräger de Teran | WWF

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 30. Januar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 11:07 Uhr

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