10.01.2020 | 17:35 Uhr | Update Verwirrspiel um Kaufangebot aus dem Dresdner Juwelenraub

Eine israelische Sicherheitsfirma hat nach eigenen Angaben Schmuckstücke aus dem Einbruch im Dresdner Grünen Gewölbe von Unbekannten angeboten bekommen. Diese verlangten in E-Mails neun Millionen Euro für die Juwelen. Die Firma erklärt zudem, von den Staatlichen Kunstsammlungen beauftragt worden zu sein. In Dresden werden diese Behauptungen zurückgewiesen.

Diebesgut Grünes Gewölbe: Bruststern und Achselband
Dieser Bruststern und ein sogenanntes Achselband sollen im Darknet zum Kauf angeboten worden sein. Ob das "nicht verhandelbare" Kaufangebot vom 4. Januar in Höhe von neun Millionen echt ist, ist bisher nicht verfiziert. Bildrechte: Collage MDR/Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD)

Staatsanwaltschaft und Polizei in Dresden haben zurückgewiesen, im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe mit einer israelischen Sicherheitsfirma zusammen zu arbeiten. "Die Staatsanwaltschaft Dresden, die Polizeidirektion Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben die israelische Firma CGI nicht mit der Überprüfung des Sicherheitskonzeptes im Grünen Gewölbe oder mit sonstigen Ermittlungen beauftragt", heißt es in einer Pressemitteilung vom Freitag. Zudem habe man keine Hinweise darauf, dass der Schmuck zum Kauf angeboten wurde. "Seitens der Firma wurden keine Erkenntnisse an die Dresdner Staatsanwaltschaft, die Polizei oder die Staatlichen Kunstsammlungen übermittelt", heißt es weiter.

Sicherheitschef: Informationen nach Dresden übergeben

Das aber genau behauptet CGI-Unternehmenschef Jacob Perry - früherer israelischer Geheimdienstchef. Er sagte im Gespräch mit dem ARD-Studio Tel Aviv, seine Firma habe im Darknet Schmuckstücke aus dem Einbruch im Dresdner Grünen Gewölbe angeboten bekommen und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Nachdem Perry zunächst erklärte, im Auftrag des Museums Kontakt zu den mutmaßlichen Dieben aufgenommen und sich als potenzieller Käufer ausgegeben zu haben, sagte er später, eine Anwaltskanzlei, die den Verwaltungsrat des Museums vertritt, habe ihn beauftragt. Die mutmaßlichen Diebe hätten daraufhin den Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens und das Achselband mit dem "Sächsischen Weißen Brillanten" für neun Millionen Euro angeboten. Die Zahlung sollte in der Internetwährung Bitcoin erfolgen. Perry sagte weiter, die CGI habe die Informationen an die Staatsanwaltschaft Dresden übergeben. Bislang habe seine Firma die Echtheit der Mails aber nicht verifizieren können.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter in alle Richtungen

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, sagte im Gespräch mit MDR SACHSEN:

Ob die Firma möglicherweise von einer dritten Person oder Firma beauftragt worden ist, das wissen wir nicht. Ich kann nur sagen, dass wir es nicht waren. Im Moment deutet es ja mehr darauf hin, dass das, was die Firma bisher verbreitet hat, nicht ganz mit der Wahrheit übereinstimmt.

Lorenz Haase Pressesprecher Staatsanwaltschaft Dresden

Auch zu Aussagen der vergangenen Woche, wonach die Sicherheitsfirma CGI herausgefunden haben will, dass ein Mitarbeiter der Kunstsammlungen mit den Dieben vor dem Einbruch in Kontakt war, hielt sich Haase zurück: "Wir ermitteln weiterhin in alle Richtungen. Welche konkreten Ermittlungen wir führen, kann ich leider nicht mitteilen." Von den Israelis habe die Staatsanwaltschaft keine Erkenntnisse übermittelt bekommen.

Generaldirektorin Ackermann: "Wir haben keinen Auftrag erteilt"

Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, betonte im Gespräch mit MDR SACHSEN ebenfalls, weder zu CGI Kontakt noch von dort Erkenntnisse erhalten zu haben. Auch aus dem Freundeskreis der Kunstsammlungen sei kein Auftrag ergangen.

Wir haben als SKD keinen Auftrag erteilt an die israelische Sicherheitsfirma, weder ich noch der Vorstand. [...] Der MSU, so heißt der übergreifende Freundeskreis der SKD, kann auch dementieren, dass ein Auftrag ergangen ist. Es kann im Prinzip sein, dass irgendein Freundeskreis, ein Unterstützerkreis eines anderen Museums weltweit, dass irgendeine Privatperson aktiv geworden ist. Das weiß ich nicht und dazu kann ich nichts sagen.

Marion Ackermann Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Screenshot des angeblichen Kaufangebotes von Juwelen aus dem Grünen Gewölbe.
Screenshot des angeblichen Kaufangebotes von Juwelen aus dem Grünen Gewölbe. "Kripo live" versucht, prüfen zu lassen, inwieweit diese Mails echt sind oder nur von Trittbrettfahrern geschrieben wurden. Jacob Perry, Präsident von CGI, sagte "Kripo live", dass CGI die Mail nicht verifizieren konnte. Bildrechte: Screenshot CGI

Über die CGI Die CGI Group mit Sitz in Tel Aviv wurde 1989 gegründet. Sie operiert nach eigenen Angaben weltweit, unter anderem mit ehemaligen Spezialkräften aus dem irsraelischen Militär und dem israelischen Geheimdienst Mossad.

Die Firma CGI ist nach eigenen Angaben auf ihrer Homepage seit Ende November mit der Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen im Grünen Gewölbe beauftragt sowie mit der Untersuchung des Einbruchs.

Sicherheitspersonal für Museen im Dresdner Schloss aufgestockt

Nach dem spektakulären Juwelendiebstahl wird das Dresdner Residenzschloss inzwischen auch von außen bewacht. Tag und Nacht stünden gepanzerte Minibusse einer Sicherheitsfirma vor dem Schloss, in dem unter anderem das vom Diebstahl betroffene Historische Grüne Gewölbe untergebracht ist, bestätigten die SKD dem Evangelischen Pressedienst am Freitag. Das Sicherheitspersonal sei insgesamt aufgestockt worden, hieß es. Zahlen dazu gaben die Kunstsammlungen "aus Sicherheitsgründen" nicht bekannt. Der SKD zufolge wurde und wird in Abstimmung mit der Polizei das Sicherheitskonzept für das Residenzschloss überprüft.

Der Schock vom 25. November

Das Achselband mit dem "Sächsischen Weißen" und der Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens gehören zu gut zwei Dutzend erbeuteten barocken Schmuckstücken aus Diamanten und Brillanten. Zwei Unbekannte waren am frühen Morgen des 25. November mit Gewalt in das berühmte Schatzkammermuseum des 18. Jahrhunderts im Erdgeschoss des Residenzschlosses eingedrungen. Sie hatten ein Fenstergitter durchtrennt, das Fenster herausgestemmt, im Juwelenzimmer mit einer Axt Löcher in die Vitrine mit den prächtigsten Stücken gehackt und zugegriffen. Der Coup, der weltweit Schlagzeilen machte, dauerte nur wenige Minuten. Als die Polizei eintraf, waren Diebe und Beute verschwunden.

Quelle: MDR/ma/dpa/afp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.01.2020 | ab 10 Uhr in den Nachrichten

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