Ein Millionenspektakel, das tödlich endete 30 Jahre Loveparade: Auf den Spuren der größten Raver-Meile

Auf einem Lampenmast feiern 1996 ausgelassene Techno-Fans vor der Siegessäule.
Es war das Jahr des Mauerfalls. Der Kanzler hieß noch Helmut Kohl, als ein paar Berliner DJs mit drei Wägelchen und 150 Leuten bei Nieselregen über den Kurfürstendamm tanzten. Einer von ihnen war Dr. Motte. Der hatte den Musikumzug am 1. Juli 1989 als Demonstration angemeldet. Das Motto ist heute legendär: "Friede, Freude, Eierkuchen." Bildrechte: dpa
Auf einem Lampenmast feiern 1996 ausgelassene Techno-Fans vor der Siegessäule.
Es war das Jahr des Mauerfalls. Der Kanzler hieß noch Helmut Kohl, als ein paar Berliner DJs mit drei Wägelchen und 150 Leuten bei Nieselregen über den Kurfürstendamm tanzten. Einer von ihnen war Dr. Motte. Der hatte den Musikumzug am 1. Juli 1989 als Demonstration angemeldet. Das Motto ist heute legendär: "Friede, Freude, Eierkuchen." Bildrechte: dpa
Ein Paar küsst sich 1996 auf einem Ampelmast sitzend.
Es waren vergleichsweise unbeschwerte Jahre in Deutschland, Berlin ein Abenteuerspielplatz für Ost und West. "Vor allem waren es dieLeute aus dem Osten, die die Energie mitgebracht haben", erzählt DJ Technopionier Westbam (54). Bildrechte: dpa
Techno-Fans tanzen 1996 über die Straße des 17. Juni.
Die Hände der Leute waren zum Tanzen hochgereckt. Sie hielten noch kein Handy, um das Ganze bei Instagram festzuhalten. Bildrechte: dpa
Ausgelassen feiern Raver 2001 auf der Straße des 17. Juni in Berlin die 13. Loveparade.
Die Loveparade entwickelte sich danach von der Minikarawane zum Millionenspektakel. 1989 sollen 1,5 Millionen Menschen dabei gewesen sein. „Man hat gemerkt, dass die Stadt sich verjüngt durch diese vielen jungen Leute, die zu ihrer Musik tanzten. Man spürt das bis heute. Die ganze Clubkultur hier, beruht darauf, dass wir Berlin sexy gemacht haben“, sagt Gründer Dr. Motte. Bildrechte: dpa
Hunderttausende Raver tanzen 2006 auf der Straße des 17. Juni vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Was für eine gewaltige Menge tanzende Menschen! Dazu gehörten: bis in den Magen wummernde und nicht besonders komplexe Technobeats, Trillerpfeifen, Neon, Sonnenblumen, Plateauschuhe und Klamotten mit Kuhfellmuster, Ecstasy-Pillen. Bildrechte: dpa
Ausgelassen tanzen junge Raverinen auf der Straße des 17. Juni in Berlin 2006 auf der Love Parade.
Dr. Motte erinnert sich mit "total großer Euphorie" an die erste Loveparade - in Zeiten, als Musik noch auf Kassetten lief. Drogen hätten damals keine Rolle gespielt. "Uns ging es nur darum, mit unserer Musik am Tag - die Nacht gehörte uns ja schon - zu demonstrieren, für eine bessere Welt." Bildrechte: dpa
Mit Ravern gefüllte Straße bei Berliner Love Parade, 1999
In den 1990er-Jahren war die Loveparade mit ihren Partybildern ein Symbol für eine Jugend, die sich angeblich nur für den Spaß interessierte. Bildrechte: dpa
Love Parade steht auf einem nackten Po, den eine Raverin 2001 in Berlin küsst.
Ähnlich wie bei der Fußball-WM 2006 waren die Bilder im Ausland ein Stück Imagepflege für die vermeintlich verkniffenen Deutschen. Bildrechte: dpa
Mit Schneeschiebern beseitigen Mitarbeiter der Stadtreinigung 1999 auf der Straße des 17. Juni vor der Siegessäule in Berlin riesige Mengen von Flaschen, Dosen, Kartons und Plastikbehältern.
Schlagzeilen machten aber auch pinkelnde Raver, die Müllberge im Park oder die kilometerweit zu spürenden Basswellen, die Vögel vertrieben. Bildrechte: dpa
DJ Dr. Motte alias Matthias Roeingh, 2002
Den Status als Demonstration verlor die Loveparade 2001 am Bundesverfassungsgericht. Das Geld wurde knapp. 2004 und 2005 fiel die Parade wegen fehlender Sponsoren aus. 2006 stieg sie zum letzten Mal im Tiergarten, Dr. Motte (Foto) verabschiedete sich von der "Dauerwerbesendung". Bildrechte: dpa
Tausende Raver drängen sich 2010 auf der Loveparade in und vor dem Tunnel in Duisburg, in dem sich eine Massenpanik ereignet hat.
Am 24. Juli 2010 endete die letzte Loveparade in einer Katastrophe. An einer engen Stelle am einzigen Zu- und Abgang zum Duisburger Festivalgelände kam es zu dem tödlichen Gedränge. "Die Katastrophe von Duisburg hat mich sehr mitgenommen. Denn das hätte alles nicht sein müssen", sagt Dr. Motte. "Ich hatte schon geahnt, dass sich das negativ entwickeln könnte." Bildrechte: dpa
Rosen verwelken an der Loveparade Gedenkstätte.
Erst sieben Jahre später begann der Prozess. Zehn Menschen waren angeklagt – sechs Bedienstete der Stadt Duisburg und vier Angestellte der Firma Lopavent. Nach 100 Verhandlungstagen wurde das Verfahren im Februar 2019 gegen sieben Beschuldigte eingestellt - wegen allenfalls geringer Schuld ohne Auflagen und Strafen.

Drei Angeklagte, die eine Geldauflage zahlen sollten, lehnten eine Einstellung ab. Gegen sie geht der Prozess nun weiter. Die für die Angehörigen bittere Frage, wer für den Tod von 21 Menschen die Verantwortung übernimmt, blieb ohne Antwort. Dr. Motte sagt, er wundere sich, dass immer noch niemand verurteilt sei.
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