Corona-Virus Forscher sprechen sich gegen generelle dritte Impfung aus

Booster-Impfungen gegen eine Corona-Infektion laufen auch in Deutschland an. Eine internationale Expertengruppe hat sich nun gegen eine generelle dritte Impfung ausgesprochen. Zum einen sei der bisherige Impfschutz ausreichend, zum anderen würde der Impfstoff andernorts dringender gebraucht.

Eine Spritze an einer Impfdosis
Ein Forschergruppe rät derzeit von einer Auffrischungsimpfung ab. (Archiv) Bildrechte: dpa

Die Corona-Impfstoffe sind einer Studie zufolge gegen die derzeit verbreiteten Virusvarianten so wirksam, dass die breite Bevölkerung derzeit keine dritte Impfung benötigt. "Selbst angesichts der Delta-Bedrohung sind Auffrischungsimpfungen für die Allgemeinbevölkerung in diesem Stadium der Pandemie nicht angebracht", heißt es in einem Bericht im Fachmagazin "The Lancet".

Ärmere Länder warten auf Impfstoff

Hintergrund ist, dass Länder wie Israel aus Angst vor der ansteckenderen Delta-Variante bereits damit begonnen haben, jedem Bürger eine Auffrischungsimpfung anzubieten, während die Versorgung ärmerer Länder mit Impfstoffen immer noch stockt und Millionen Menschen noch nicht ihre erste Impfung erhalten haben.

Medizinisches Personal schiebt den Leichnam eines verstorbenen Corona-Patienten durch die Intensivstation eines Krankenhauses.
Länder in Afrika sind zum Teil völlig unterversorgt mit Corona-Impfstoffen. (Archiv) Bildrechte: dpa

Ausreichende Immunantwort nach Impfung

Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler überprüften Beobachtungsstudien und klinische Studien, und kamen zu dem Ergebnis, dass die Impfstoffe bei allen wichtigen Virusvarianten nach wie vor hochwirksam gegen schwere Symptome von Covid-19 sind. "Die verfügbaren Impfungen sind sicher, wirksam und retten Leben", sagte Soumya Swaminathan, Chef-Wissenschaftlerin der Weltgesundheitorganisation WHO dazu. Die aktuellen Varianten hätten sich nicht ausreichend weiterentwickelt, um der Immunantwort der derzeit verwendeten Impfstoffe zu entgehen.

Forscher: "Fokus auf weltweite Verteilung"

"Insgesamt liefern die derzeit verfügbaren Studien keine glaubwürdigen Beweise für einen wesentlich geringeren Schutz vor schweren Erkrankungen, was das Hauptziel der Impfung ist", fügte die Autorin Ana-Maria Henao-Restrepo von der WHO hinzu. Deshalb solle der Fokus auf der weltweiten Verteilung des Impfstoffes liegen und nicht auf einer dritten Impfung. "Wenn die Impfstoffe dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen bringen, könnten sie das Ende der Pandemie beschleunigen, indem sie die weitere Entwicklung von Varianten verhindern", so Henao-Restrepo weiter.

Impfdosen.
Nach Auffassung der Forscher sollte die weltweite Verteilung der Impfstoffe im Fokus stehen. (Archiv) Bildrechte: SWR/DocDaysProductions

Booster mit angepassten Impfstoffen

Die Autoren argumentieren zudem, dass es im Falle des Auftauchens neuer, resistenter Virusvarianten besser wäre, auf diese angepasste Auffrischungsimpfungen zu verabreichen, anstatt auf eine Drittimpfung mit existierenden Vakzinen zu setzen. Länder wie Deutschland und Frankreich bieten derzeit älteren und besonders gefährdeten Menschen eine Booster-Impfung an. Israel bietet derweil allen ab zwölf Jahren eine dritte Impfung an.

(BRISANT/dpa/afp)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 14. September 2021 | 17:15 Uhr

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