Aktualisierte Impfempfehlung Dritte Corona-Impfung: Wem rät die Stiko zur Auffrischung?

Laut Robert-Koch-Institut gelten mittlerweile gut 80 Prozent der deutschen Bevölkerung als vollständig geimpft. Patienten mit geschwächtem Immunsystem haben zum Teil sogar schon eine Auffrischungs-Impfung erhalten. Die wird seitens der Stiko nun allen Senioren ab 70 Jahren, Pflegepersonal, medizinischem Personal und Menschen mit einem Einmal-Impfschutz von Johnson & Johnson empfohlen. Ziel der Empfehlung ist, im Herbst und Winter möglichst viele Impfdurchbrüche zu vermeiden.

Neben drei Spritzen befinden sich Buchstabenwürfel mit dem Schriftzug Boosterimpfung.
Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre Empfehlung für den Booster erweitert. Bildrechte: imago images/Steinach

In Sachen Corona-Auffrischimpfungen hat die Ständige Impfkommission (Stiko) nachgelegt - und ihre Empfehlungen stark erweitert. Jetzt sind alle Senioren ab 70, Pflegepersonal und medizinisches Personal dazu aufgerufen, sich einen dritten Piks zu holen.

Auch Menschen, die den Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben, sollen jetzt eine zweite Impfung erhalten. Bislang gab es die Booster-Empfehlung ausschließlich für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Was bedeutet "Auffrischung"?

Bei einem sogenannten Booster erhalten vollständig geimpfte Menschen eine weitere Dosis eines zugelassenen Impfstoffs gegen Covid-19. Die Stiko empfiehlt dafür ein mRNA-Vakzin - und das unabhängig davon, welcher Impfstoff zuvor gespritzt wurde. Jeder Booster stärkt das menschliche Immunsystem erneut gegen Sars-CoV-2.

Die Stadt Köln wirbt auf Plakattafeln für ihr Impfangebot.
80 Prozent der deutschen Bevölkerung sollen laut RKI vollständig gegen das Coronavirus geimpft sein. Bildrechte: imago images/Future Image

Senioren ab 70 - weshalb ist der Booster für sie besonders wichtig?

Im höheren Alter fällt die Immunantwort nach Impfungen insgesamt geringer aus. Deshalb können sogenannte Impfdurchbrüche häufiger zu einem schweren Covid-19-Verlauf führen, begründet die Stiko ihre Empfehlung. Und: Die Altersgrenze von 70 Jahren ist nicht in Stein gemeißelt. In Pflegeeinrichtungen kann die Auffrischimpfung wegen eines erhöhten Ausbruchsrisikos auch Senioren unter 70 Jahren verabreicht werden.

Für Senioren in Deutschland sind die Booster nicht neu. Seit Anfang September ist der dritte Piks für ältere Senioren zugelassen. In Anspruch genommen haben ihn bislang rund 921.000 Menschen. Aufgefrischt wird in der Regel nach rund sechs Monaten.

Johnson & Johnson-Impfschutz nicht ausreichend!

Generell schützten die in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffe effektiv und anhaltend vor schweren Covid-19-Verläufen, betont die Stiko. Beim Vakzin Janssen von Hersteller Johnson & Johnson ist dafür - im Gegensatz zu den anderen Impfstoffen - nur eine Dosis vorgesehen.

Mittlerweile sind bei jüngeren Menschen, die den nur einfachen Johnson & Johnson-Piks erhalten haben, zahlreiche symptomatische Impfdurchbrüche registriert worden. Das soll daran liegen, dass das Vakzin gegen die mittlerweile vollständig dominierende Delta-Variante vergleichsweise gering wirkt.

Urlaub, Kino & Restaurant auch mit Johnson & Johnson-Impfung möglich

Die Stiko spricht von einem ungenügenden Impfschutz - und empfiehlt, ab vier Wochen nach der Erstimpfung mit einem mRNA-Impfstoff aufzufrischen. Verpflichtend ist das jedoch nicht. Auch nach einer Einmalimpfung gelten Menschen nach wie vor als vollständig geimpft.

Leere Ampullen des Impfstoffs von Johnson & Johnson
Gegen die mittlerweile vollständig dominierende Delta-Variante soll das Vakzin von Johnson & Johnson keinen ausreichenden Impfschutz bieten. Bildrechte: imago images/Eibner Europa

Zum Schutz von Corona-Risikogruppen: Auffrischung für Pflegepersonal

Das größte Ansteckungsrisiko in Pflegeeinrichtungen kommt von außen: über Personal und Besucher. Für beide Gruppen gibt es neben Impfangeboten auch aktuelle Testmöglichkeiten.

Die Empfehlung einer Auffrischimpfung gilt speziell für das Pflegepersonal in ambulanten und stationären Einrichtungen für Ältere und andere Covid-Risikogruppen. Das Problem: Eine Studie aus Niedersachsen belegt, dass erst rund die Hälfte des Pflegepersonals überhaupt gegen Covid-19 geimpft ist.

Eigen- und Fremdschutz: Booster für medizinisches Personal

Beim Krankenhauspersonal sieht es mit der Grundimmunisierung gegen Covid-19 laut Robert-Koch-Institut deutlich besser aus: Demnach waren im Sommer nur noch fünf Prozent nicht geimpft. Medizinischem Personal mit direktem Patientenkontakt wird seitens der Stiko nun ein Booster empfohlen.

Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sind die Stiko-Ratschläge richtig und sinnvoll. «Mit dieser Strategie lassen sich zahlreiche Durchbruchinfektionen im Winter vermeiden, auch die Inzidenz wird gesenkt», twitterte er am Donnerstag. Generell sind die Auffrischimpfungen in reichen Ländern nicht unumstritten, etwa weil in ärmeren Ländern viele Menschen noch nicht einmal mit einer ersten Dosis Schutz vor dem Virus haben.

dpa/rki/BRISANT

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 08. Oktober 2021 | 17:15 Uhr

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