Mehrere Raupen mit einem dichten Haarkleid liegen zu einem Knäuel zusammengerollt auf Blättern.
Bildrechte: ThüringenForst/Matthias Stürtz

Haarige Angelegenheit Eichenprozessionsspinner - Autobahn gesperrt, Schule geräumt

BRISANT | 24.05.2019 | 17:15 Uhr

Zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners im Südosten Hamburgs müssen in den Nächten bis Samstag Fahrspuren an der A1 gesperrt werden.

Mehrere Raupen mit einem dichten Haarkleid liegen zu einem Knäuel zusammengerollt auf Blättern.
Bildrechte: ThüringenForst/Matthias Stürtz
Der Eichenprozessionsspinner kann schwere allergische Reaktionen auslösen. Im Bild ist ein Warnschild im Wald zu sehen mit dem Aufdruck "Eichenprozessionsspinner Allergiegefahr".
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Betroffen seien der Zubringer von der A1 auf die A25 in Richtung Geesthacht am Dreieck Hamburg-Südost und die Zubringer von der A255 stadtauswärts in Richtung Lübeck und Hannover am Dreieck Hamburg-Süd, teilte die Verkehrsbehörde am Dienstag mit. Umleitungen seien ausgeschildert. Ohne den Verkehr zu behindern, soll die giftige Raupe von der Standspur der A1 aus in dem Bereich bekämpft werden.

Autobahnsperren in Norddeutschland unvermeidbar

Gefürchtet sind die fast unsichtbaren Brennhaare des Eichenprozessionsspinners. Diese können in die menschliche Haut eindringen und mit ihrem Nesselgift Knötchen, Quaddeln oder Entzündungen verursachen. Anlieger, Autofahrer und Straßenwärter müssten vor den Insekten geschützt werden, hieß es. Wegen des Raupenstadiums müsse die Bekämpfung der Schmetterlingslarven bis Ende Mai erfolgen. Die Schädlingsbekämpfer sollen in den drei Nächten zwischen 22.00 bis 5.00 Uhr im Einsatz sein. Die Arbeiten seien allerdings witterungsabhängig.

Von einem Fahrzeug wird etwas an Bäume gesprüht.
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Bretten im Kraichgau - Schulbetrieb zeitweise eingestellt

In Bretten im Landkreis Karlsruhe wurde Anfang der Woche der Betrieb der Schillerschule und der Max-Planck-Realschule eingestellt. Schüler hatten dort allergisch auf den Eichenprozessionsspinner reagiert. Inzwischen läuft der Unterricht wieder normal, wie der SWR berichtet.

Giftige Härchen verursachen Exzeme und Reizungen

Der Eichenprozessionsspinner schädigt seit Jahrzenten große Teile des Eichenbestandes. Und: Die giftigen Härchen dieser Raupen verursachen beim Menschen Hautexzeme, reizen Augen und Atemwege! Eigentlich ist er ein harmloser Nachtfalter – der Eichenprozessionsspinner. Doch die mikroskopisch kleinen, mit Widerhaken versehenen Härchen seiner Raupen lösen oft unerträglich juckende Hautexzeme beim Menschen aus und können auch für Augen und Atemwege gefährlich werden.

Vom Wind transportiert

Die Ursache: ein auf Proteinbasis aufgebautes Nesselgift – das Thaumetopoein. Die sogenannten Spiegelhaare sind auch in den ab Juni am Baum gebildeten Gespinstnestern zu finden. Sie werden leicht mit dem Wind verfrachtet und behalten über mehrere Jahre ihre gesundheitsgefährdende Wirkung.

Was tun, wenn Brennhaare auf dem Körper sind?

Wer betroffen ist, sollte die Haut gründlich abduschen, Haare waschen und die Kleidung wechseln und in der Maschine waschen. Kühlen der betroffenen Stellen sowie antiallergische Medikamente (Antihistaminika) oder eine kortisonhaltige Salbe können die Beschwerden lindern.

Bekämpfung Experten überlassen

Nestern sollte man nur in Einmal-Schutzbekleidung und mit einer Atemmaske nähern. Experten raten jedoch davon ab, die Nester selbst abzutragen. Professionelle Schädlingsbekämpfer saugen die Nester mit Industriestaubsaugern ab. Anschließend werden sie in der Erde vergraben oder aber in geschlossenen Anlagen verbrannt.

Nur noch das Saarland, Thüringen und Bremen verschont

Ursprünglich ist das Insekt in der Mittelmeerregion beheimatet. Inzwischen ist es jedoch in auch in Deutschland öfter anzutreffen, als uns lieb ist. Am stärksten sind die Gebiete entlang des Rheins, der Süden und der Nordosten Deutschlands betroffen. Verschont blieben bislang nur das Saarland, Thüringen und Bremen.

Raupen des Eichenprozessionsspinners auf einem Baumstamm
Im Juni kriechen die behaarten Raupen zu Tausenden aus den Baumkronen der Eichen herab und bevölkern Alleen, Schulhöfe, Sportplätze und Schwimmbäder. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 24. Mai 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2019, 19:11 Uhr

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