Tun Sie was! Todbringender Plastikmüll für Eichhörnchen, Igel & Co.

Ein trauriger Anblick: Ein kleiner Igel, der ein wildes Tänzchen vollführt, um sich aus einem achtlos weggeworfenen Plastikbecher zu befreien. Hier befindet sich ein Tier in echter Not. Ein ähnliches Schicksal ist zahlreichen Eichhörnchen beschieden. Die gute Nachricht: Wir können einiges tun, um das Leid der Tiere zu lindern - oder auch ganz zu verhindern.

Ein Igel steckt mit seiner Schnautze in einem Trinkbecher.
Nicht süß, sondern traurig: Auch Igel und Eichhörnchen leiden unter unserem Plastikmüll. Bildrechte: dpa

Meeresschildkröten, die sich in Plastik verfangen haben, mit Mikroplastik-Partikeln gefüllte Walfischbäuche. Denkt man an die Folgen unseres Plastikverbrauchs für Umwelt und Tierwelt, dann sind es vor allem Meeresbewohner, die wir vor Augen haben. Doch genauso betroffen ist die heimische Tierwelt im Park um die Ecke - zum Beispiel Eichhörnchen und Igel.

Müll-Tod als YouTube-Hit

Ein Eichhörnchen mit Plastik-Halskrause, ein Igel, der das Näschen zu tief in den Einweg-Becher gesteckt hat. So süüüß - und als YouTube-Clip ein Garant für viele Klicks. Doch die vermeintlich lustigen Bilder zeigen in Wahrheit den Todeskampf der Tiere! Ohne die Hilfe des Menschen können sie sich aus dem "Plastik-Gefängnis" nicht mehr befreien. Nach Schätzungen der "Eichhörnchen-Hilfe Berlin-Brandenburg" verenden in Deutschland jährlich bis zu einer Million Eichhörnchen qualvoll in ihren "süßen" Plastik-Gefängnissen.

Ein ähnliches Schicksal ereilt zahlreiche Igel. Kurz vor der Winterschlaf-Phase sind die possierlichen Nager besonders hungrig, gehen vermehrt an herumliegenden Plastik-Müll. Der "Arbeitskreis Igelschutz" schätzt, dass pro Jahr mehr als 500.000 Igel durch diese menschliche Unachtsamkeit sterben. Was kann man dagegen tun?

Helfen statt filmen: Tiere in Not melden!

Eichhörnchen knabbert an leerem Joghurtbecher
Plastikmüll stellt auch für Kleintiere wie Eichhörnchen und Igel eine ernsthafte Gefahr dar. Bildrechte: imago images / alimdi

Augen auf beim Sonntagsspaziergang! Entdecken Sie ein Eichhörnchen mit "Halskrause" oder einen Igel, der bis über beide Ohren im Plastikbecher steckt, dann sollte es heißen: Hilfe organisieren statt die Kamera zu zücken! So "possierlich" der Befreiungstanz des kleinen Igels auch anmuten mag - der kleine Freund benötigt ihre Hilfe. Und die finden Sie zum Beispiel hier:

Die eigene Lebensweise überdenken: Plastikmüll vermeiden!

Abfall: Einwegbecher und Plastikgeschirr
Zahlreicher Plastikmüll lässt sich in unserem Alltag vermeiden! Bildrechte: imago/Peter Sandbiller

Ob Obst, Gemüse, Bücher oder Socken - fast alles ist in Plastik verpackt. Selbst in Duschbad und Shampoo finden sich - für das menschliche Auge nicht sichtbar - zahlreiche Mikroplastik-Partikel. Zugegeben, ein folienfreies Leben ist nicht ganz einfach. Doch vielleicht kommt es auch gar nicht darauf an, von heute auf morgen ALLEN Kunststoff aus dem Alltag zu verbannen. Der WWF gibt Tipps, wie man im eigenen Haushalt damit beginnen kann.

1. Überflüssige Einwegprodukte aus dem Alltag verbannen
Plastikteller und -besteck, Trinkhalme und Rührstäbchen sind leicht ersetzbar. Greifen Sie bei der nächsten Party auf Mehrweggeschirr zurück oder bieten Sie nur solche Getränke und Snacks an, die ohne das überflüssige Plastik auskommen.

2. "Unverpackt"-Läden
In Supermärkten und Discountern hat man als Kunde kaum die Chance, unverpackte Lebensmittel zu kaufen. Dafür gibt es mittlerweile immer mehr "Unverpackt"-Läden. Oder wie wäre es mit einem Wochenendeinkauf auf dem Markt?

3. Mehrfach verwendbare Tragetaschen
Ob aus Plastik oder Papier - die Ökobilanz von Einweg-Tragetaschen ist miserabel. Oft werden auch Mehrweg-Tragetaschen in den Läden angeboten. Noch besser: Den eigenen Rucksack oder Einkaufsbeutel mitbringen!

5. Obst und Gemüse lose kaufen
Schnell wird das Obst in die kleine, durchsichtige Plastiktüte gefüllt, weil man den Einkauf ungern lose aufs Band legen möchte - oder es liegt bereits verpackt im Regal. Bringen Sie eigene Mehrwegbeutel mit oder zumindest Plastiktüten, die sich bereits zu Hause angesammelt haben.

Ein Igel ist in einem Plasteschlinge für Bierdosen gefangen
Unnötige Verpackung - unnötiges Leid für die Tiere! Bildrechte: imago images / Ardea

6. "To stay" statt "To go"
Mal schnell unterwegs einen Becher Kaffee geholt oder das Essen mitgenommen, statt vor Ort zu essen - wer kennt das nicht? Die Alternative: Fast alle Geschäfte akzeptieren mitgebrachte Mehrwegbecher oder Dosen.

7. Bei Kosmetik auf Inhaltsstoffe achten
Flüssigseife, Peelingcreme, Duschgel, Shampoos und sogar Sonnencreme: Mikroplastik versteckt sich in vielen dieser Produkte - unter diversen Namen. Besser: Feste Seife für die Körperhygiene nutzen, die kommt mit weniger oder ganz ohne Plastik aus.

8. Kleidung aus Naturmaterial
Achten Sie auf Naturmaterialien! Häufig sind Sport- und Outdoorkleidung aus Synthetikmaterialien, aus denen sich bei jedem Waschen kleine Plastikpartikel lösen, die nicht gefiltert werden können und so in unsere Gewässer gelangen. Ganz ohne Müll, aber dafür mit richtig viel Spaß, kommen Klamottentauschpartys mit Freundinnen und Freunden daher - so erhalten ältere Kleidungsstücke ein zweites Leben und Plastik wird ganz nebenbei vermieden.

9. Müll trennen
Landet der ganze Müll im selben Mülleimer, wird er als Restmüll verbrannt und erzeugt Treibhausgase. Auch Recycling kann energieaufwändig sein, ist aber trotzdem besser. Auch wenn es im Alltag manchmal mühsam ist: Konsequente Mülltrennung ergibt durchaus Sinn.

10. Müll sammeln
Am Strand, am See, am Flussufer - Plastikmüll in der Natur ist ein trauriger Anblick und beeinträchtigt das Leben vieler Tiere. Ärmel hochkrempeln und Müll sammeln schafft Abhilfe!

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 22. November 2019 | 17:15 Uhr

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