Jahresrückblick Nicht alles schlecht: Ein Jahr Coronavirus

Am 27. Januar 2020 wurde der bundesweit erste Corona-Fall gemeldet: ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Bayern. Danach veränderte sich unser Leben radikal. Dennoch: Eine Krise macht erfinderisch. Und hat positive Seiten in uns hervorgebracht.

Eine Familie beim Winterausflug.
Mehr Zeit für die Familie - zwar ungeplant, aber schön. Bildrechte: Colourbox.de

365 Tage Corona

Zugegeben, das Jahr 2020 war alles andere als einfach. Weltweit haben sich etwa 100 Millionen Menschen mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Mehrere Mutationen breiten sich rasend schnell aus. Mehr als zwei Millionen sind bereits gestorben, deutschlandweit gibt es mehr als 50.000 Tote.

Dennoch: Nicht alles war schlecht in diesem Corona-Jahr. Deshalb wollen wir es wagen, nicht nur positiv in die Zukunft zu blicken, sondern auch die Kehrseite der Corona-Krise (zumindest ein bisschen) würdigen.

Tiere erobern sich ihren Lebensraum zurück

Zwar ist auch das Jahr 2020 nicht ohne das Aussterben seltener Arten verstrichen, doch die ausbleibenden Touristen- und Besucherströme haben der Tierwelt gut getan. Ein gutes Beispiel dafür ist Thailand. Wo sich normalerweise die Traveller tummeln, wurden in diesem Jahr wieder ganze Herden der mit den Seekühen verwandten Dugongs gesichtet. In Deutschland wurden gleich mehrere Hundert der bei uns vom Aussterben bedrohten Kegelrobben geboren.

Den heimischen Zoos und Tierparks haben die wegbleibenden Besucher durchaus zu schaffen gemacht - zumindest finanziell. Die Tiere scheinen aber die Ruhe genossen zu haben. Viele Zoos erfreuen sich eines Baby-Booms. Im Tierpark Hellabrunn und im Bergzoo Halle erblickten kleine Elefanten-Dickhäuter das Licht der Welt.

Bessere Luft- und Wasserqualität

Weniger Produktion, weniger Verkehr, weniger Schadstoffe: Durch die Corona-Krise haben Umweltbelastungen zwischenzeitlich abgenommen. Satellitendaten zeigen, dass sich die Luftqualität in einigen Ländern während der verschiedenen Lockdowns deutlich verbessert hat. Weniger Feinstaub ist für unsere Lungen Gold wert. Wenn das mal kein Anreiz ist, künftig auf den ein oder anderen Flug, die Kreuzfahrt oder die Nutzung des privaten Auto zu verzichten.

Auch die Wasserqualität ist aufgrund des eingeschränkten Kreuz- und Schifffahrtsverkehrs deutlich besser geworden. Nie waren Venedigs Kanäle so klar wie im Corona-Jahr 2020. Sogar die Fische kamen zurück!

Weniger Böller und Raketen an Silvester fanden sicher auch Katzen und Hunde gut.

Nachbarschaftshilfe hoch im Kurs

Vom Nachbarn will man vor allem eines: nicht gestört werden. Insbesondere in den Städten steht nachbarschaftliches Miteinander eher selten auf der Tagesordnung. Das hat sich durch die Corona-Krise geändert. Vor allem ältere Menschen konnten bei Einkäufen und Besorgungen auf Unterstützung durch die Nachbarn setzen.

Ebenfalls hoch im Kurs standen kostenlose Konzerte vor Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Viele Pfleger, Senioren und Kranke dankten den musizierenden Ehrenamtlichen von Herzen.

Eine Frau überreicht einer anderen einen Topf an der Haustür.
Mal der älteren Nachbarin etwas vorbeibringen - eine schöne solidarische Geste. Bildrechte: Colourbox.de

Wertschätzung der Pflegeberufe

Seit Jahren kämpfen sie um mehr Anerkennung und nicht zuletzt eine gerechtere Entlohung: Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten. Die Corona-Krise hat mehr als deutlich gemacht, was diese Menschen tagtäglich leisten. Dass das nicht allein mit einem Beifall goutiert werden kann, dürfte angekommen sein.

Endlich! Die Schulen werden digital

In Sachen Digitalisierung hinken deutsche Schulen denen unserer nordeuropäischen Nachbarn deutlich hinterher. Jetzt nimmt die Digitalisierung der Schulen auch in Deutschland langsam Fahrt auf, damit Homeschooling in Corona-Zeiten möglich wird.

Aufwertung von Homeoffice

Was früher für berufstätige Eltern ein Wunschtraum war, hat die Corona-Krise zur Notwendigkeit gemacht: das Arbeiten Zuhause. Zwar hat auch das Arbeiten in den eigenen vier Wänden seine Tücken, doch immerhin 85 Prozent der Homeoffice-Nutzerinnen waren mit ihrer neuen Arbeitssituation zufrieden.

Mittlerweile gibt es sogar einen Gesetzentwurf, der ein Recht auf Homeoffice beinhaltet. Demnach soll der Arbeitgeber verpflichtet werden, auf den Wunsch des Arbeitnehmers, mobil zu arbeiten, einzugehen.

Recyceln, Reparieren, Brot backen

Was man nicht kaufen kann, muss man selber machen. Eine Erfahrung, die für viele von uns neu gewesen sein dürfte. Während DIY bis zuletzt ein hipper Trend war, ging's in der Corona-Krise im wahrsten Sinne des Wortes ans Eingemachte. Schränke ausmisten, Regal bauen, stricken und nähen, Wand streichen... Neben Up- und Recycling erlebte auch das Kochen und Backen einen neuen Hype. Haben Sie etwa noch kein Sauerteigbrot gebacken?

Etwas andere Freizeit

Noch nie waren so viele Leute joggen oder Fahrrad fahren wie 2020. Klar, fit werden kann man auch, wenn das Sportcenter geschlossen hat. Zudem bieten viele Fitness-Freaks einfache Übungen für die eigenen vier Wände an - per Video oder Livechat. Ein weiterer Trend: wandern! Auch Sprachen lernen geht online. Und wegen der geschlossenen Schulen und Kitas haben Kinder mehr von ihren Eltern - und andersherum. Kann manchmal ganz schön anstrengend sein - aber meistens ganz schön.

Anlagen und Aktien

Im März und April brachen die Aktienkurse ein. Doch schon kurz darauf erholte sich die Börse wieder. Auch Kryptowährung liegt hoch im Kurs. Der Bitcoin hat seinen Wert vom April inzwischen locker verfünffacht. Der DAX ist auf ein Rekordhoch geklettet - und lässt so manche Branchen zuversichtlich ins neue Jahr blicken.

Konzentrieren auf das Wesentliche

Ja, wir haben weniger Kontakt zu Freunden und Familie. Aber die kann man anrufen oder mit ihnen skypen oder ihnen einfach mal einen Brief schreiben. Wir haben gelernt, mit weniger auszukommen: weniger Konsum, weniger schminken, weniger Pflichtbesuche, den Terminplan weniger voll schreiben. Ein besonderes Kleidungsstück ist für den neuen Minimalismus symbolisch: die Jogginghose. Die Desingerklamotten sieht jetzt eh keiner.

Wir waren zufrieden mit dem, was wir haben und sind achtsamer geworden. Haben entschleunigt und unsere Gesundheit zu schätzen gelernt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 27. Januar 2021 | 17:15 Uhr

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