Roland Wöller, 2012
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Folgen der tödlichen Auseinandersetzung Innenminister Wöller: Gewalt in Chemnitz ist unerträglich

Es sollte ein fröhliches Stadtfest in Chemnitz werden. Nach einer tödlichen Messerattacke im Stadtzentrum riefen sich Stunden später rechte Hooligans zu Demos auf. Das Entsetzen darüber ist in Chemnitz groß. Die Stadt ist besorgt über die Lage und will die Vorfälle aufarbeiten.

Roland Wöller, 2012
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Sachsens Innenminister Roland Wöller hat die rechte Gewalt in Chemnitz scharf verurteilt. Das Vorgehen von Gewaltbereiten und Gewalttätern sei unerträglich, sagte Wöller am Montag im ARD-Mittagsmagazin. Zudem wandte sich der Innenminister gegen Stimmungsmache im Netz. "Wir haben eine Situation, die für mich und für viele andere unerträglich ist. Wir haben Spekulationen, wir haben Mutmaßungen, wir haben Falschmeldungen und regelrechte Lügen im Netz", sagte Wöller. "Ich kann uns alle nur bitten, besonnen zu bleiben, ruhig zu bleiben und den Fall entlang der Tatsachen abzuarbeiten und dann entsprechende Konsequenzen zu ziehen."

Neben rechter Demonstration auch Gegenveranstaltung geplant

Am gestrigen Sonntag hatte es zwei Spontandemos in der Innenstadt gegeben. Auslöser war der Tod eines 35-jährigen Deutschen bei einer Messerattacke in der Nacht zu Sonntag. Unter anderem hatte eine rechte Fußballfan-Gruppierung rund 800 Teilnehmer mobilisiert. Aus Sicherheitsgründen und um Panik zu vermeiden, brachen die Veranstalter das Stadtfest vorzeitig ab. Im Laufe des Sonntagnachmittags kam es dann zu Übergriffen und Attacken auf Polizisten. Eine MDR-Reporterin berichtete auch von Rangeleien zwischen Demonstrationsteilnehmern. Die Polizei Chemnitz bearbeitet vier Anzeigen im Zusammenhang mit den Demonstrationen vom Sonntag: Zwei Anzeigen wegen Körperverletzung, eine wegen Bedrohung und eine Anzeige wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Unterdessen sind für Montagabend erneut Demonstrationen angekündigt. Die rechtsgerichtete Bürgerbewegung "Pro Chemnitz" rief auf Facebook zu einer Kundgebung auf. Mehrere linke Gruppierungen aus Sachsen kündigten in den sozialen Netzwerken Gegenveranstaltungen an.

Haftbefehle beantragt

Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz hat die Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen zwei Tatverdächtige wegen gemeinschaftlichen Totschlags beantragt. Wie die Behörde am Montag mitteilte, wurden am Nachmittag ein 23-jähriger Syrer und ein 22 Jahre alter Iraker dem Haftrichter vorgeführt. Sie sollen am frühen Sonntagmorgen in der Innenstadt mehrfach grundlos auf einen 35-jährige Deutschen eingestochen haben. Das Opfer starb kurz darauf im Krankenhaus. Die Ermittlungen zum Tatmotiv, zum genauen Ablauf der Tat und zur Tatwaffe dauern an, hieß es.

Oberbürgermeisterin entsetzt

Barbara Ludwig (SPD) / Oberbürgermeisterin Chemnitz
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"Es sollte ein friedliches Stadtfest werden. Wir hatten ja einen besonderen Anlass, den Stadtgeburtstag. Und wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt", sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig MDR SACHSEN. Es sei schlimm, "dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen". Weiter sagte sie im Gespräch mit MDR SACHSEN: "Denen, die sich hier angesammelt haben, bewusst auch keine Versammlung angemeldet haben, geht es darum, genau das Stadtfest zu stören, die Situation zu chaotisieren, damit die Menschen noch mehr Angst kriegen und genau das dürfen wir uns nicht gefallen lassen."

Der wahre Grund für den vorzeitigen Fest-Abbruch

Den vorzeitigen Abbruch des Stadtfestes begründeten die Organisatoren nach Absprachen mit der Polizei als sinnvoll und notwendig, um die Besucher zu schützen. "Um keine emotionale Reaktion hervorzurufen, haben wir den naheliegenden Grund gewählt, aus Pietätsgründen und aus Anteilnahme das Stadtfest abzusagen, auch wenn der eigentliche Grund für uns natürlich eine andere Sicherheitslage war. Wir wollten erreichen, dass das Festgelände in Ruhe verlassen werden kann", erklärte der Stadtfest-Veranstalter Sören Uhle von der Chemnitzer Wirtschaftsförderung.

Quelle: MDR/kk/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27.08.2018 | ab 6:00 Uhr in den Nachrichten
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Zuletzt aktualisiert: 27. August 2018, 15:36 Uhr

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