Bundesgesundheitsministerium empfiehlt Corona - Erleichterungen für vollständig Geimpfte in Sicht

Noch ist es Zukunftsmusik, aber mit dem Fortschritt der Corona-Impfungen könnte es bald mehr Freiheiten für vollständig geimpfte Personen geben. Hürden vor einer Reise oder einem Einkaufsbummel könnten entfallen.

Corona Impfstoff von BioNTEch/Pfizer, COMIRNATY/BNT162B
Die zweite Corona-Impfung könnte geimpften Personen bald Erleichterungen einbringen. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Jochen Tack

Unkomplizierteres Einkaufen, leichteres Reisen - die Debatte über mehr Freiheiten für Menschen, die vollständig gegen Corona geimpft sind, hat seit Ostern Fahrt aufgenommen. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, sollen Personen mit vollständigem Corona-Impfschutz künftig im Alltag und bei Reisen auf Corona-Tests verzichten können. So lautet zumindest die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums an die Länder, die bei entsprechenden Maßnahmen das letzte Wort haben. Entscheidend für die Empfehlung vom Bund seien Erkenntnisse des Robert Koch-Instituts (RKI).

Geimpfte wie negative Getestete behandeln

Das RKI sei zu dem Schluss gekommen, dass das Risiko, dass vollständig Geimpfte das Virus weitergeben, geringer sei als bei negativ Getesteten, so Spahn. "Das heißt, wir können jeden, der die zweite Dosis erhalten hat, zwei Wochen später so behandeln, als hätte er gerade aktuell einen negativen Test gemacht", so der Gesundheitsminister.

Jens Spahn
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn empfiehlt Erleichterungen für vollständig Geimpfte. (Archiv) Bildrechte: dpa

Erleichterungen bei der Einreise nach Deutschland

Derzeit sind erst 6,3 Prozent (Stand: 15.04.) der Menschen in Deutschland voll geimpft. 17,8 Prozent (Stand: 15.04.) haben mindestens eine Erstimpfung erhalten. 20,05 Millionen Impfdosen wurden bislang verabreicht. Den Empfehlungen zufolge soll bei Flugreisen aus dem Ausland alternativ zum derzeit verlangten negativen Testergebnis auch ein Nachweis vorgelegt werden können, dass man mindestens 14 Tage vorher die Gabe der zweiten Impfdosis mit einem in der EU zugelassenen Impfstoff erhalten hat. Auch bei Reisen aus Risiko- oder Hochinzidenzgebieten soll die Testpflicht der Empfehlung gemäß für entsprechend Geimpfte entfallen. Bei der Einreise aus Virusvariantengebieten soll es hingegen bei der Testpflicht bleiben, da bei manchen Varianten der Impfschutz kleiner ist.

Keine Tests beim Shoppen

Landesregelungen zum Öffnen einzelner Bereiche des öffentlichen Lebens in Regionen mit niedrigen Inzidenzen sollen alternativ zum geforderten tagesaktuellen negativen Test auch den Nachweis einer Zweitimpfung vorsehen. Das bedeutet, dass Lockerungen bspw. beim Shoppen oder in Kultureinrichtungen, die bislang nur Getesteten vorbehalten waren, künftig auch für Geimpfte ohne Test gelten sollen. Wer vollen Impfschutz hat, solle zudem von Quarantänemaßnahmen ausgenommen werden, so lange man keine Krankheitssymptome hat.

Schaufenster eines Modegeschäfts zur Weihnachtszeit mit Sonderangeboten, Passant mit Schutzmaske in der Essener Innenstadt in Zeiten der Coronakrise beim zweiten Teil Lockdown
Vollständig Geimpfte würden der Empfehlung zufolge keinen negativen Test zum Shoppen brauchen. (Archiv) Bildrechte: imago images/Rupert Oberhäuser

Corona-Schutzmaßnahmen weiter beachten

In beiden Fällen - negativ getestet oder vollständig geimpft - sei von einem "deutlich reduzierten Ansteckungsrisiko" auszugehen. "Die Impfung oder der tagesaktuelle Test geben zusätzliche, aber keine hundertprozentige Sicherheit", so die Empfehlung des Bundes an die Länder. Geimpfte und negativ Getestete müssten daher auch weiter Abstand halten, Hygiene beachten und Masken tragen. Es gilt also weiter, die Schutzmaßnahmen zu beachten.

Expertin warnt vor Leichtsinn

Eine Sprecherin von Gesundheitsminister Jens Spahn betonte, "dass es nicht um Privilegien oder Vorrechte geht, sondern darum, dass vollständig Geimpfte so behandelt werden wie negativ Getestete". Ein Impfeffekt auf das Infektionsgeschehen insgesamt ist noch nicht in Sicht, wie die Virologin Sandra Ciesek dem NDR sagte. Wichtig sei demnach zu bedenken: Nach der ersten Impfung gebe es zunächst eine "gefährliche Phase", da sich Antikörper erst entwickeln müssten, wie Ciesek über Leichtsinn bei jenen sagte, die glaubten, nach der Impfung sofort geschützt zu sein.

ten/dpa

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Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 15. April 2021 | 17:15 Uhr

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