Höhepunkt in Tel Aviv ESC-Finale: "S!sters" auf letztem Platz bei Buchmachern gehandelt

BRISANT | 18.05.2019 | 17:10 Uhr

Viele Deutsche hoffen beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv wieder auf das Lena-Wunder oder zumindest einen Michael-Schulte-Effekt. Buchmacher und Wettbüros handeln das deutsche Duo "S!sters" allerdings abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Die Sisters bei den Proben zum ESC in Tel Aviv auf der Bühne.
Die "Sisters" proben für ihren großen Auftritt beim ESC-Finale in Tel Aviv. Bildrechte: Getty Images

Niederländer Duncan Laurence Favorit für ESC-Finale

Düstere Prognosen der Buchmacher: Sie sehen Deutschlands "S!sters" seit Freitag auf dem letzten Platz beim Finale des Eurovision Song Contest. Allerdings ist das deutsche Duo in beiden Halbfinal-Ausscheiden nicht aufgetreten. Weil Deutschland zu den großen Geldgebern der Eurovision gehört, sind "S!sters" automatisch für das Finale gesetzt.

Duncan Laurence aus den Niederlanden
Duncan Laurence aus den Niederlanden favorisieren die Buchmacher als ESC-Sieger. Bildrechte: dpa

Für Deutschland treten Laurita Spinelli aus Wiesbaden und Carlotta Truman aus Hannover im Finale mit ihrem Song "Sister" an. In "Sister" geht es um den Zusammenhalt zwischen Frauen und welche Kraft daraus erwachsen kann. Seit Wochen handeln Buchmacher und Wettbüros den niederländischen Beitrag als Finalfavoriten: Duncan Laurence singt in seiner melancholischen Ballade "Arcade" von der Sehnsucht nach einer verlorenen Liebe.

26 Finalisten im Überblick - Das Erste überträgt Show ab 21 Uhr

Das Erste überträgt die Show ab 21 Uhr. Zuschauer können per Telefon, SMS und App ihre Stimme abgeben. Das riesige Fernseh-Ereignis zieht Millionen Fans vom Nordkap bis zum Kaukasus vor die Bildschirme. Musiker aus 26 Ländern treten Samstagabend beim Eurovision Song Contest in Tel Aviv gegeneinander an. Neben den Zuschauern stimmen auch nationale Fachjurys aus Sängern und Komponisten über die Beiträge ab. Am Ende gewinnt der Song mit den meisten Punkten.

  Land Künstler/in Song
1 Malta Michela "Chameleon"
2 Albanien Jonida Maliqi "Ktheju tokës"
3 Tschechische Republik Lake Malawi "Friend Of A Friend"
4 Deutschland S!sters "Sister"
5 Russland Sergey Lazarev "Scream"
6 Dänemark Leonora "Love Is Forever"
7 San Marino Serhat "Say Na Na Na"
8 Nordmazedonien Tamara Todevska "Proud"
9 Schweden John Lundvik "Too Late For Love"
10 Slowenien Zala Kralj & Gašper Šantl "Sebi"
11 Zypern Tamta "Replay"
12 Niederlande Duncan Laurence "Arcade"
13 Griechenland Katerine Duska "Better Love"
14 Israel Kobi Marimi "Home"
15 Norwegen KEiiNO "Spirit In The Sky"
16 Großbritannien (UK) Michael Rice "Bigger Than Us"
17 Island Hatari "Hatrið mun sigra"
18 Estland Victor Crone "Storm"
19 Weißrussland Zena "Like It"
20 Aserbaidschan Chingiz "Truth"
21 Frankreich Bilal Hassani "Roi"
22 Italien Mahmood "Soldi"
23 Serbien Nevena Božović "Kruna"
24 Schweiz Luca Hänni "She Got Me"
25 Australien Kate Miller-Heidke "Zero Gravity"
26 Spanien Miki "La venda"

Madonna-Auftritt mit "Like a Prayer" und Weltpremiere "Future"

Weltstar Madonna wird - außer Konkurrenz - ebenfalls auftreten. Sie wird laut Medienberichten ihren 80er-Jahre-Hit "Like a Prayer" und als Weltpremiere den neuen Song "Future" aufführen. Nach Angaben der britischen PR-Firma "Number 10 strategies" wird der israelisch-kanadische Geschäftsmann Sylvan Adams die gesamten Kosten für Madonnas Auftritt tragen - schätzungsweise rund 1,15 Millionen Euro.

Deutschland bislang zweifacher ESC-Sieger

Deutschland hat den Eurovision Song Contest bisher zwei Mal gewonnen: 1982 mit Nicole ("Ein bisschen Frieden") und 2010 mit Lena Meyer-Landrut ("Satellite"). Im vergangenen Jahr hatte Michael Schulte ("You Let Me Walk Alone") den vierten Platz erobert. 2018hatte die israelische Sängerin Netta Barzilai mit ihrem schrillen Auftritt begeistert - und mit ihrem Song "Toy" gewonnen. Damit holte sie den 64. ESC nach Tel Aviv.

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Hintergrund: Fragen und Antworten rund um den ESC

41 Künstler aus Europa und anderen Teile der Welt treten beim Eurovision Song Contest an. Wer darf teilnehmen und wie wird beim ESC der Sieger oder die Siegerin bestimmt? Nach welchen Regeln läuft dies genau ab? Damit Sie am Abend des Finales am 18. Mai mitreden können, haben wir die wichtigsten Fragen rund um den Musikwettbewerb beantwortet.

Worum geht es eigentlich beim Eurovision Song Contest?

Es soll die beste Komposition gefunden werden, es geht also prinzipiell um die Qualität eines Songs, nicht um den Auftritt selbst. So bekommt der Komponist den Preis, nicht der Interpret - auch wenn der natürlich im Rampenlicht steht. Initiiert wurde der Wettbewerb von der Europäischen Rundfunkunion (englisch: EBU), einem Zusammenschluss meist öffentlich-rechtlicher Sender aus Europa. Man wollte eine europaweite Show kreieren, die gute Einschaltquoten bringt. Damals nahmen nur sieben Länder teil. Beim 64. ESC in Tel Aviv in diesem Jahr sind es 41 Länder.

Wie läuft die Abstimmung im Finale?

Alle Teilnehmer-Länder dürfen im Finale ihre Punkte vergeben, auch diejenigen, die bereits in den Halbfinals ausgeschieden sind. Seit 2016 ist das Prozedere aber etwas komplizierter: Nach dem Auftritt der 26 Kandidaten können die Zuschauer per Telefon, SMS und App ihre Stimme abgeben. Zuvor haben bereits nationale Fachjurys aus Sängern und Komponisten ihre Stimme abgegeben. Verkündet werden dann zunächst die Jury-Wertungen - dabei bekommt jedes Land Punkte, das in der Jurywertung in den Top 10 landet. Das beste Land bekommt zwölf, das zweitbeste zehn, das drittbeste acht Punkte, dann geht es einzelpunkteweise runter bis eins. Nach den Jurys werden dann die Publikumspunkte vergeben. Gewinner ist das Land mit den meisten Punkten. Gastgeber Israel hat beim ESC übrigens schon viermal gewonnen.

Vier Mal hat Israel den ESC gewonnen, aber erst zum dritten Mal Gastgeber - warum?

1979 siegte Israel zum zweiten Mal in Folge beim Eurovision Song Contest, Gali Atari und Milk & Honey kamen in Jerusalem mit "Hallelujah" auf Platz eins. Im Vorjahr stand der Israeli Izhar Cohen mit "A-Ba-Ni-Bi" auf dem Siegerpodest. 1980 hätte Israel nach den Regeln wieder ESC-Gastgeber sein müssen. Das Land sagte jedoch ab, weil der Sender IBA sich nicht in der Lage sah, den teuren Wettbewerb zweimal in Folge zu veranstalten. Deshalb fand der ESC 1980 in Den Haag statt.

Früher sagte man häufig "Schlager-Grand-Prix" - heute auch?

Nein, die Schlager der Anfangsjahre wurden im Lauf der Zeit immer stärker durch Popsongs ersetzt. Heute hören Sie beim ESC vor allem internationalen Mainstream-Pop, doch es gibt auch immer wieder Ausnahmen - von Heavy Metal über folkloristische Polka bis zu Rap.

Dürfen nur europäische Länder teilnehmen?

Nein, es dürfen alle Mitglieder der EBU mitmachen. Dabei können sich auch Rundfunkanstalten beteiligen, die außerhalb Europas liegen. So ist auch Israel regelmäßig mit von der Partie und hat schon viermal gewonnen. In diesem Jahr ist es zum dritten Mal Gastgeber. Marokko nahm nur 1980 teil.

Und warum ist Australien dabei?

"Down Under" wurde 2015 anlässlich des 60. ESC-Jubiläums eingeladen, weil es in Australien eine recht große Fangemeinde gibt. Seitdem ist das Land fest dabei.

Warum gibt es zwei Halbfinals und ein Finale?

Mit dem Ende des Kalten Krieges ist die Zahl der europäischen Staaten und damit EBU-Mitglieder sprunghaft angestiegen - und damit auch die der ESC-Teilnehmer. Aber eine einzelne Show mit 41 Teilnehmern wäre viel zu lang und unübersichtlich. Also gibt es zwei Qualifikationsrunden. Aber nicht jeder muss sich qualifizieren.

Deutschland ist immer im Finale - Warum eigentlich?

1996 schaffte Deutschland zum ersten und einzigen Mal nicht den Sprung zum ESC-Finale. Die Bundesrepublik ist aber der größte Geldgeber der EBU und ein sehr großer Fernsehmarkt, also wurde die "Big Four"-Regelung (heute: "Big Five") beschlossen: Die fünf finanzstarken Länder Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien sind automatisch für das Finale qualifiziert, ebenso der Gastgeber. Alle anderen müssen in die Halbfinals.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 17. Mai 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 18:04 Uhr

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