Infektionsherd Open Air? Wie groß ist das Ansteckungsrisiko beim Festival?

Die Festival-Saison ist gestartet. Den Auftakt bildete am Pfingstwochenende "Rock am Ring" mit mehr als 90.000 Besuchern. Rekord! Doch sind wir schon wieder bereit für Open-Air-Events und Menschenmassen oder kommt im Herbst das böse Corona-Erwachen? Wie schützen wir uns auf Festivals vor einer möglichen Ansteckung?

Hände von Fans beim Rockkonzert.
Nach zwei Jahren endlich wieder ausgelassen feiern. Doch wie schützt man sich dabei vor Corona? Bildrechte: dpa

90.000 glückliche Fans feierten nach zwei Jahren Zwangspause die Rückkehr von "Rock am Ring": Zuschauerrekord! Wer hätte noch im Winter daran gedacht, dass im Sommer 2022 wieder ausgelassen Festivals gefeiert werden können - sogar fast ganz ohne Corona-Sicherheitsmaßnahmen?

Immerhin hat es die Eventbranche während der Corona-Jahre am härtesten getroffen: Sie war die erste, die als verzichtbar eingestuft und somit vollkommen ausgebremst wurde. Davon ist aktuell keine Spur mehr, auch andere Festivals verbuchen Rekord-Ticketverkäufe. Wer will da noch an Corona und ein mögliches Ansteckungsrisiko denken? 

Besucherrekord bei "Rock am Ring"

Nach zwei Jahren stiegen am Pfingstwochenende die legendären Festivals "Rock am Ring" in der Eifel und "Rock im Park" in Nürnberg. Nach Angaben der Veranstalter haben insgesamt 165.000 Menschen zur Musik von rund 70 Bands gefeiert. "Die meisten Fans sind ausgehungert nach Live-Events", sagte "Rock am Ring"-Sprecher Raphael Schmidt-Kretz der "Zeit". 

Rock am Ring 2022
165.000 Fans rockten den Ring. Bildrechte: IMAGO/Marc John

Feiern Ohne Maske und Abstand

Verständlich, dass bei einer derartigen Euphorie niemand die Spaßbremse spielen und die Corona-Keule schwingen möchte. Die Pandemie wurde während des Wochenendes fast vollkommen ausgeblendet. "Es gibt keine besonderen Hygienemaßnahmen. Das Festival findet wie gewohnt ohne Einschränkungen statt", so Schmidt-Kretz zur "Zeit". 

Das Gesundheitsamt des Kreises Ahrweiler riet Besuchern zwar zu Tests vor der Anreise und empfahl die Verwendung der Corona-Warn-App sowie Masken in Innenräumen und im Gedränge. Doch kontrolliert hat das keiner. 

Ein Mann schaut sich die Corona-Warn-App in der Entwickler-Version auf seinem Smartphone an, auf dessen Display das Logo der App zu sehen ist.
Die Verwendung der Corona-Warn-App wird aktuell vor allem für Festivals empfohlen. Bildrechte: dpa

Unbeschwert Feiern oder Sorge vor dem Herbst?

Keine Masken, kein Abstand – dabei warnen Experten bereits vor dem bösen Erwachen im Herbst. Und tatsächlich scheinen sich viele Festival-Besucher zu Pfingsten mit Corona infiziert zu haben. Das zeigt zumindest eine nicht-repräsentative Umfrage in einer Rock-am-Ring-Gruppe auf Facebook.

Unter den 1.300 Teilnehmern gaben 24 Prozent an, nach dem Festival positiv getestet worden zu sein. Zehn Prozent klagten über Symptome, ihre Tests blieben jedoch negativ. Neun weitere Prozent berichteten von Bekannten, die positiv getestet worden seien. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Nürnberg ist laut Website der Stadt nach dem Festival-Wochenende deutlich angestiegen. Von 250,2 auf 439,1 in zehn Tagen (Stand: 14. Juni). Stellt sich die Frage: War es das wert?

Der Festival-Sommer hat erst begonnen

"Rock am Ring" war erst der Auftakt einer langen Festival-Saison. Dieses Wochenende folgt am 17. Juni das Hurricane-Festival zwischen Bremen und Hamburg und das Southside im baden-württembergischen Neuhausen ob Eck. Anfang Juli dann der Summerjam in Köln. 

Festivalbesucher hören auf dem Hurricane Festival 2019 das Konzert der deutschen Hip-Hop-Gruppe "Die Orsons"
Auch zum Hurricane-Festival am 17. Juni wird mit einem Besucherrekord gerechnet. Bildrechte: dpa

Ist die Ansteckungsgefahr auf Festivals tatsächlich höher?

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die Ansteckungsgefahr im Freien deutlich geringer als in geschlossenen Räumen. Manche Experten sprechen sogar von weniger als 0,1 Prozent, da das Coronavirus vor allem über Tröpfchen oder Aerosole übertragen wird. Diese können sich im Freien nicht anreichern und werden von der Luft abtransportiert.

Es besteht lediglich ein geringes Risiko sich anzustecken, wenn man sich zum Beispiel für längere Zeit gegenübersteht und unterhält – was jedoch bei Festivals nicht selten vorkommt. Ein Abstand von 1,5 Metern ist hier die Ausnahme. Trotz der Open-Air-Situation gibt es also genügend klassische Ansteckungssituationen. 

Problematischer sind jedoch die Szenen vor oder nach dem Festival, wenn die Menschen im Auto, mit Bus oder Shuttle an- und abreisen oder in gemeinsamen Zelten übernachten. 

So schützen sie sich auf Festivals vor Ansteckungen

Hält man sich jedoch an ein paar Dinge, kann man mit einem deutlich ruhigeren Gewissen feiern. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät vor jedem Festival zu einem Corona-Test und zur Verwendung der Corona-Warn-App. So erkennt man schnellstmöglich eventuelle Risikosituationen und kann sich schützen. Außerdem sollte zumindest in öffentlichen Verkehrsmitteln auf einen Mund-Nasenschutz gesetzt werden. Außerdem nicht vergessen: Gut durchlüften! Das gilt auch für Zelte, in denen mehr als eine Person schläft. Abzuraten ist auch von einer gemeinsamen Nutzung von Flaschen, Gläsern, etc.

BRISANT

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