"Sissi", "Mr. Bean" und Co. Film ab! statt Vollnarkose im OP

Eine Vollnarkose ist immer auch mit Risiken verbunden. Um diese zu reduzieren, setzt man im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin bei Operationen an Hüfte, Knie, Händen und Füßen auf eine neue schonende Technik. Film ab!

Blick durch ein Fenster in einen Operationssaal
Im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin wird der OP zum Kinosaal. (Archiv) Bildrechte: dpa

Normalerweise wartet bei einer Knie- oder Hüft-OP eine Vollnarkose auf die Patienten. Nicht so im Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin. Dort lautet die immer häufiger angewendete Formel: Örtliche Betäubung plus Kinofilm. Das bedeutet, dass Patienten während der Operation wach sind und eine audiovisuelle Brille aufgesetzt bekommen. Sie verdeckt Augen und Ohren und schottet vollständig vom OP-Geschehen ab.

Kreislauf wird geschont

Damit die Patienten keine Schmerzen haben, während die Chirurgen zum Operationsbesteck greifen, werden die entsprechenden Stellen örtlich betäubt. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen werden bei einer Lokalanästhesie weniger Aerosole freigesetzt, als bei einer Vollnarkose - was in Zeiten von Corona durchaus positiv ist, zum anderen kommen Patienten nach der OP schneller wieder auf die Beine, weil der Kreislauf geschont wird.

Was auch nicht zu verachten ist: Die Patienten können sich einen schönen Film ansehen und die OP quasi im Kinosessel überstehen. Die Filmauswahl ist groß und reicht von "Mr. Bean", "Heidi" und "Bridget Jones" bis hin zu Klassikern wie "Sissi" und "Das Leben des Brian".

Entspannt einen Film schauen

"Die Patientinnen und Patienten finden die neue Videobrille großartig und sind total begeistert", freut sich Prof. Dr. Christoph Raspé, Chefarzt der Klinik für Anästhesie über das positive Feedback. "Unsere Patientinnen und Patienten haben jetzt mit der Videobrille die Möglichkeit, nichts von der eigentlichen OP mitzubekommen, obwohl sie wach sind, sondern können entspannt im Film tolle Landschaften besuchen", fügt Dr. Heiko Spank, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie hinzu.

Wegen der Hygiene braucht man sich bei den Geräten in Zeiten von Corona ebenfalls keine Sorgen machen. Das System sei nach Klinikangaben komplett desinfizierbar und die Ohrstücke seien auswechselbar.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 06. August 2020 | 17:15 Uhr

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