Autos stehen auf der Autobahn an der abgesperrten Unfallstelle von einem verunglückten Bus.
Bildrechte: dpa

Busunfall auf A9 bei Leipzig Wie sicher ist das Reisen mit Flixbus?

Nach dem Busunfall bei Leipzig laufen die Ermittlungen zur Unfallursache. Der verunglückte Bus gehört zur Flotte des größten deutschen Fernbusunternehmens Flixbus. Wie steht es dort um die Sicherheit der Fahrgäste? MDR SACHSEN hat nachgefragt.

Autos stehen auf der Autobahn an der abgesperrten Unfallstelle von einem verunglückten Bus.
Bildrechte: dpa

Waren die Businsassen in dem verunglückten Flixbus angeschnallt?

Wie viele der Fahrgäste angeschnallt waren, kann weder die Polizei noch das Unternehmen sagen. Die Flixbus-Fahrer seien dazu angewiesen, vor Beginn einer Fahrt in mehreren Sprachen auf die gesetzliche Anschnallpflicht hinzuweisen, teilte das Unternehmen auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Allerdings könnten die Fahrer nicht sicherstellen, dass alle Passagiere der Pflicht nachkommen.

Henrik Liers von der Verkehrsunfallforschung der TU Dresden ist der Meinung, die Busunternehmer und - Hersteller könnten hier noch mehr tun. Prinzipiell wären auch technische Lösungen denkbar, wie sie aus dem Pkw-Bereich bekannt sind, sagt Liers MDR SACHSEN. Die Fahrzeuge würden durch eine Gurtstatusanzeige an jedem Sitz zwar teurer. Wenn ein Busfahrer dann aber konsequent nicht eher losfahren würde, bis alle angeschnallt wären, hätte das sicher auch einen erzieherischen Effekt auf alle Mitreisenden, sagte Liers.

Welche Sicherheitssysteme sind in den Bussen von Flixbus im Einsatz?

Die Fernbusflotte sei mit modernsten Sicherheitssystemen ausgestattet, so das Unternehmen. Dazu gehörten Fahrdynamikregelung, Spurhalteassistent, Abstandsregeltempomat, Aufmerksamkeitsassistent sowie Brems- und Notbremsassistent. Flixbus gehe damit weit über die geforderten Standards hinaus. Ob der Unfallbus einen Aufmerksamkeitsassistenten hat, konnte ein Unternehmenssprecher allerdings nicht sagen. Solche Systeme sollen Sekundenschlaf erkennen und den Fahrer frühzeitig warnen.

Nach Einschätzung des Unfallforscher Henrik Liers sollte die gesetzlichen Anforderungen an Notbremssysteme verschärft werden. Darüber hinaus sollten auch andere Systeme verpflichtend werden, die dem Fahrer assistieren oder in Notsituationen unterstützen, etwa eine Fahrerzustandserkennung, so Liers.

Wie lange saß der Busfahrer am Steuer, als der Unfall passierte?

Das Unternehmen wollte die Frage zunächst nicht beantworten. Die internen Untersuchungen dauerten an. Im übrigen verweist Flixbus auf die strengen Regeln bei Lenk- und Ruhezeiten. Der Bus war im Auftrag von Flixbus von Berlin nach München unterwegs gewesen. Das Fahrzeug sei im April inspiziert worden, Beanstandungen habe es keine gegeben, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Wie sind die Lenk- und Ruhezeiten in dem Unternehmen geregelt?

Die Einhaltung der vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten wird nach Angaben des Sprechers regelmäßig kontrolliert, auch mithilfe von Satellitendaten. Nach spätestens viereinhalb Stunden ist ein Busfahrer gesetzlich verpflichtet, 45 Minuten Pause zu machen. Die Ruhezeit kann auch aufgeteilt werden. Zweimal wöchentlich darf ein Busfahrer zehn Stunden hinter dem Steuer sitzen, an den anderen Tagen höchstens neun Stunden. Bei Nachtfahrten sind laut Flixbus grundsätzlich zwei Fahrer an Bord.

Wie garantiert Flixbus, dass ein Busfahrer aufgrund unvorhergesehener Umstände wie Stau die Lenkzeiten einhält?

Sollte ein Fahrer nur noch bis zum nächsten Rasthof kommen, werde versucht, einen Ersatzbus bzw. Ersatzfahrer zu organisieren, der den Bus übernehmen oder die Passagiere beim Rasthof aufnehmen kann. Eine andere Möglichkeit sei auch, dass regulär vorbeifahrende Busse Fahrgäste einsammeln und zur nächsten Haltestelle mitnehmen.

Wie sicher ist das Fahren mit dem Fernbus?

Andreas Hölzel, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs, sagte, grundsätzlich sei die Fahrt mit Bahn und Bus deutlich sicherer als die mit dem Auto. Allerdings: Wenn etwas passiere, sei die Zahl der Betroffenen bei Busunfällen häufig groß. Auch der Verkehrsunfallforscher Henrik Liers von der TU Dresden sagte, Busse seien auf der Straße die mit Abstand sichersten Verkehrsmittel. Das liege auch daran, dass in Bussen nahezu ausschließlich Berufskraftfahrer am Steuer säßen, die häufiger geschult und medizinisch überprüft werden, als der durchschnittliche Autofahrer. Darüber hinaus seien die Insassen von Bussen in den meisten Unfallsituationen allein durch die Masse der Fahrzeuge besser vor Verletzungen geschützt als Pkw-Insassen oder gar Zweiradfahrer.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.05.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Mehr aus Sachsen