Das Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline wird von eim Schiff der libyschen Küstenwache erreicht
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Mehr als 230 Menschen an Bord Flüchtlingsschiff "Lifeline": Die Lage spitzt sich zu

BRISANT | 25.06.2018 | 17:15 Uhr

Der "Lifeline" läuft die Zeit davon. Mit mehr als 230 Flüchtlingen an Bord sucht die Crew des Schiffes einen Hafen. Nachdem Italien und Malta die Einfahrt verweigert hatten, spitzt sich die Lage zu.

Das Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline wird von eim Schiff der libyschen Küstenwache erreicht
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Die "Lifeline" mit 234 Flüchtlingen an Bord liegt derzeit vor Malta in internationalen Gewässern, nachdem der Inselstaat und Italien die Aufnahme verweigert hatten. Führende Politiker beider Länder werfen sich gegenseitig Unmenschlichkeit vor, weil keiner der beiden Staaten bereit ist, die Schiffbrüchigen bei sich aufzunehmen.

Die Flüchtlinge waren am Donnerstag aus Seenot gerettet worden. Seitdem wird ein Hafen gesucht. Nach Angaben des Sprechers der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline", Axel Steier, sind inzwischen diplomatische Verhandlungen zwischen mehreren Ländern im Gang.

Wir streiten uns nun ehrlich darüber, ob es rechtswidrig ist, Menschen aus Lebensgefahr zu retten und versorgen zu dürfen.

Axel Steier | Sprecher der Hilfsorganisation "Mission Lifeline"

Völlig überbesetzt

Steier betont, die medizinische Versorgung der Flüchtlinge sei zunächst sichergestellt. Das Schiff sei aber völlig überbesetzt, viele der Menschen unterernährt "durch monatelange Aufenthalte in Folterlagern in Libyen". Es befänden sich Personen an Bord, die bereits viermal von der libyschen Küstenwache zurückgeschickt worden seien. Andere berichteten von Vergewaltigungen und anderen schlimmen Erfahrungen.

Viele Kinder an Bord

Laut Kapitän Klaus-Peter Reisch sind unter den 234 Flüchtlingen an Bord der "Lifeline" auch viele Frauen und Kinder. "Davon sind 70 unbegleitete Minderjährige - auch ein Zwölfjähriger, der zusammen mit zwei 13-Jährigen unterwegs ist", berichtet der Kapitän. "Von unseren Passagieren sind 14 Frauen und wir haben vier Kinder an Bord, darunter zwei Kleinkinder - eines mit vier Monaten." Aufgrund des Platzmangels schlafen sie seit Tagen auf dem Boden. Noch sei die Lage an Bord stabil. Das werde sich aber bald ändern, sagt der Kapitän. Er denkt, dass der Wind am Dienstagabend deutlich zunehmen wird.

Der Seegang ist mit 1,50 Meter bis 1,70 Meter vorhergesagt. Daraus wird resultieren, dass wir sehr viele Fälle - wenn nicht sogar alle Passagiere - mit Seekrankheit haben werden. Manche bestehen nur aus Haut und Knochen. Dann wird die Lage hier deutlich gefährlicher werden.

Klaus-Peter Reisch  | Kapitän der "Lifeline"

Warum nicht zurück nach Libyen oder Tunesien?

Viele Menschen fragen sich unterdessen, warum das Schiff nicht einfach Libyen oder Tunesien anläuft. Das sei unter internationalem Seerecht illegal, weil es kein "sicherer Hafen" ist, erklärt Crew-Mitglied Aline Watermann. Den Menschen drohe dort eine menschenunwürdige Behandlung.

Menschen mit dunkler Haut werden dort eingesperrt, gefoltert und umgebracht. Schon aus reiner Menschlichkeit ist es unmöglich, die Geretteten dahin zurückzubringen. Was Tunesien angeht: Auch dort ist es nicht sicher. Aber die Option besteht derzeit auch gar nicht.

Aline Watermann | Crew-Mitglied

Stichwort: "Mission Lifeline" Der Dresdner Verein "Mission Lifeline" wurde im Mai 2016 gegründet, um Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten. Die Mitarbeiter suchen vor allem entlang der libyschen Küste nach in Seenot geratenen Menschen und kooperieren dabei mit anderen Hilfs- und Rettungsorganisationen.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 25. Juni 2018 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 21:20 Uhr

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